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Und dann macht er sich gaaaanz lang und fischt die Kugel raus: Kevin Trapp.

Eintracht Frankfurt

Endlich mal ein Spiel gerettet

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Kevin Trapp sichert Eintracht Frankfurt durch seine Glanztat eine gute Ausgangsposition.

Inmitten der ekstatischen Jubelorgie mitsamt geballten Fäusten und brunftartigen Schreien fand Kevin Trapp doch tatsächlich noch die Muße, um mit den behandschuhten Händen ein kleines Herz anzudeuten. So viel Zeit musste sein. Was hätte sonst seine Verlobte Izabel Goulart denken sollen, am Ende hätte sie sich zurückgesetzt gefühlt und ihrem Kevin die Leviten gelesen. Doch Eintracht-Torwart Trapp war mit seinen Gedanken auch in den Sekunden des persönlichen Triumphs beim brasilianischen Topmodel, das in der Heimat mitfieberte und den 28-Jährigen, wie dieser erzählte, das eine oder andere mal damit neckte, dass der deutsche Nationaltorwart noch nie einen Strafstoß hat parieren können, seit die beiden ein Liebespaar sind. Das hat sich am Donnerstagabend geändert. „Gott sei Dank“, sagt Kevin Trapp.

Natürlich war seine herausragende Parade gegen den gar nicht mal so schlecht geschossenen Strafstoß von Marcelo Brozovic (22.) nur in zweiter oder dritter Linie für seine Beziehung wichtig, das ist ja nur eine nette Schmonzette, nein, der Schlussmann hat seine Mannschaft im Achtelfinale der Europa League gegen Inter Mailand mit seiner Glanztat im Rennen gehalten, er hat ihr eine Ausgangsposition bewahrt, die der Keeper wahlweise und in kurzen Steigerungsintervallen als „okay“, „ordentlich“, „gut“ oder „riesig“ bewertete.

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Das 0:0 lässt der Frankfurter Eintracht in der Tat noch alle Optionen fürs Rückspiel, und Trapp schwört seine Kollegen schon mal auf den Showdown in sechs Tagen im Mailänder San Siro ein: „Wer jetzt nicht daran glaubt, dem kann man nicht mehr helfen. Wir müssen alle daran glauben.“

Für die Leihgabe von Paris Saint Germain war die erste K.-o.-Partie eine ganz spezielle, weil er endlich mal entscheidenden Anteil am Erfolg hatte und seinem Team ein Spiel retteten konnte. Das war ihm vorher nur selten gelungen. Nicht, dass der Torsteher enttäuschen würde, er ist wichtig mit seiner Präsenz und seiner Ausstrahlung, er hält auch ganz gut, fußballerisch ist er sowieso stark, gar keine Frage, aber das richtige Spielglück verfolgt den Saarländer ganz bestimmt nicht. Mal sauste ihm der Ball über die Finger hinweg ins Tor, mal trudelte er irgendwie durch die Beine über die Linie, mal fehlten zwei, drei Zentimeter. Alles Kleinigkeiten, die er aber nur selten auf seiner Seite hatte.

Hasebe mit Nasenbeinbruch

Es gibt kaum jemanden, den das mehr fuchst als Trapp selbst. Der Modellathlet ist ehrgeizig bis zum Anschlag. „Kevin ist total verbissen“, charakterisierte ihn Jan Zimmermann, die Nummer drei. „Er würde bei jedem Gegentor am liebsten den Pfosten aufessen.“ Diese Einstellung, so Zimmermann, übertrage sich auf die gesamte Mannschaft. Am Donnerstag konnte Trapp seinem Team etwas zurückgeben, den Elfer von Brozovic drehte er mit dem linken Arm sensationell um den Pfosten.

Natürlich hat er die möglichen Inter-Schützen studiert, „aber es gehört auch Intuition dazu“, urteilt der Schlussmann. „Wenn du dich für eine Ecke entscheidest, musst du voll durchziehen.“ Trapp weiß, wie wichtig es war, kein Gegentor kassiert zu haben, entsprechend groß war die Erleichterung und die sich bahnbrechende Freude. „Vor der eigenen Kurve so ein Ding rauszuholen, ist unbeschreiblich“, sagt er. Ohnehin sei der Aggregatszustand in Frankfurt kaum mehr in Worte zu fassen, ein Highlight jagt das nächste, die Begeisterung ebbt nicht ab, ganz im Gegenteil. „Ich war ja schon damals drei Jahre hier, aber ich habe es nach dem Spiel auch zu Seppl Rode gesagt: Das hier toppt noch mal alles.“

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Trapp ist nicht der Einzige, der einen wichtigen Beitrag geleistet hat, neben dem nimmermüden und bärenstarken Filip Kostic auf links stachen besonders die Abwehrspieler Martin Hinteregger und Makoto Hasebe heraus. Der Japaner Hasebe ist als freier Mann der Abwehr eine Klasse für sich. In der Abwehr ist er, zweifelsfrei, noch mal deutlich stärker als im Mittelfeld. Am Donnerstag unterlief ihm kein Fehler, was er tat, hatte Hand und Fuß, dabei trug er nach einem Foul von Martinez früh schon einen Nasenbeinbruch davon. Wahrscheinlich fällt er für das Düsseldorf-Spiel aus, für das Rückspiel besteht seriöse Hoffnung, womöglich spielt er mit Maske.

Und da ist noch der Österreicher Hinteregger, der auf dem letzten Drücker in Frankfurt ankam und so spielt, als sei er schon seit Jahren da. Gegen Inter zeigte er, gerade in der zweiten Hälfte, eine beeindruckende Vorstellung, „eine tolle Leistung“, lobt Trainer Adi Hütter. „Hinti tut uns richtig gut“, sagt Trapp. Und überhaupt sei die Verteidigung ein entscheidender Faktor des Erfolgrezepts, das ja oft nur auf die Wucht der Stürmer reduziert wird. „Wir kriegen weniger Tore als in der Hinrunde, wir sind auf einem guten Weg“, urteilt Trapp. Hört sich so an, als spreche er ein bisschen auch über sich selbst.

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