Die Fans von Eintracht Frankfurt.
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Kommentar: 6.500 Zuschauer zum Bundesliga-Start in Frankfurt - Eintracht als Mutmacher

  • Frank Hellmann
    vonFrank Hellmann
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Die Genehmigung für 6500 Besucher zum Auftakt ist ein Erfolg, der zwar kein Geld bringt, aber das Ansehen steigert. Mit einer Vorbildwirkung weit über den Fußball hinaus. Ein Kommentar.

Es ist noch nicht vorgekommen, dass Christoph von Reisenauer und Philipp Hessberger bei einem Pressetermin in der Vorstandsloge der Frankfurter Arena mal in der ersten Reihe stehen. Um Fragen zu beantworten, die ganz viele Fans bewegt: Unter welchen Bedingungen können Zuschauern von Eintracht Frankfurt wieder ins Stadion? Was ist beim Besuch des Bundesligaspiels gegen Arminia Bielefeld am nächsten Samstag zu beachten. Dass darüber im Detail zwei junge Mitarbeiter, der Bereichsleiter Zuschauerservice (von Reisenauer) und Vorstandsreferent (Hessberger), öffentlich Auskunft erteilten, war ein Zeichen von Wertschätzung.

Eintracht Frankfurt: Wochenlange Detailarbeit

Für wochenlange Detailarbeit, die am Freitagvormittag einen gar nicht mehr für möglich gehaltenen Erfolg brachte: Nach ausführlicher Prüfung genehmigten die politischen Entscheidungsträgern, in Person des Frankfurter Gesundheitsdezernenten Stefan Majer und dem Frankfurter Gesundheitsamt um Amtsleiter Prof. Rene Gottschalk, das vorgelegte Papier insofern, dass die ersten zwei Heimspiele 6500 Besucher zugelassen werden. Stand jetzt.

Das geht so: Jeder bekommt einen festen Sitzplatz zugewiesen, vier Plätze rechts und links bleiben frei. Auch der Platz vor und hinter jedem Ticketinhaber. Es ist davon auszugehen, dass es in der Arena weitaus disziplinierter zugeht als jeden Samstag zur selben Zeit vor der Kleinmarkthalle in der Frankfurter Innenstadt, wo ein junges Eventpublikum Woche für Woche alle Abstandsregeln ignoriert. Darunter eine hohe Zahl junger Studenten. Aber das nur nebenbei.

Eintracht Frankfurt: Tickets personalisiert

Die Verantwortlichen beim hessischen Bundesligisten haben sehr strukturiert aufgezeigt, worauf es ankommt – und wo Menschenansammlungen vermieden werden können. Das Stadion soll in einem empfohlenen Zeitfenster betreten werden, der Mund- und Nasenschutz ist nur dann nicht zu tragen, wenn der Besucher auf seinem Platz sitzt. Natürlich ist das Ticket personalisiert. Auswärtsfans sind nicht zugelassen. Immerhin: schreien und schimpfen, anfeuern und singen – alles erlaubt. Man werde nicht die „Pandemie-Polizei“ spielen, hat Vorstand Axel Hellmann eingedenk eines möglichen Fehlverhaltens gesagt.

Der Jurist, der so manchen Pappenheimer noch aus seiner Zeit als einfacher Fan im Waldstadion kennt, setzt auf die Selbstverantwortung seiner Stammkundschaft. Wer sich unter den 31.000 Dauerkarteninhabern bewirbt, darf darauf hoffen, für die 6500 zur Verfügung stehenden Karten ausgelost zu werden – und der Verein setzt im Gegenzug darauf, dass sich derjenige auch ordentlich benimmt. Vorweg: Das vorgelegte Konzept ist detailliert, durchdacht und einleuchtend. Von der Sitzplangestaltung, der Kartenverteilung, der An- und Abreise bis zur Nachverfolgung möglicher Infektionsketten ist auf 33 Seiten abzulesen, dass dahinter kein Schnellschluss steckt. Im Gegenteil.

Eintracht Frankfurt tritt in Vorreiterrolle

Die Frankfurter Eintracht tritt mit ihrem dynamischen Zuschauerkonzept in Zeiten der Corona-Pandemie ganz bewusst in eine Vorreiterrolle. Und das langjährige Vorstandsmitglied Hellmann ist längst so selbstbewusst, dass auch genauso zu artikulieren. So wie DFB und DFL einst im Frühjahr ein weltweit erst bewundertes, dann nachgeahmtes Hygienekonzept für die Wiederaufnahme des Spielbetriebs ohne Zuschauer vorlegten, will der hessische Bundesligist jetzt anderen Klubs eine Orientierungshilfe bieten. Nur RB Leipzig und der 1. FC Köln, so ist aus der Liga zu hören, haben derart weitreichende Vorarbeit geleistet.

Hellmann hätte daher kein Verständnis dafür, wenn nun Vergleiche angestellt würden. Frankfurt spielt vor 6500 Zuschauern, während der FC Bayern sein Eröffnungsspiel gegen den FC Schalke am Freitagabend wieder als Geisterspiel austragen muss. Wäre das am ersten Spieltag unfair? Hellmann sagt zu Recht, dass ihm da ganz andere Formen der Wettbewerbsverzerrung einfielen. Stichwort: TV-Gelder oder Uefa-Prämien. Dass die Eintracht ihr Konzept – genau wie DFB und DFL- öffentlich macht, hat vor allem damit zu tun, dass auch andere Sportarten, erst recht die Hallensportarten Basketball, Handball und Eishockey, davon lernen und etwas übernehmen sollen.

Das kann sogar noch weiter gehen: Auch die Konzert- und Eventbranche sind aufgefordert, sich daran zu bedienen. Man wolle „Eisbrecher“ (Hellmann) sein: Die Eishockeyspieler der Löwen Frankfurt dürfen es fast wörtlich nehmen, die Basketballer der Frankfurter Skyliners gerne was abschauen. Klar ist: Funktioniert die Umsetzung, dann gewinnt die Eintracht enorm. Nicht finanziell, denn erst ab 10.000 Zuschauer wäre der Betrieb kostendeckend, aber beim Renommee. Denn Mutmacher in Krisenzeiten bleiben in Erinnerung. (Von Frank Hellmann)

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