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Eintracht Frankfurt: Kevin Trapps Paraden vom anderen Stern bescheren den Titel

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Von: Ingo Durstewitz

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Der Torwart von Eintracht Frankfurt macht sich mit zwei unfassbaren Großtaten unsterblich - und erhält viel Anerkennung von Bundestrainer Hansi Flick.

Sevilla ‒ Irgendwann, wenn Kevin Trapp von Eintracht Frankfurt mal auf sein Vermächtnis für die Fußballwelt zurückblickt, werden diese paar Minuten im Glutofen von Sevilla vor seinem geistigen Auge erscheinen. Das ist unausweichlich, das ist so sicher wie das sprichwörtliche Amen in der Kirche. Es waren zwei Momente, zwei Paraden für die Ewigkeit, zwei Großtaten, die den Ballfänger unsterblich machen und ihm zu Legendenstatus verhelfen. Im Grunde schnurrt eine ganze Karriere, ja sein ganzes Leben auf diese zwei Szenen zusammen, in denen ein neuer Held geboren wurde. So wie das bei Ante Rebic im Pokalfinale 2018 war.

118. Minute im wenig hochklassigen, aber doch gigantischen Europa-League-Finale in Andalusien gegen die Glasgow Rangers, 1:1 steht es, alle Mann sind am Anschlag, fertig, die Hitze hinterlässt Spuren, die Körper wollen nicht mehr, die Muskeln übersäuern. Fast nichts geht mehr. Da sprintet Ryan Kent noch einmal hinein in den Strafraum, Kristijan Jakic hechelt hinterher, doch der Schotte kommt eher an den Ball, vier Meter vor dem Tor, das würde es sein, der bittere Knockout, der ultimative Niederschlag, Aus, Ende, vorbei. Zwei Minuten vor dem Elfmeterschießen. Doch nicht mit Kevin Trapp, den Teufelskerl im Kasten. Der Keeper in greller Signalfarbe wirft sich mit allem, was er hat, hinein, wird groß und größer, wie eine Krake fliegt er da durch die Luft, und irgendwie erwischt er den Ball und hindert ihn daran, über die Linie zu gehen. Eine Parade, die mit Weltklasse nur unzulänglich beschrieben ist. Es war eine Rettungstat vom anderen Stern.

NameKevin Trapp
Vereine als Profi1. FC Kaiserslautern, Eintracht Frankfurt, Paris SG
Spiele für die Eintracht256

Eintracht Frankfurt: Trapps Weltklasseparade rettet Elfmeterschießen

„Ich habe versucht, mich so groß wie möglich zu machen“, sagt der 31-Jährige später, als ihn die Kollegen auf der offiziellen Pressekonferenz mit Bier geduscht hatten, „aber man muss ehrlich sein, es gehört dann auch Glück dazu, dass er mich anschießt.“ Glück aber muss man sich auch verdienen. Und doch war spätestens nach dieser Weltklasseparade zu erahnen, dass es was werden könnte mit dem Titel, denn oft sind es jene schicksalhaften Begebenheiten, die den weiteren Verlauf beeinflussen, die das Pendel zur einen und nicht zur anderen Seite ausschlagen lassen. Genau so hat es auch Kevin Trapp gespürt. „Vielleicht gibt es doch Karma“, sagt er. Er habe, genau wie seine Mitstreiter, gefühlt, dass heute der Tag der Eintracht sein wird. „Wir alle haben gemerkt: Heute sind wir an der Reihe, heute muss es sein, das muss einfach so sein.“

Zwei Minuten vor dem Ende: Kevin Trapp rettet auf wundersame Art und Weise gegen Ryan Kent.
Zwei Minuten vor dem Ende: Kevin Trapp rettet auf wundersame Art und Weise gegen Ryan Kent. © dpa

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Eintracht-Torwart Trapp: Zettel an der Trinkflasche

Und so kam es, wie es kommen musste. Auch im Elfmeterschießen wurde Trapp zum Rettungsanker, zum entscheidenden Faktor. Den vierten Strafstoß von Aaron Ramsey parierte er mit dem linken Bein. Der Rest ist Geschichte, Taumel, Ausnahmezustand, weil Rafael Borré die Eintracht ein paar Minuten später in die ultimative Glückseligkeit schießt.

Trapper, wie er gerufen wird, hatte sich akribisch vorbereitet auf dieses Elfmeterschießen, Torwarttrainer Jan Zimmermann hatte ihm die bevorzugten Ecken der Schützen aufgeschrieben und auf eine Trinkflasche gepinnt. So ähnlich wie damals Jens Lehmann bei der WM 2006. Der Spickzettel nutzte dem Schlussmann aber erst einmal wenig, bei den ersten Schüssen vom Punkt war er chancenlos. Dann ist er doch eher intuitiv an die Sachen herangegangen, wobei so ganz stimmt das auch nicht. „Ich wusste, dass Ramsey lange verzögert und wartet.“ Es hat geholfen.

Für ihn ist dieser Erfolg auch deshalb so besonders, weil er eine spezielle Bindung zu diesem Verein hat, sein Aushängeschild und Gesicht ist. „Ich liebe die Eintracht“, sagt er. Trapp ist in der Form seines Lebens, hält eben auch Unhaltbare. Genau das braucht eine Mannschaft, um Titel zu holen. Das ist auch Bundestrainer Hansi Flick nicht verborgen geblieben, der Trapp noch im Herbst zur Nummer vier im Nationalteam degradiert hatte. Ein Wachrüttler, der Wendepunkt – der Anfang der sportlichen Auferstehung des Kevin Trapp „Er hat maßgeblich zu diesem Titelgewinn beigetragen und war seiner Mannschaft die gesamte Saison über ein sicherer Rückhalt, aber auch Antreiber und Motivator“, sagte Flick jetzt. „Klar hat Kevin eine herausragende Form, er hat in den letzten Monaten sensationell gehalten, das registrieren wir.“ Und die zwei Wahnsinnsparaden sicher auch. (Ingo Durstewitz)

Die Belohnung in den Händen: Kevin Trapp mit massivem Pokal.
Die Belohnung in den Händen: Kevin Trapp mit massivem Pokal. © dpa

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