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Frederik Rönnow: Die Nummer zwei muss ins Tor.

Eintracht-Torhüter

Eintracht Frankfurt: Jetzt muss es Rönnow richten

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Für Torwart Kevin Trapp ist die Hinrunde beendet - der Frankfurter muss wegen eines Anrisses des Muskelapparats unters Messer.

Frankfurt - Am vergangenen Sonntag ist Kevin Trapp noch mal schnell nach Paris geflogen, zu seinem zweiten Wohnsitz. Mit seiner brasilianischen Verlobten besitzt der Frankfurter Ballfänger eine hübsche Wohnung in der Nähe der Champs-Elysees. Da konnte er natürlich noch nicht wissen, dass er in nächster Zeit vermutlich öfter Gelegenheit hat, einen Abstecher in die französischen Kapitale zu machen. Am Dienstag wurde bekannt, dass sich der 29-Jährige einer Schulteroperation unterziehen muss und dem ambitionierten hessischen Bundesligisten Eintracht Frankfurt sowie der DFB-Auswahl bis zur Winterpause nicht mehr zur Verfügung steht. Die Hinrunde ist für den Tormann beendet. „Das ist leider keine gute Nachricht für Kevin und für uns. Wir wünschen ihm gute Besserung und sind zuversichtlich, dass er in bester Verfassung zurückkommt“, sagte Frankfurts Sportdirektor Bruno Hübner am Dienstag zu der schweren Verletzung von Trapp.

Die Verletzung hatte sich der Frankfurter Schlussmann bei der letzten Aktion im Spiel am Freitag bei Union Berlin zugezogen, als er mit Makoto Hasebe zusammengeprallt war. Trapp zog sich einen Anriss der Rotatorenmanschette in der linken Schulter zu. Unter der Rotatorenmanschette versteht man eine Gruppe von vier Muskeln, deren Sehnen das Schultergelenk umfassen.

Eintracht Frankfurt: Kevin Trapp ist eine Führungsperson

Der Ausfall des Stammtorhüters ist für die Hessen ein Schlag ins Kontor. Trapp ist ja nicht nur ein außergewöhnlich guter Torhüter, der zudem prima mit dem Ball am Fuß umgehen kann, er zählt auch zu den absoluten Führungspersönlichkeiten im Team, mit seinem Ehrgeiz und seinem professionellen Verhalten reißt er viele mit. Gerade die Spiele auf internationaler Ebene hatten für Trapp eine große Bedeutung, nun muss er hoffen, dass sein Team ohne ihn in der Europa League überwintert. Geplant ist, dass der Schlussmann am 2. Januar mit ins Trainingslager in die USA reist. Schon einmal war Kevin Trapp bei der Eintracht lange ausgefallen, im März 2013 rutschte er bei einem Werbedreh des DFB aus und brach sich die Mittelhand. Seinerzeit fiel er mehrere Wochen aus, verpasste acht Spiele.

Erstversorgung in Berlin: Kevin Trapp liegt nach seinem Unfall gegen Union mit Schmerzen auf dem Boden.

Vorerst wird somit Ersatzmann Frederik Rönnow unter die Latte treten. Der dänische Nationaltorhüter gehört seit 2018 zum Frankfurter Kader, große Fußspuren hat der 28-Jährige bislang nicht hinterlassen können. An Kevin Trapp kam der in der Mannschaft wegen tadelloser Trainingsleistungen hoch respektierte Schlussmann nie vorbei, zudem hatte er das Pech, sich immer dann zu verletzen, wenn er hätte zum Einsatz kommen sollen. In den Qualifikationsspielen zur Europa League etwa musste er wegen einer Schulterblessur passen, Trapp war im Sommer noch nicht fest von der Eintracht verpflichtet worden. Zuletzt fehlte Rönnow wegen Rückenbeschwerden. Sein letztes Pflichtspiel bestritt er am 18. Dezember des vergangenen Jahres im unbedeutenden Europa-League-Spiel gegen Lazio Rom. Ohnehin kam er in seiner ersten Saison in Frankfurt auf lediglich sechs Pflichtspiele – und so wirklich überzeugt hatte er die bei Eintracht Frankfurt sportlich Verantwortlichen nicht. Im Sommer deutete vieles darauf hin, dass Rönnow den Klub verlassen werde, weil er unbedingt spielen wollte, doch ein Wechsel klappte nicht.

Eintracht Frankfurt: Jan Zimmermann ist zweiter Keeper

Nun also erhält Rönnow, ein schlauer Kopf, endlich seine Bewährungschance. Lange genug hat er darauf warten müssen, zuletzt hatte er auf der Chinareise Bälle halten dürfen sowie in der Vorbereitung; sein letzter Einsatz unter Wettkampfbedingungen liegt also schon lange zurück. Ein Sicherheitsrisiko? „Unser vollstes Vertrauen gilt Frederik Rönnow, der Kevin sicherlich gut vertreten wird“, ließ sich Sportdirektor Hübner gestern zitieren.

Als Torwart Nummer zwei reist nun Jan Zimmermann mit nach Portugal, Felix Wiedwald, der in den Qualifikationsspielen das Frankfurter Allerheiligste hütete, war nicht gemeldet für internationale Auftritte. Womöglich kann er nachgemeldet werden, der Klub will das prüfen lassen.

Zeigen, dass auf ihn Verlass ist, kann Rönnow schon morgen beim Europa-League-Auswärtsspiel bei Vitoria Guimaraes. Es gibt sicherlich einfachere Debüts. Denn Trainer Adi Hütter ist auch ohne den Ausfall seines Stammtorhüters gezwungen, die Mannschaft, speziell die Abwehr, kräftig umzubauen. Bei dem folgenschweren Zusammenprall in Berlin hatte sich ja auch Hasebe eine Gehirnerschütterung zugezogen, er wird in Guimaraes fehlen, damit sind dem Coach zwei elementar wichtige Abwehrsäulen weggebrochen. Im Estadio Dom Afonso Henriques dürfte Martin Hinteregger ins Zentrum der Dreierkette rücken, „die Chance ist sehr groß“, dass der Linksfuß Hasebe ersetze, so Hütter. Evan Ndicka wird für den Österreicher links hinten verteidigen. Ohnehin hätte der 20 Jahre alte Franzose viel früher wieder spielen dürfen, selbst wenn der Konkurrent Publikumsliebling Hinteregger ist. Aber seit dem Spiel bei Benfica Lissabon, als Ndicka einen Elfmeter verursachte und des Feldes verwiesen wurde, ist er ein wenig außen vor. Zur Wahrheit gehört auch, dass der Franzose, wenn er denn spielte, arg gehemmt wirkte und vornehmlich Fehler vermeiden wollte. Rechts dürfte sich Almamy Touré festgespielt haben, zumal Kapitän David Abraham noch Probleme mit dem Rücken hat.

Sebastian Rode ist dabei

Dass Dominik Kohr wegen seiner im Arsenal-Spiel gesehen Gelb-Roten Karte nicht mit von der Partie sein kann, fällt weniger schwer ins Gewicht. Sebastian Rode ist, trotz Daumenbruchs, an Bord, zudem steht Gelson Fernandes als Sechser bereit, auch Mijat Gacinovic hat sich nach seiner einwöchigen schöpferischen Pause längst zurückgemeldet.

Evan Ndicka und Frederik Rönnow:  Durchs tiefe Tal ans Licht

Wenn Eintracht Frankfurt also am Mittwochvormittag in den Flieger nach Porto steigt, steckt auch eine gehörige Portion Druck in den Frankfurter Rucksäcken. Für die Hessen ist das zweite Spiel in ihrer Gruppe F „sehr bedeutsam“, wie Adi Hütter sagte. Ein Sieg in Nordportugal ist beinahe Pflicht, will sich die Eintracht nicht ihre Chancen auf das Sechzehntelfinale unnötig erschweren. Geht man einmal davon aus, dass der Topfavorit FC Arsenal, Vorjahresfinalist in der Europa League, diese Gruppe gewinnen wird, darf sich die Eintracht im Kern keinen Ausrutscher mehr leisten – Standard Lüttich oder eben die Eintracht sind die beiden Klubs, die sich um den begehrten Platz zwei balgen. Die Portugiesen gelten allgemein als schwächste Truppe aus diesem Quartett, als Zünglein an der Waage könnten sie aber unangenehm in Erscheinung treten. „Wir müssen die Punkte dringend holen“, fordert Mittelfeldarbeiter Gelson Fernandes. Seit Dienstag ist die Aufgabe noch ein Stückchen schwieriger.

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