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Eintracht Frankfurt: „Hungrig, gierig, erfolgsbesessen!“

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Von: Ingo Durstewitz

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Hoch das Bein: der Frankfurter Djibril Sow (rechts) gegen Gladbachs Alassane Plea beim Aufeinandertreffen der Klubs im Mai.
Hoch das Bein: der Frankfurter Djibril Sow (rechts) gegen Gladbachs Alassane Plea beim Aufeinandertreffen der Klubs im Mai. © Imago/Fotostand

Die Frankfurter Fußballer hangeln sich durch den dichtgedrängten Terminplan, die Bundesliga hat höchste Priorität. Trainer Glasner verzichtet deshalb auf große Rotation.

In diesen Tagen, da die Frankfurter Eintracht weiterhin voll drin steckt in diesem Mammutprogramm und immer noch sieben Spiele in 23 Tagen bis zum WM-Break vor ihr liegen, hat sich Trainer Oliver Glasner ein wenig zurückgenommen und das ganze Drumherum runtergefahren. Die Besprechungen sind kürzer und die Videoanalysen auf das Notwendigste reduziert, die Spieler erhalten immer mal einen Tag frei, um durchpusten zu können.

Der Fußballlehrer will einer gewissen geistigen Müdigkeit vorbeugen, „wir geben Informationen nur noch gezielt“, sagt er und fügt schmunzelnd an: „Ich kann mich ja selbst nicht mehr reden hören.“ Die Berufsfußballer sollen keinesfalls überfrachtet werden, sondern aufnahmefähig bleiben. „Wir schauen, dass sie vom Kopf her leistungsbereit sind.“

Körperlich sieht der Coach keine Probleme, der physische Zustand sei top, das Verhalten „hochprofessionell“, selbst am freien Donnerstag seien drei Spieler im Stadion zur Behandlung gewesen. „Wir haben dann einen Kaffee zusammen getrunken.“ Ist ja auch mal ganz nett, so gänzlich ungezwungen.

Auf dem Übungsplatz geht es ebenfalls gemächlich zu, zumeist wird regenerativ trainiert, lockere Einheiten, auch mal eine Runde Fußballtennis. Mehr ist nicht drin, mehr macht gar keinen Sinn, findet Glasner. „Was wir jetzt nicht drin haben, kommt nicht mehr rein.“ Bildlich ausgedrückt: „Wenn einer mit links nicht schießen kann, wird er es in drei Wochen auch nicht lernen.“

Das ist für die Stammspieler ganz angenehm und zielführend, für andere wie die von langen Verletzungen genesenen Jerome Onguene und Almamy Touré eher schlecht. Denn sie brauchten eigentlich intensive Einheiten im Kreise der Mannschaft. „Das können wir ihnen nicht bieten“, berichtet der Trainer. Und einen Spieler aufstellen, damit er sich seine Fitness und Form im Ernstfall holen kann, schließt der 48-Jährige aus. Touré etwa habe neun Wochen gefehlt, „da kann ich ihm jetzt nicht einfach eine halbe Stunde in Gladbach geben. Das ist ja kein Testspiel.“

Auch Hrvoje Smolcic, der Verteidiger aus dem zweiten Glied, wird keine Gelegenheit bekommen, sich für das Champions-League-Heimspiel am kommenden Mittwoch gegen Olympique Marseille einzuspielen. Dann wird der Kroate den gesperrten Tuta ersetzen müssen. „Das ist für uns aber kein Kriterium“, sagt Glasner. „Wir werden jetzt nicht irgendwas testen, das machen wir nicht.“

Dazu ist die Partie in Mönchengladbach am Samstagabend (18.30 Uhr/Sky) zu wichtig. „Wir werden unser bestmögliches Team aufstellen.“ Die Zeiten, da mal drei, vier, fünf Spieler geschont werden, sind seit dem Bochum-Desaster offenbar vorbei. Gut so. Allenfalls „eine Mini-Rotation“ kündigt der Österreicher an, vielleicht wird mal wieder Kapitän Sebastian Rode eine Verschnaufpause bekommen. „Bei ihm müssen wir immer schauen, wie sein Gesundheits- und Fitnesszustand ist.“ Generell hat der Coach das Luxusproblem, stets einen Hochkaräter draußen lassen zu müssen, also einen aus dem Quintett Mario Götze, Jesper Lindström, Daichi Kamada, Djibril Sow und eben Rode. „Wir schauen immer, in welchem Zustand sie sind.“ Und dann wird entsprechend entschieden.

Der Bundesliga räumt Glasner zu Recht höchste Priorität ein, und wenn man sich im Mai 2023 wieder für einen internationalen Startplatz qualifizieren will, darf man sich nicht viele Ausrutscher leisten. Die Eintracht rangiert zurzeit auf Platz fünf, „doch davon lassen wir uns nicht blenden“, wie Glasner sagt. „Zwei Punkte weniger und du bist Elfter.“ Das Klassement ist eng beisammen, Augsburg als Zwölfter liegt beispielsweise nur vier Zähler hinter dem ersten Champions-League-Rang. „Wir sind froh, mitten in diesem Pulk zu sein“, findet Glasner, der keine Rechenspiele anstellt und auch keine große Chance darin sieht, dass etwa Bayer Leverkusen in diesem Jahr als Konkurrent wegfällt oder mit Union Berlin kein echtes Schwergewicht die Tabelle anführt und womöglich noch absackt. Gerade die Köpenicker hält der Fußballlehrer für ausgesprochen robust und konstant. Von den letzten 14 Bundesligaspielen haben die Eisernen nur eines verloren, 0:2 in Frankfurt. „Es ist kein Zufall, dass sie da oben stehen, das ist eine Frage der Qualität, dort wird unglaublich gute Arbeit geleistet.“

Glasner wäre zufrieden, wenn die Eintracht den aktuellen Punkteschnitt von 1,7 in etwa halten könnte. Das wären am Ende dann um die 58 Zähler, die haben Leipzig in der vergangenen Saison zur Königsklassen-Qualifikation gereicht. Und für die Eintracht ist Europa ja das erklärte Ziel.

Glasner ist überzeugt davon, das mit dieser Mannschaft packen zu können. Er singt ein wahres Loblied auf die Einstellung und die Mentalität seiner Spieler. „Alle sind hungrig und erfolgsbesessen“, sagt er. „Es ist wichtig, diese Gier nach Siegen in sich zu tragen.“

Der Gang in den Borussia-Park wird gewiss kein leichter, die Gladbacher sind unter Daniel Farke wieder deutlich stabiler als unter Vorgänger Adi Hütter, der am Niederrhein vom ersten bis zum letzten Tag ein Fremdkörper war. „Sie sind spiel- und offensivstark, haben Power und Qualität“, betont Glasner. Und in Marcus Thuram einen erstarkten Stürmer, „einen der besten der Bundesliga“. Dass die Borussen dennoch schlagbar sind, hat der Nachbar aus Darmstadt vorgemacht, der den klassenhöheren Klub aus dem Pokal warf. Glasner bewertet das jedoch nicht über. „In Darmstadt wäre es an diesem Abend auch für uns und jeden anderen Bundesligisten schwierig geworden.“ Schönes Lob aus berufenem Munde. (Ingo Durstewitz)

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