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Eine Ikone der Eintracht: Jürgen Grabowski. 

Schlappekicker-Engagement der Eintracht-Legende

„Das sind Frankfurter Feste“

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Der große Mittelfeldregisseur Jürgen Grabowski über die Zukunft der Eintracht und sein Engagement für die Schlappekicker-Aktion der FR.

Jürgen Grabowski ist einer der ganz großen einstigen Helden der Frankfurter Eintracht. In 441 Spielen schoss er 109 Tore in der Bundesliga. Zudem engagiert sich der 75-Jährige seit jeher für die Schlappekicker-Aktion der Frankfurter Rundschau. Im Interview erklärt der Weltmeister von 1974, der selbst wegen einer Niereninsuffizienz gesundheitlich angeschlagen ist, wie er dazu gekommen und warum er immer dabeigeblieben ist. 


Herr Grabowski, mit zwei blauen Augen hat es die Eintracht in die Zwischenrunde der Europa League geschafft. Aber wieso ist es nochmal so eng geworden?

Jetzt könnte man natürlich sagen, das ist typisch Eintracht: Bayern schlagen und gegen die Kleinen patzen. Aber Vitoria Guimaraes hatte eine gute Mannschaft. Das habe ich schon im Hinspiel gesehen. Technisch sehr stark, das sind alles gute Fußballer, die haben mir richtig gut gefallen.

Trotzdem muss man doch als Eintracht Frankfurt im eigenen Stadion anders auftreten, oder?

Naja, das zieht sich doch schon wie ein roter Faden durch die Saison. Die Eintracht lässt zu viele Torchancen aus. Das Gute ist, dass wir die Chancen überhaupt haben, fast schon im Überfluss, aber wir nutzen zu wenig davon.

Woran liegt das?

Die Eintracht hat halt auch viel Qualität im Sturm verloren. Rebic, Haller und Jovic haben vergangene Saison in allen Spielen 57 Tore erzielt. Die fehlen ganz einfach. So was ist nicht zu ersetzen. Und noch was..

Ja…?

Die Gegner haben sich inzwischen auf das Spiel der Eintracht eingestellt. Die Flügelspieler Danny da Costa und Filip Kostic, der ein Garant für Spielkultur ist und große Klasse besitzt, kommen über die Flügel nicht mehr so ungehindert durch wie zuletzt, und auch das ist ein Grund dafür, dass die Stürmer nicht mehr so viel treffen. Die „Büffel“ haben doch oft aus einer halben Chance das 1:0 gemacht, dann musste der Gegner kommen, und die Eintracht konnte kontern. Perfektes Spiel. Und jetzt gerät die Eintracht stattdessen häufig in Rückstand. Das macht es kompliziert.

Seit Wochen steckte die Eintracht in der Krise und hat in der Bundesliga-Tabelle den erhofften Anschluss nach oben erst mal verloren. Macht Ihnen das Sorgen?

Nur ein Punkt aus sieben Spielen nach dem überzeugenden Sieg gegen die Bayern ist natürlich alles andere als erfreulich. Der Blick auf die aktuelle Tabelle ist daher auch anders als erwartet. Mit dem Bundesligaabstieg wird die Eintracht aber nichts zu tun haben, dazu steckt zu viel Qualität im Team. Ich hoffe stark, dass es nach der Winterpause wieder besser für die Eintracht läuft

Wohin geht international die Reise der Eintracht im kommenden Jahr?

Das ist schwer zu sagen. In dieser Saison kann sie mit ein bisschen Glück bei der Auslosung in der Europa League noch die eine oder andere Runde überstehen. Das sind doch immer Frankfurter Feste.

Was halten Sie vom Japaner Daichi Kamada? Ein bisschen erinnert er an den jungen Grabi, oder?

Ich halte viel von ihm. Er ist einer, der den Ball liebt, der hinter den Spitzen die Fäden zieht, und der auch mal erfolgreich ins Dribbling geht. Und jetzt hat er ja auch seine ersten Tore erzielt. Ich schaue ihm gerne zu. Aber jeder ist anders.

Themenwechsel. Advents- und Weihnachtszeit ist Schlappekicker-Zeit. Sie sind seit vielen Jahren Mitglied der Schlappekicker-Aktion. Wie kommt das?

Ich sage es immer wieder: Seit meinen ersten Tagen bei der Eintracht kenne ich die Schlappekicker-Sammlung. Das war schon zu meiner Zeit als Jungprofi eine Institution des Frankfurter Sports. Wir waren damals mit vielen bekannten Gesichtern regelmäßiger Gast bei der Weihnachtsfeier auf dem Henninger Turm. Das war für viele eine legendäre Feier. Und das gleich aus mehreren Gründen.

Warum?

Setzt sich auch für den Schlappekicker der FR ein: Jürgen Grabowski. 

Zunächst fanden wir es wirklich stark, dass konkret vielen älteren Sportlerinnen und Sportlern, die eine knappe Rente hatten und nicht auf der Sonnenseite des Lebens standen, konkret geholfen wurde. Ihre Vereine meldeten sie als bedürftig, und alle Jahre wieder freuten sie sich auf die Einladung für die Weihnachtsfeier. Es gab hoch über den Dächern Frankfurts ein Päckchen mit Süßigkeiten für sie, und sie wussten außerdem, dass vier, fünf Tage später ein Geldbetrag auf ihr Konto überwiesen wurde. Einige freuten sich darüber, weil sie sich damit den einen oder anderen Einkaufswunsch für die Feiertage erfüllen konnten, und für andere war es eine willkommene Überweisung, um das Geld als Miet- oder Heizkostenzuschuss nutzen zu können. Es herrschte in den zwei, drei Stunden bei Kaffee und Kuchen eine sehr schöne, harmonische Atmosphäre, umrahmt von einem bunten Unterhaltungs-Programm mit Sketchen und Liedern von prominenten Frankfurter Künstlerinnen und Künstler, das unter der Regie von der einst als „Mama Hesselbach“ aus dem Fernsehen bekannten Liesel Christ lief. Später sind der für seine Schlagfertigkeit bekannte TV-Moderator Frank Lehmann und der als hessischer „Fernseh-Fassenacht-Sitzungspräsident“ allseits beliebte Karl Oertl in ihre Fußstapfen getreten.

Und dann waren neben den Bedürftigen auch viele prominente Sportler dabei...

Das war immer ein tolles Erlebnis und deshalb haben auch wir uns immer auf die Schlappekicker-Weihnachtsfeier gefreut. Denn das Wiedersehen mit vielen Weggefährten war stets herzlich und es gab unter uns viele gute Gespräche. Ob mit dem 54-er-WM-Kapitän Fritz Walter, Uwe Seeler, Bundestrainer Helmut Schön, der zunächst als Kickers-Talent begrüßte Rudi Völler, Bernd Hölzenbein und vielen anderen Eintrachtler. Interessant waren für uns Fußballer auch die Begegnungen für uns Fußballer mit Größen wie dem Sporthilfe-Gründer und mehrfache Dressur-Goldmedaillengewinner Josef Neckmann, Eiskunstlauf-Prinzessin Marika Kilius, 100-m-Olympiasieger und -Weltrekordler Armin Hary, Radsport-Weltmeister Rudi Altig. Und vergessen dürfen wir auch nicht die Politiker, die gerne kamen. Allen voran die Frankfurter Oberbürgermeister von Rudi Arndt bis Walter Wallmann. Es war ein super Treffen der Sportlerfamilie, und alle hatten daran ihre Freude. Nicht nur wir jungen Eintrachtler, sondern auch Oldies wie Alfred Pfaff und Richard Kress aus der 59-er-Meistermannschaft oder Hermann Nuber als Kickers-Kapitän aus dieser Zeit.

Und wie wurden Sie Schlappekicker-Mitglied?

Der damalige FR-Sportchef und Schlappekicker-Vorsitzender Bert Merz hat mich irgendwann mal angesprochen. Ich habe überhaupt nicht gezögert und sofort gesagt: Dass ich gefragt werde, ist eine Ehre für mich. Selbstverständlich bin ich gerne beim Schlappekicker dabei und stelle mich in den Dienst der guten Sache. Und seitdem verfolge ich Jahr für Jahre die Schlappekicker-Aktion mit großem Interesse.

Wie beurteilen Sie heute die 1951 vom FR-Sportchef Erich Wick gegründete Initiative, deren Aktivitäten sich ja im Laufe stark verändert haben?

Ich habe Respekt davor, dass der vom Lebensalter her betagte Schlappekicker in die Jahre gekommen ist, trotzdem aber jung und modern geblieben ist. Die Unterstützung von unverschuldet in Not geratenen Sportlerinnen und Sportlern ist weiterhin eine Säule der Arbeit. Der alljährliche Höhepunkt von vielen Veranstaltungen ist heute in großer Runde im Römer die Auszeichnung mit dem Schlappekicker-Preis für Sportvereine, die sich über ihren Alltag hinaus gesellschaftlich besonders engagieren. Persönlich freue ich mich natürlich, dass inzwischen Karl-Heinz „Charly“ Körbel die Nachfolge von Fritz Walter als Schlappekicker-Schirmherr angetreten hat. Es ist ein Phänomen, das nicht hoch genug einzuschätzen ist, dass die Schlappekicker-Aktion seit bald 70 Jahren ihrem ursprünglichen Auftrag treu geblieben ist. Und dass sie wie eh und je von vielen großzügigen Spendern unterstützt wird, die ein Herz für in Not befindliche Sportlerinnen und Sportler oder sich sehr vorbildlich engagierende Sportvereine haben.

Interview: Thomas Kilchenstein und Harald Stenger

Der Schlappekicker

Der Schlappekicker hilft seit mehr als 65 Jahren Sportlerinnen und Sportlern, die unverschuldet in Not geraten sind. Zudem fördert die FR-Aktion Sportvereine und -initiativen, die sich in besonderer Weise gesellschaftlich engagieren.

Wenn Sie mehr über die aktuellen Projekte der Schlappekicker-Aktion, deren Historie, prominente Förderer und die Satzung wissen wollen, finden Sie uns im Internet unter folgendem Link fr.de/ueber-uns/schlappekicker an.

Spendenkonto: Schlappekicker-Aktion

Frankfurter Volksbank | IBAN: DE64 5019 0000 6700 9870 25 | BIC: FFVBDEFF


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