Schießt Tore: André Silva. 
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Schießt Tore: André Silva. 

SGE

Eintracht Frankfurt: Knipser und Abräumer

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Stürmer André Silva und Staubsauger Dominik Kohr spielen sich bei Eintracht Frankfurt rechtzeitig in den Vordergrund.

  • Silva und Kohr überzeugen bei Eintracht Frankfurt
  • Mehr Stabilität durch Dominik Kohr
  • SGE trifft auf Schalke 04 im nächsten Spiel

Frankfurt - Natürlich wusste André Silva sofort, bei wem er sich zu bedanken hatte nach seinem Treffer in Berlin, bei Daichi Kamada, der das zwischenzeitliche 2:1 in allerbester Jay-Jay-Okocha-Manier brillant aufgelegt hatte. Dem Japaner gebührte zweifellos der Löwenanteil an dem wunderschönen Tor, aber André Silva war es, der es mit der Hacke zum (wahrscheinlichen) Tor des Monates veredelte. So ganz einfach war der Part des 24 Jahre alten Stürmers also nicht. Dass der Portugiese bereits den Ausgleich aufgelegt und später noch das 4:1 erzielt hatte, rundete eine beeindruckende Leistung ab. Und dazu benötigte der Angreifer nur 45 Minuten.

Eintracht Frankfurt: Es läuft bei André Silva

André Miquel Valente Silva, im Sommer auf den letzten Drücker im Tausch mit (dem jüngst gerade wieder des Feldes verwiesenen) Ante Rebic bekanntlich vom AC Mailand gekommen, hat derzeit das, was man gemeinhin einen Lauf nennt. Er ist seit dem Re-Start der Bundesliga am 16. Mai der treffsicherste Angreifer, mehr als seine sechs Tore in sieben Partien hat kein anderer Stürmer erzielt, insgesamt sieht die Bilanz des schwarzhaarigen Iberers mit zehn Treffern und vier Vorlagen in 22 Ligaspielen sehr ordentlich aus. Dazu hat er in der Europa League mit seinen beiden Treffern beim 2:2 gegen FC Salzburg großen Anteil am Weiterkommen, auch im Pokalwettbewerb hat er dreimal getroffen - in bisher 33 Pflichtspielen für die Eintracht sind ihm 15 Treffer gelungen.

Es hat ein bisschen gedauert, ehe Silva, in der Nähe von Porto geboren, Fuß gefasst hat in Frankfurt. Der Start war zwar gelungen - in den ersten vier Begegnungen in der Liga traf er dreimal -, danach aber baute er mehr und mehr ab. Vor allem körperlich. Ein ums andere Mal plagten Silva kleinere Problemchen, er geriet außer Tritt, vor allem die Achillessehne bereitete ihm Probleme, wie schon bei seinem vorherigen Stationen in Mailand und beim FC Sevilla. Bei den Hessen schien er sein fußballerisches Potenzial nicht ausschöpfen zu können, im Winter verlor er zudem seine Form, wirkte schwerfällig. Ihm fehlte vor allem die körperliche Präsenz, in den Duellen Mann gegen Mann zog er viel zu oft den Kürzeren, Trainer Adi Hütter tadelte ihn prompt. Er, Silva, besitze nicht „das Level, das wir uns vorgestellt hatten“, wurde der Coach in der Öffentlichkeit ungewohnt deutlich.

Eintracht Frankfurt hat einen neuen Leistungsträger

Der Nationalspieler Portugals hatte in Frankfurt mit den ganz normalen Anpassungsschwierigkeiten zu kämpfen, neuer Klub, neue Sprache, neues Land, zuletzt pendelte er zwischen Italien, Spanien, Portugal und Deutschland. „Daran musste ich mich erst gewöhnen“, sagte er seinerzeit. Dazu schwebte wie ein Damoklesschwert der Spruch des großen Cristiano Ronaldo über dem immer schmächtiger werdenden Silva: „Wenn ich zurücktrete, wird Portugal in guten Händen sein, denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden: André Silva.“ Dieses Lob belastete ihn mehr als es ihm half.

Inzwischen ist der Portugiese, dessen Leihvertrag noch ein weiteres Jahr läuft, längst zu einem Leistungsträger geworden, zumal er oft die undankbarste Aufgabe im Team zu übernehmen hatte: Als einziger Angreifer allein auf weiter Flur gegen zwei, drei baumlange Verteidiger. Und trotzdem hat er sich in Unterzahl erstaunlich gut aus der Affäre gezogen. Er behauptet die Bälle, kann sie dank seiner Technik verarbeiten, dribbelstark ist er ohnehin. Noch gefährlicher freilich wäre er an der Seite eines zweiten Angreifers, sei es nun Bas Dost oder Landsmann Goncalo Paciencia, der auf der Schlussgerade der Saison noch einmal ins Laufen kommen soll. „Mental und physisch“, sagte der Matchwinner vom Samstag, sei er jetzt stärker, diese Zeit habe er für seine Entwicklung benötigt.

Eintracht Frankfurt: Mehr Stabilität mit Hard-Kohr

Ganz ähnlich war es Dominik Kohr ergangen, er war im Sommer für knapp zehn Millionen Euro von Bayer Leverkusen gekommen. Der defensive Mittelfeldspieler hat die Erwartungen anfangs nicht ganz erfüllt, sehr schwankend waren seine Leistungen. Geplant war, dass Kohr dank seiner Robustheit und seines ebensolchen Spielstils eine andere Note ins Frankfurter Spiel bringen sollte. Doch so wirklich konnte sich „Hard-Kohr“ nicht durchsetzen, er kam zwar auch auf 36 (von 51 möglichen) Pflichtspielen, aber zum Stammspieler reichte es nicht. Dazu offenbarte er immer wieder spielerische Defizite. Doch zum Ende der Runde kommt der Sohn des früheren Kaiserslauterer Profis Harald immer besser in Schuss. 

Verhindert Tore: Dominik Kohr. 

Dominik Kohr ist es, der der Eintracht im Mittelfeld neue und ungewohnte Stabilität verlieh. Gerade in den Auswärtsspielen tat er dem Frankfurter Spiel gut. Schon in der Pokal-Partie gegen Bayern habe er angedeutet, „auf einem guten Weg“ zu sein“, wie jetzt Sportdirektor Bruno Hübner lobte. In Berlin zählte der 26-Jährige klar zu den Aktivposten. Vielleicht habe er als neuer Spieler nicht umsetzen können, was der Trainer wollte, hat Kohr selbst versucht zu erklären, woran es gelegen haben könnte, nicht häufiger in der Startelf zu stehen. Gezweifelt an sich hat er aber nie. „Ich wusste immer, was in mir steckt.“ Jetzt könne er der Mannschaft endlich etwas zurückgeben. Und weil er gerade so gut in Schuss ist, will er jetzt im Endspurt nicht nachlassen. In den drei ausstehenden Spielen gegen Schalke, Köln und Paderborn sei noch viel möglich, „mit der Mentalität unserer Mannschaft ist einiges drin“. Vor allem, wenn Kohr abräumt und Silva Tore schießt.

Von Thomas Kilchenstein

Unterdessen könnte die Bundesliga-Saison 2020/21 ohne einige Teams, darunter Eintracht Frankfurt, starten.

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