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Ist zurück und guter Dinge, Eintracht Frankfurt offensiv neue Impulse geben zu können: Daichi Kamada.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt macht den nächsten Schritt ins Ungewisse

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Wieder trifft die Eintracht in Düsseldorf auf ein Team, das den Trainer gewechselt hat - gute Erfahrungen hat Frankfurt damit nicht.

Der unerwartete Trainerwechsel bei Fortuna Düsseldorf, am Samstag Gegner von Eintracht Frankfurt (15.30 Uhr), hat zwangsläufig auch Auswirkungen auf die Vorbereitung der Hessen. Im Grunde kann Trainer Adi Hütter all seine Hausaufgaben getrost in den Papierkorb werfen, er kann die schon angefertigten Videos über Laufwege, Standards oder taktische Varianten der Fortuna löschen, er muss sich ein Stück weit davon überraschen lassen, wie der neue Trainer Uwe Rösler spielen lassen wird. Dazu kommt: Auch Uwe Rösler ist, zumindest als Trainer in der Bundesliga, ein unbeschriebenes Blatt, als Coach war der vor 51 Jahren in Altenburg in Thüringen geborene Ex-Profi (1. FC Kaiserslautern, Manchester City, Lilleström SK) in der obersten deutsche Klasse noch nicht tätig. Die Bundesliga kennt Uwe Rösler, der zuletzt den schwedischen Spitzenklub Malmö FF und zuvor lange in England als Trainer gearbeitet hat, nur aus dem Fernsehen. Wie der Mann, der seine aktive Karriere als Spieler einst wegen eines Krebsleidens beenden musste, tickt, wie er sein neues Team einstellen wird, ist eine große Unbekannte.

Aber die Frankfurter Eintracht hat ja mit solch kurzfristigen personellen Änderungen auf der Trainerbank in dieser Saison so ihre ganz speziellen Erfahrungen gemacht, allerdings sind sie keine besonders guten. Drei Klubs, die mehr oder weniger unmittelbar darauf gegen die Hessen spielten, hatten zuvor ihre alten Trainer geschasst: Mainz 05 (Achim Beierlorzer für Sandro Schwarz), Hertha BSC (Jürgen Klinsmann für Ante Covic), und der 1. FC Köln (Markus Gisdol für Achim Beierlorzer) hatten jeweils kurz zuvor eine Änderung an leitender Stelle vorgenommen – spätestens gegen die Eintracht stellte sich der Erfolg ein. Klinsmann holte beim 2:2 seinen ersten Punkt, Beierlorzer beim 2:1 seinen zweiten Sieg, auch Gisdol mit einem 4:2 ebenfalls seinen zweiten. Eintracht Frankfurt hat sich da jeweils als dankbarer Gegner erwiesen.

Kamada und Dost an Bord

Und am Samstag in Düsseldorf? Kehrt auch da ein neuer Besen gleich gut? Zumal die Hessen zuletzt gegen die unten stehenden Klubs nicht gerade ihren besten Leistungen gezeigt haben, noch dazu, da sich die Frankfurter - das zeigte erst kürzlich der 2:0-Erfolg über Tabellenführer RB Leipzig - offensichtlich gegen die oben stehene Teams leichter tun.

Natürlich stellt sich in Düsseldorf die Frage, ob der Trainerwechsel tatsächlich den angestrebten „neuen Impuls“ gibt, wie Fortuna-Vorstand Lutz Pfannenstiel hofft. Als sicher gilt, dass das Verhältnis zwischen dem vormaligen Trainer Friedhelm Funkel und der Mannschaft absolut intakt war, die Spieler hätten Tränen in den Augen, hieß es, als sich der Fahrensmann am Mittwochmorgen bei der Mannschaft verabschiedet hatte. Trotz aller sportlichen Misserfolge bildete diese Fortuna eine verschworene Gemeinschaft, hatte Funkel die Kabine im Griff. Und wahrscheinlich ahnten die meisten im Rheinland, dass der Absturz ans Tabellenende nicht die alleinige Schuld des erfahrensten Bundesligatrainers war, sondern dass der Kader einfach nicht viel mehr hergibt.

Dessen ungeachtet hat Adi Hütter, der wieder auf den von einer Magen-Darm-Grippe genesenen Bas Dost und auf einen fitten Daichi Kamada zurückgreifen kann, die Partie als „absolutes Schlüsselspiel“ verortet. Mit einem neuerlichen Erfolg hätte sich die Eintracht ihrer ärgsten Probleme entledigt, könnten sogar vorsichtig nach oben schielen, ehe danach der Tanz auf den drei Hochzeiten und sieben Pflichtspielen bis zum 1. März so richtig losgeht.

Keine Überraschung wäre, wenn Trainer Hütter auch in Düsseldorf mit der Mannschaft und der taktischen Vorgabe ins Spiel geht, mit der zuletzt zwei Siege eingefahren wurden. Auch in Düsseldorf kann Eintracht Frankfurt aus einer soliden und gut stehenden Defensivhaltung heraus agieren, dem Erfolgsrezept der jüngsten 180 Minuten. Fortuna Düsseldorf wird vor eigenem Publikum, angesichts der Röslerischen Vorgabe von „mindestens sechs Siegen“ und ihrem Neuzugang Valon Berisha das Spiel machen müssen, wird das Heft des Handels in die Hand nehmen müssen. Das könnte den Hessen in die Karten spielen, die sich zuletzt recht wohl gefühlt hatten in einer eher abwartenden Haltung. Trotz aller Überraschungen und Unwägbarkeiten, die spontane Trainerwechsel so mitbringen.

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