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Und schon wieder klingelt es im Kasten: Luka Jovic trifft zum 1:0.

Jovic. Rebic, Haller

Magisches Dreigestirn

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  • Ingo Durstewitz
    Ingo Durstewitz
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Das furiose Triumvirat im Eintracht-Sturm trifft immer weiter, auch wenn der eine oder andere mal etwas grantelt.

Es hat nicht besonders lange gedauert, ehe sich der Übersteiger-Urheber zu Wort meldete, der mit dem Patent, wenn man so will. „Sehr stolz auf meine Eintracht“, twitterte Jan-Aage Fjörtoft noch mitten drin in dieser magischen Nacht. „Und sehr stolz, dass Sebastien Haller ein Remix meines Übersteigers von 1999 gemacht hat.“ 

Jener Übersteiger, der den heutigen TV-Experten zum Kultstürmer und zur Legende machte und den in Frankfurt niemand vergessen wird, obwohl er fast 20 Jahre zurückliegt. Natürlich war der Spielfilm rund um diesen erlösenden Fjörtoft-Treffer damals zum 5:1 gegen den 1. FC Kaiserslautern viel dramatischer als Hallers Tor zum 3:1 gegen Schachtjor Donezk vom Donnerstag, er fiel seinerzeit quasi in letzter Sekunde und bedeutete den Klassenerhalt. Ohne dieses Tor wäre die Eintracht trotz des Sieges abgestiegen.

Doch auch Hallers Übersteiger aus dem Februar 2019 wird in die Annalen eingehen, zum einen wegen der Art und Weise der Ausführung, weit ausholend, ausladend, etwas ungelenk irgendwie, aber so brutal effektiv und listig, und zum anderen wegen der Bedeutung des Tores. Mit dem 3:1 war die höchst intensive Europapokalpartie im Stadtwald so gut wie entschieden, gerade weil das Spiel am Kippen war, „das Tor war der Knackpunkt“, urteilte Trainer Adi Hütter. 

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Und es zeugt von einiger gehörigen Portion Mut und Chuzpe, in einer solchen Situation, eine solche Finte zu versuchen. Selbstvertrauen aber haben Sebastien Haller und die anderen beiden da vorne im Überschuss, sie sind ja nicht umsonst die Ballermänner in allen Wettbewerben. Nach dem 4:1-Erfolg über Donezk, der sehr viel klarer aussieht, als er war, hat der französische Mittelstürmer auch noch ganz cool gesagt: „Es ist erst der Anfang, wir haben alle diesen Traum.“ Baku, 29. Mai, das Endspiel.

Dass die Reise der Eintracht durch Europa weitergeht, das liegt in erster Linie an dieser famosen Mannschaftsleistung, der Mentalität und dem Willen, aber entscheidenden Anteil hat das magische Dreigestirn in vorderster Linie. Alle vier Treffer gingen auch am Donnerstag auf ihr Konto, das erste machte Toptorjäger Luka Jovic, das letzte der eingewechselte Ante Rebic, die beiden in der Mitte übernahm eben Haller. 

Dabei hat Trainer Hütter das Spielsystem zuletzt ein wenig modifiziert, in den letzten drei Partien blieb nämlich immer einer der gefürchteten Stürmer auf der Bank, nachdem sie zu Beginn der Rückrunde stets alle gemeinsam auf dem Feld standen. In der Ukraine im Hinspiel traf es Haller, in der Bundesliga gegen Mönchengladbach blieb Jovic zunächst draußen und nun Rebic. „Ab und an muss man sie mal kitzeln. Adi Hütter macht das sehr gut und souverän“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic.

„Bayern müssen bluten“ 

Zumal Hütter offenbar das Gefühl hatte, dass die Balance nach der Winterpause nicht mehr so ganz stimmte und er zuletzt daher lieber auf Mijat Gacinovic als Zulieferer und ersten Gegner-Jäger setzte – mit der Folge, dass eben einer der hochdekorierten Angreifer in die Röhre guckt. Das passt keinem aus dem Trio so wirklich, dafür ist ihr Ego zu stark ausgeprägt. „Sicher ist auch immer wieder mal einer ein bisschen beleidigt, wenn er nicht spielt oder relativ spät reinkommt“, bekundet Bobic. „Aber wenn alle dann treffen – was wollen wir mehr?“

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Und doch hält der Sportchef ein paar mahnende Worte für das ungezügelte Triumvirat bereit, „Sie müssen verstehen, dass sie nur so gut sind, weil alle anderen so für sie mitspielen.“ Namentlich nannte Bobic etwa Dauerläufer Sebastian Rode, Danny da Costa und Gacinovic, „der einiges abgelaufen hat“. Die Frage wird sein, ob Hütter bei dieser Ausrichtung bleibt, wenn in der Liga Gegner auf die Eintracht warten, die nicht zu den Schwergewichten zählen, wie am Sonntag Hannover 96. Oder ob er dann wieder alle drei Stürmer gemeinsam von der Leine lässt. Variabilität ist dem Fußballlehrer wichtig. „Plan B“, sagt er zufrieden, „hat gut funktioniert.“

Die drei Furiosen stehen im Fokus und wecken Begehrlichkeiten. „Im späten Frühling wird der eine oder andere Verein vorstellig werden“, glaubt Bobic. „Dass sich Vereine mit unseren Spielern beschäftigen, sehe ich an der Scouting-Liste bei jedem Heimspiel. Das ist die Crème de la Crème, die waren vor zwei Jahren noch nicht da.“ Ein Spieler wie Luka Jovic ist im Grunde nicht zu halten, wenn er weg möchte. Aber dann soll es in der Kasse klingeln, 70, 80 Millionen sind keine Utopie. Bobic sagt auch an die Adresse des Münchner Rekordmeisters: „Wenn die Bayern an unseren Spielern interessiert sind, müssen sie aber richtig bluten.“

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