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Eintracht: Sind mehrere Profis überfordert oder nicht gut genug?

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Von: Daniel Schmitt

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Oliver Glasner
An seinem Engagement liegt es nicht: Eintracht-Trainer Oliver Glasner gibt an der Seitenlinie Vollgas. © Rolf Vennenbernd/dpa

Was ist mit Eintracht Frankfurt los? Ist manch Profi überfordert oder qualitativ nicht gut genug? Weshalb trifft Trainer Glasner seltsame Personalentscheidungen? Ein Kommentar.

Frankfurt – Kurz vor dem die Pleite bringenden 0:1 beackerte Oliver Glasner verbal seinen an diesem Tage sehr schlechten Besten. Der Trainer redete auf Filip Kostic ein, haute ihm taktische Anweisungen um die Ohren, und Kostic wirkte kurz so, als wolle er einfach nur weg. Einwurf ausführen und abhauen.

Es soll keineswegs auf ein geschädigtes Verhältnis zwischen Trainer und Spielern von Eintracht Frankfurt abgezielt werden, das scheint intakt – trotz der vierten Pleite im sechsten Spiel des Jahres, trotz der erstmals seit langer Zeit öffentlich kundgetanen Glasner-Kritik an seiner Truppe, trotz des Lethargie-Vorwurfs an manch Profi, insbesondere an Daichi Kamada. Aber doch veranschaulicht die Szene die aktuellen Schwierigkeiten: Es wird aneinander vorbei geredet, die Rädchen greifen nicht ineinander, was der Coach will, bekommen die Spieler schlicht nicht hin.

Eintracht Frankfurt: Gedanken an Europa verbieten sich

Glasners auffällige Anweisungsflut während der 94 Minuten von Köln ist Ausdruck dessen: Hier zwei Meter nach links, dort ein bisschen weiter nach rechts, und, und, und. Selten ist so etwas zu bestaunen im Profifußball, erinnert dann eher an die Kommunikation von Trainern mit taktisch noch nicht ausgereiften Jugendspielern. Glasner versucht, seiner Mannschaft Hilfestellungen in jedweder Situation zu geben, die aber hat derzeit schon mit den Basics ihre liebe Last. An Engagement mangelt es dem Frankfurter Coach nicht, seinem Team in diesen Tagen dagegen schon eher.

Die erneut miese Zweikampfquote lässt stutzen, der Verdacht drängt sich, manch Profi könnte sich zu schade sein für die wichtige Kärrnerarbeit, könnte sich gar für qualitativ besser halten, als er es - zumindest momentan - eben ist. Haben vermeintliche Unterschiedsspieler wie Kostic und Kamada in Köln, oder zuletzt auch Martin Hinteregger, mehr mit sich selbst als dem Gegner zu kämpfen, dann wackelt das System. Andere Profis springen nicht in die Bresche, schwimmen nur mit. Die Körperlichkeit, lange Zeit eine Frankfurter Stärke, ist abhanden gekommen. Die Mannschaft verliert sich in sich selbst.

Eintracht Frankfurt: Die zur Verfügung stehende Trainingszeit fruchtet nicht

Glasner spürt das, versucht als coachendes HB-Männchen entgegenzuwirken, irgendwie den richtigen Dreh reinzukriegen, doch es gelingt nicht. Ist manch Profi womöglich einfach überfordert? Oder qualitativ nicht gut genug?

Fakt ist: Die zur Verfügung stehende Trainingszeit fruchtet nicht. Auch der Coach hat in diesem Jahr manch erstaunliche Personalentscheidung getroffen, rückblickend betrachtet falsche. Dass etwa Ajdin Hrustic nach seinem Stuttgart-Doppelpack nur noch fünf Minütchen spielen durfte, den Flow also nicht nutzen konnte, ist seltsam. Dass Ansgar Knauff nach 20 ordentlichen Minuten gegen Wolfsburg, sich in Köln erneut hinter Timothy Chandler und Danny da Costa einreihen musste, ebenso. Dass Jesper Lindström regelmäßig ausgewechselt wird, zumindest überdenkenswert. Kurzum: Es ruckelt an allen Ecken und Enden. Stand jetzt verbieten sich damit jedwede Gedanken an den Europapokal. (Daniel Schmitt)

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