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Bundestrainer Joachim Löw (li), mit Eintracht-Legend Charly Körbel, sichtlich nicht angefressen.

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Ach, Jogi!

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Eintracht Frankfurt und Bundestrainer Joachim Löw. Die Beziehung ist kompliziert. Ein Kommentar. 

Natürlich hatte er es nur gut gemeint, der Bundesjogi, beim gestrigen Neujahrsempfang des deutschen Fußballs in Offenbach. Wie es sich für einen guten Gast gehört, wurden fleißig Komplimente an den Verein verteilt, der in Frankfurt (das liegt gleich nebenan) im Oberhaus unterwegs ist. Und das trotz offensichtlicher Probleme bei Eintracht Frankfurt, für die Joachim Löw auch schon in der Bundesliga gekickt hat. „Absteigen wird Frankfurt nicht. So viel steht fest“, legte sich Deutschlands oberster Fußballlehrer fest, man habe in Frankfurt lediglich „das Mammutprogramm nicht so gut weggesteckt. Das muss ein Verein auch lernen“. Eintracht Frankfurt habe „Qualität, durch die Einzelspieler, aber auch von ihrer Spielart.“ Alles gut also.

Allerdings kam auch Kritik vom Weltmeister-Trainer von 2014, wenn auch nicht direkt an Eintracht Frankfurt. Vielmehr ging es um den deutschen Fußball als Ganzes, und da besonders um das Abschneiden der heimischen Teams in der Europa League. Und so mahnte Löw an: „In der Europa League waren wir seit 20 Jahren nicht mehr in der Nähe vom Finale."

Eintracht Frankfurt und Joachim Löw: Wer ist „wir“?

Nun ist nicht überliefert, wen genau Löw mit „wir“ gemeint hat. Eintracht Frankfurt kann es sicher nicht gewesen sein, denn die Hessen waren in der letzten Saison nun wirklich verdammt nah dran am Finale. Wer erst im Halbfinale im Elfmeterschießen beim späteren Cup-Sieger ausscheidet, sollte eigentlich vor dem gestrengen Urteil des Nationaltrainers keine Angst haben dürfen. Beziehungsweise sich nicht angesprochen fühlen. In Frankfurt kamen die Worte trotzdem nicht gut an, die Fans spotteten über die angebliche Ahnungslosigkeit von Löw, und Frankfurt, das ist klar, mag Jogi sowieso nicht.

Das war zumindest überall in den sozialen Medien zu lesen, und die geben des Volkes Stimme bekanntlich ungefiltert wider. Wann wurde denn der letzte Frankfurter in den Kader berufen, wo doch fast jeder mit deutschem Pass mal ran darf? Und man komme nicht mit Kevin Trapp, der ist Torwart, das zählt nicht. Überhaupt kann „der“ Eintracht Frankfurt (und somit „uns“) nicht leiden. So.

Eintracht Frankfurt ist nicht alleine 

Nun ist es tatsächlich so, dass Löw mit dieser Aussage gewaltig daneben lag. Denn nicht nur die Eintracht war im besagten Zeitraum „in der Nähe vom Finale“, auch Bayern München, Schalke 04, der Hamburger SV (!!) und der 1. FC Kaiserslautern (!!!) scheiterten in den letzten 20 Jahren erst in der Vorschlussrunde. Werder Bremen und Borussia Dortmund standen sogar im Finale, das sie aber - und vielleicht kommt daher die kleine Erinnerungslücke Löws - jeweils verloren. Vergessen durch Verdrängung.

Die Prognose zur Rückrunde: Eintracht Frankfurt expandiert!

Wenig Beachtung fand allerdings die Aussage von Löw, es sei immerhin „erfreulich, dass man nach langer Zeit mal wieder das Gefühl hat, deutsche Mannschaften könnten im Europapokal was bewegen“. Ob er dabei an die Eintracht dachte, ist nicht überliefert. Hat er aber auch gesagt, der Jogi. Und das wird man ja wohl mal sagen dürfen.

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