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Die Fans von Eintracht Frankfurt lieben Martin Hinteregger. 

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Martin Hinteregger: Genug der Eskapaden

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Eintracht Frankfurt-Verteidiger Martin Hinteregger hat im Kreise der Nationalmannschaft Österreichs für den nächsten Eklat gesorgt. Er sollte den Bogen nicht überspannen. Der Kommentar. 

Martin Hinteregger aus Feldkirchen in Kärnten ist zweifelsfrei ein spezieller Typ, anders als andere, anders als andere Fußballprofis sowieso. Das muss nicht schlecht sein, im Gegenteil. Der 27-Jährige hat bis vor kurzem noch mit einem alten Klapphandy telefoniert, dafür macht er seinen Pilotenschein, er spielt Ziehharmonika, täglich gar. Der Eintracht-Profi setzt sich über Normen und Dogmen hinweg, irgendwann, nach einer Meisterschaft mit RB Salzburg, ist er mit seinem PS-Ungeheuer auf die Skipiste gedüst und musste prompt abgeschleppt werden. Der Mann eckt an und hat seinen eigenen Kopf. Konventionen sind ihm fremd. Das ist nicht schlimm, in der hochgezüchteten Fußballbranche sogar eher wohltuend.

Martin Hinteregger feiert zu lange

Weniger wohltuend sind Hintereggers Ausfälle auf anderem Terrain. Schon zum zweiten Mal hat er nun zu lange und ausgiebig gefeiert, einmal torkelte er über ein Dorffest in Tirol, jetzt feierte er seinen Geburtstag in Flachau und überzog den Zapfenstreich der österreichischen Nationalmannschaft deutlich. In Augsburg, schrieb die „Sportbild“ unlängst, soll es mehrere Alkoholvorfälle gegeben haben, „die verschwiegen wurden“.

Um nicht mit der moralischen Keule um die Ecke zu kommen: Jeder Mensch, dazu gehören ganz sicher auch Spitzenathleten mit Millionengehältern, hat ein Recht auf Privatsphäre und die Freiheit auf persönliche Gestaltung seiner Freizeit. Und doch gibt es, gerade für einen Fußballprofi in der Öffentlichkeit, Regeln und Grenzen; Grenzen, die Martin Hinteregger, wie er jetzt freimütig einräumte, überschritten hat. Das macht ihn nicht zu einem schlechteren Menschen, eher nahbar und irgendwie authentisch, für manch einen Fan kommt er auch deshalb so gut an, weil er „einer von uns ist“.

Schlecht für die Außendarstellung von Eintracht Frankfurt

Aber der Nationalspieler muss aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen, das ist ein schmaler Grat, denn es geht um ein gläsernes Leben in einem Milliardengeschäft, es geht um Vorbildfunktion und Haltung. Verfehlungen dieser Art, erst recht kurz vor einem Spiel, haben mit professionellem Verhalten nichts zu tun, Eskapaden dieser Art sieht kein Trainer der Welt gerne. Für die Außendarstellung eines Bundesligavereins ist das nicht zuträglich.

Martin Hinteregger sollte sich darüber im Klaren sein, ein Leben im Rampenlicht zu führen, und zwar im Zeitalter von Handykameras, Instagram und Twitter. Er sollte auch wissen, dass er eine Verantwortung seinen Mitspielern gegenüber hat. Und die Eintracht sollte sich nicht wegducken, sondern ihrem Spieler verdeutlichen, was sie von ihm erwartet und erwarten darf. Eskapaden gehören nicht dazu.

Von Ingo Durstewitz

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