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Eintracht gegen West Ham: Hauge muss wohl Lindström ersetzen – und endlich liefern

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Von: Thomas Kilchenstein

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Jens Petter Hauge konnte bei der Eintracht bislang nicht überzeugen. Nach einem Startelfeinsatz in Leverkusen bietet sich ihm nun eine große Gelegenheit.

Frankfurt – Nach dem erwartungsgemäß verlorenen Spiel gegen Bayer Leverkusen, einer besseren Trainingseinheit, ist Trainer Oliver Glasner gefragt worden, ob ihm diese freundschaftlich anmutende Partie irgendwelche Aufschlüsse für die ungleich bedeutendere am Donnerstag gegen West Ham United gebracht habe. Der Coach der Frankfurter Eintracht wollte die Frage nicht direkt verneinen, er sprach von einer „zusammengewürfelten Mannschaft“, die in dieser Formation noch nie gespielt habe. Ohnehin habe, logischerweise, „der Donnerstag oberste Priorität“, weil „wir da eine außergewöhnliche Geschichte“ schreiben können.

Aber, um die Frage zu beantworten: Natürlich hat dieser der Schonung dienende Auftritt der B-Elf dem Fußballlehrer keine neuen Fingerzeige gegeben - nach bald einem Jahr im Frankfurter Stadtwald kennt Oliver Glasner seine Pappenheimer sowieso aus dem Effeff. Und wenn es noch eines Beweises bedurft hätte, dass die Hessen personell qualitativ dünn besetzt sind, dann zeigte es das Hinspiel in London: Glasner wechselte in diesem Spiel, in dem es um sehr viel ging, lediglich zweimal. Erst brachte er verletzungsbedingt Jens Petter Hauge für den an muskulären Problemen laborierenden Jesper Lindström, und dann in der Nachspielzeit Ragnar Ache, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Glasner, der damals auf die Stammkräfte Evan Ndicka und Kristijan Jakic verzichten musste, änderte auch deshalb nur das Nötigste, weil er wusste, dass die, die reinkommen, nicht besser sein würden als die, die gehen. Und das ist die Krux: Eintracht Frankfurt fehlen die Optionen, fehlen frische Impulse von der Bank.

Eintracht Frankfurt gegen West Ham United: Lindström fehlt wohl verletzt

Vermutlich wird Glasner allerdings für das Rückspiel an diesem Donnerstag (21 Uhr/RTL) erneut zumindest eine Änderung vornehmen müssen: Der Einsatz des schnellen Lindström ist ungewiss. Wer soll also an seiner statt spielen? Vieles spricht für Hauge, zuletzt haben die beiden in schöner Regelmäßigkeit die Positionen gewechselt, meist hat der Däne Lindström nach einer knappen Stunde Spielzeit Platz für den Norweger Hauge gemacht. Dem Spiel hat das nicht immer gut getan. So furchtbar zufrieden sind sie nicht mit dem 22 Jahre alten Norweger aus Bodö, der nach einer einjährigen Leihe für mindestens sieben Millionen Euro, womöglich sogar für zehn Millionen, fest vom AC Mailand verpflichtet werden muss, eine entsprechende Kaufverpflichtung war im Sommer vereinbart worden. Das ist sehr viel Geld für einen, der bislang nicht den Nachweis erbracht hat, eine dauerhafte Bereicherung für die Hessen zu sein.

Jens Petter Hauge von Eintracht Frankfurt
Jens Petter Hauge im Hinspiel gegen West Ham. © Andrew Fosker/Shutterstock/Imago Images

Hauge kam bislang in 24 Bundesligaspielen zum Einsatz, stand aber nur in acht Partien in der Startformation, zwei Tore hat er erzielt, zu Beginn der Saison. Da deutete er sein Potenzial an, das könnte was werden, dachten viele, wenn er dazulernt und sich an die Spielweise in der Liga gewöhnt.

Doch mit zunehmender Spielzeit gab der Offensive doch so manches Rätsel auf: Er hat durchaus Power, einen guten Abschluss. Aber oft sieht das doch sehr ungestüm und wild aus, mal dribbelt er blindlings in zwei, drei Gegner hinein, dann streut er sinnbefreite Übersteiger oder Hackentricks ein. Selbst Eintracht-Sportvorstand Markus Krösche, der Hauge wegen seiner Variabilität und seiner Stärke in Eins-gegen-Eins-Situationen anfangs lobte, deckelte ihn sanft: Er müsse „seriöser“ spielen, sagte der Boss, klarer, zielstrebiger und strukturierter in seinen Aktionen werden.

Das ist in erster Linie die Aufgabe des Trainers. Glasner ist gefordert, Hauge, ein Kumpel von Erling Haaland, aufs richtige Gleis zu stellen. In diesen finanziell einengenden Zeiten kann es sich ein Klub wie Eintracht Frankfurt nicht leisten, derart viel Geld für einen Edelreservisten auszugeben. Hauge muss funktionieren.

Eintracht Frankfurt: Kristijan Jakic droht die Ersatzbank

Vieles spricht dennoch dafür, dass Hauge, der im vergangenen Jahr beim AC Milan etwa mit Zlatan Ibrahimovic, Ante Rebic und Hakan Calhanoglu zusammengespielt hat, am Donnerstag in der Startelf steht, sollte Lindström tatsächlich nicht rechtzeitig fit werden. Zum einen wechselt Glasner ungern sein Spielsystem, zum anderen wurde Hauge am Montagabend nach 45 Minuten ausgewechselt - und das wurden vornehmlich die Profis, die gegen West Ham das Finale klar machen sollen. Kristijan Jakic etwa, auch er könnte möglicherweise als Ersatz in Frage kommen (und dann ein eher defensiveres Mittelfeld mit Djibril Sow und Sebastian Rode komplettieren) musste durchspielen.

Die Partie in Leverkusen zeigte aber einige Facetten des Jens Petter Hauge, gute wie schlechte: Er hatte, kurz vor der Pause, die einzig ernsthafte Chance auf einen Treffer, da tankte er sich geschickt durch, das machte er gut, schob die Kugel dann aber deutlich neben das Tor. Weniger gut war hingegen, dass er es war, der vor dem 0:1 im gegnerischen Strafraum den Ball zu leicht verlor.

Insgesamt aber stagniert der 22-Jährige in seiner Entwicklung, viel zu oft spielt er zu naiv, er lernt auch kaum dazu, macht noch immer die gleichen Fehler wie zu Beginn seiner Frankfurter Zeit. Und: Er spielt viel zu viele Fehlpässe, das wird auf diesem Niveau häufig bestraft. Dann schießt er, bei Olympiakos Piräus, kurz vor Schluss das Siegtor und ebnet der Eintracht überhaupt erst den Weg zum Gruppensieg. Aber womöglich lässt sich auch Jens Petter Hauge von der traditionellen Europapokal-Begeisterung der Mannschaft anstecken und spielt über seinen Verhältnissen. (Thomas Kilchenstein)

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