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Fix und fertig: Sebastian Rode.

Kommentar

Der Geist von Eintracht Frankfurt

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Eintracht Frankfurt, lange mausgrau, ist aufregend und pulsierend, gerade in der Kombination mit dem entfesselten Anhang. Ein Kommentar.

Da lag er dann auf der Wiese, der noch immer so juvenil wirkende Seppl aus Alsbach-Hähnlein, alle Viere von sich gestreckt, ausgepumpt, platt, fix und foxi. Nach dem Abpfiff des heroischen Kampfes gegen den FC Chelsea ging dann sogar bei Oberterrier Sebastian Rode nichts mehr, rien ne va plus.

Der 28-Jährige ist zu seiner Bayern-Zeit vom damaligen Münchner Sportdirektor Matthias Sammer mal als Mentalitätsmonster betitelt worden, eine etwas seltsame Bezeichnung, die Kunde dahinter ist freilich klar: Da steht einer auf dem Platz, der sein Herz auf selbigem lässt, der bis zum finalen Gong alles aus seinem Körper holt, was in ihm steckt. Rode befindet sich in bester Gesellschaft, er hat sich im Winter einer Einheit angeschlossen, die Willen, Haltung und Einstellung im Übermaß vereint. Auch wenn die Mitglieder des Fightclubs längst auf der letzten Rille laufen.

Eintracht Frankfurt hat in dieser Saison einen niemals für möglich gehaltenen Parforceritt hingelegt, mit den rasanten Auftritten auf nationalem und vor allem auf internationalem Terrain Prestige, Renommee und Sympathien gewonnen. Es ist schick, den wuchtigen und dynamischen Klub gut zu finden, und wer Fußball liebt, kann gar nicht anders.

Die Eintracht, lange mausgrau, ist aufregend und pulsierend, gerade in der Kombination mit ihrem entfesselten Anhang. Überregionalen und selbst ausländischen Medien gehen die Superlative aus, um die Leistungen des Teams zu würdigen. Da werden wildromantische Geschichten erzählt, auch weil die Eintracht so ein bisschen die Sehnsucht nach der Zeit stillt, als das Spiel noch echt und urwüchsig war. Diese Mannschaft ist eine außergewöhnliche. Nicht weil sie die fußballerisch beste ist, sondern weil sie diesen besonderen Geist hat. Wer gesehen hat, wie sich die müde Gruppe dem übermächtigen FC Chelsea entgegengestellt hat, mit welch Überzeugung und Aufopferung, der fühlte sich unweigerlich an einen modernen Gladiatorenkampf erinnert.

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Die Frankfurter Jungs, die ja gar keine Frankfurter Jungs sind, sondern sich zu einer homogenen Multikultitruppe aus 19 Ländern zusammengefunden haben, diese Spieler sind längst Image- und Werbeträger, ja Botschafter – für die Bundesliga, den deutschen Fußball und die Stadt. Selbst die EU-Kommission ließ sich von dem geballten Enthusiasmus anstecken und twitterte vor dem Halbfinale: „Eintracht Frankfurt ist mehr als ein Fußballteam, Eintracht Frankfurt ist Europa.“ Das muss man sich mal vorstellen.

Eintracht ist alles zuzutrauen

Trainer Adi Hütter, der das Ensemble unaufgeregt und gekonnt anleitet, hat im Endspurt die schwierige Aufgabe, die richtige Balance zu finden. Am Sonntag steht ein wichtiges Bundesligaspiel in Leverkusen an, da geht es um die Champions League. Und am Donnerstag will die Eintracht in London versuchen, das Unmögliche möglich zu machen und ins Finale von Baku einzuziehen. Dazu braucht sie Frische, im Kopf und in den Beinen. In dieser Gemengelage kann man sich schnell verhaspeln – und am Ende womöglich mit ganz leeren Händen dastehen.

Eintracht Frankfurt, zu dieser Einschätzung kann man kommen, hat jetzt etwas zu verlieren, kann, wenn es denkbar schlecht läuft, in der Liga noch Europa verspielen und in England aus Europa ausscheiden. Einerseits. Andererseits hat diese Mannschaft schon so viel gewonnen, dass sie nicht mehr viel verlieren kann. Sie hat den Menschen, nicht nur in Frankfurt, magische Momente geschenkt, denkwürdige Auftritte und unvergessliche Erlebnisse. Das wird bleiben. Und eines sollte man nicht vergessen: Dieser Mannschaft ist sowieso alles zuzutrauen.

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