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Keinen Ball verloren geben, selbst die ganz hohen nicht: Frankfurts Tuta gewinnt das Kopfballduell gegen Höler.
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Keinen Ball verloren geben, selbst die ganz hohen nicht: Frankfurts Tuta gewinnt das Kopfballduell gegen Höler.

SGE

Eintracht Frankfurt ist endlich auf dem richtigen Weg

  • Thomas Kilchenstein
    VonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt bestätigt mit dem auch mit spielerischen Mitteln errungenen Erfolg in Freiburg einen leichten Aufwärtstrend.

Frankfurt - Es war dann wieder der „alte Haudegen“ Timothy Chandler, der die 90 Minuten vom Breisgau auf den Punkt brachte: „Irgendwann“, sagte der 31 Jahre alte Rechtsverteidiger bei der Analyse des 2:0-Sieges seiner Frankfurter Eintracht, „haben die Freiburger gedacht: Wir schießen hier kein Tor mehr, egal wie lange wir spielen.“

Immer wieder streckte sich ein Frankfurter Bein in den Schuss, stellte einer den Fuß herein, störte ein anderer den Angriff und wenn dann mal eine Aktion der Gastgeber Erfolg zu versprechen schien, stand immer noch ein Pfosten im Weg oder ein Verteidiger auf der Linie. „Ich war begeistert, mit welcher Leidenschaft wir unser Tor verteidigt haben“, freute sich später der Frankfurter Trainer Oliver Glasner, dann fügte er etwas an, was Trainer normalerweise sehr selten sagen: „Heute gibt es nichts zu bemängeln.“

Eintracht Frankfurt mit solidem Auftritt beim SC Freiburg

Ganz so supertoll war der Auftritt der Hessen im Schwarzwald zwar auch wieder nicht, aber womöglich ist ihnen gelungen, wonach sie so lange vergeblich Ausschau hielten: den Abzweig zum Weg in die richtige Richtung gefunden zu haben. Der Fußballlehrer aus Österreich jedenfalls wertet den Erfolg in Freiburg als „großen Schritt nach vorne“.

Vor allem haben die drei Punkte, auch angesichts der Ergebnisse der Tabellennachbarn, fürs Erste ein wenig Ruhe und Gelassenheit einkehren lassen ins oftmals aufgeheizte Frankfurt. Der Klub bewegt sich langsam in Richtung sicherer Gefilde, das kann für die weitere Entwicklung der immer noch labilen Mannschaft durchaus hilfreich sein.

Die Partie in Freiburg hat ein paar Fingerzeige geliefert, wie es künftig im günstigen Fall laufen könnte. Dass die Mannschaft intakt ist, dass Leidenschaft und Mentalität stimmen, hat sie zuletzt ohnehin gezeigt, die Tore in letzter Minute legen davon Zeugnis ab. Und wer gesehen hat, mit welcher Inbrunst das komplette Team inklusive Ersatzbank den zweiten Treffer von Filip Kostic gefeiert hat, der braucht sich um das Innenleben keine Sorgen zu machen. Aber das war ja schon vorher klar gewesen.

Eintracht Frankfurt: Nur zwei Gegentore zuletzt

Was vielmehr Hoffnung macht, ist dreierlei: Zum einen hat sich das Team in spielerischer Hinsicht gesteigert. Das sah im neuen Freiburger Stadion zeitweise richtig nach Fußball aus, mutiger hat die Mannschaft gespielt, und ja, es gab sogar Ballstafetten über mehrere Stationen, selbst eine gewisse Ballsicherheit durfte man den Eintracht-Profis attestieren. Das war in der Vergangenheit nicht immer so. In der ersten Halbzeit, sagte Glasner, habe man sehen können, „dass wir uns das Fußballspielen getraut haben“, selbst in engen Situationen. Dass man just damit zu den Toren, wenn auch durchaus mit Glück, gekommen war, dürfte die Aufgabe künftig erleichtern. Eintracht Frankfurt, das ist die Botschaft, kann sich Torchancen, auch davon gab es in Freiburg mehr als zuletzt, herausspielen. Auffällig war zudem: Kostic, der Unterschiedsspieler, war sichtlich bemüht, weniger hohe Flanken zu schlagen und statt dessen flach und scharf nach innen zu passen, so wie das Oliver Glasner neuerdings von ihm fordert.

Natürlich hat noch lange nicht alles geklappt. Wieder gab es, gerade in Halbzeit zwei, eine Reihe von Situationen, in denen schlampig nach vorn gespielt, der richtige Zeitpunkt fürs Abspiel verpasst oder schlicht bei Kontern die falsche Entscheidung getroffen wurde. Aber insgesamt war der Auftritt im Breisgau fußballerisch ermutigend, selbst wenn eine Passquote von 73 Prozent nicht überragend ist. Es gab aber auch schon schlechtere.

Eintracht Frankfurt ist defensiv stabil

Was, zweitens, den Trainer besonders gefreut haben dürfte, war eine lange vermisste Stabilität in der Defensive. Die Eintracht hatte ihr Allerheiligstes in der Drangphase der Hausherren mit allen Mitteln verteidigt, kompromisslos und voller Leidenschaft. Jeder hatte sich voll eingebracht, hatte sein letztes Hemd für den Erfolg gegeben. Klar, Eintracht Frankfurt hatte wieder die Mehrzahl der Zweikämpfe verloren, 55 Prozent - aber dieses Mal blieben sie in den entscheidenden Duellen Mann gegen Mann erster Sieger. Das große Ziel von Glasner ist ja, die Zahl der Gegentore zu reduzieren. Die Begegnung in Freiburg war erst das zweite Zu-Null-Spiel in dieser Bundesligasaison. Für Glasner hängt vieles an einer guten Verteidigung: „Ich bin felsenfest davon überzeugt, je weniger Gegentreffer wir kassieren, umso erfolgreicher werden wir spielen“, hat der Coach unlängst im großen FR-Interview gesagt. In den letzten drei siegreichen Pflichtspielen kassierten die Hessen nur zwei Gegentreffer.

Schließlich, drittens, konnte sich die Eintracht zumindest in diesem Spiel auf große Galligkeit und „Griffigkeit“ (Torwart Kevin Trapp) verlassen. Die Eintracht attackierte, war unangenehm, zerrte und zog, kaufte dem Gegner auch ein bisschen den Schneid ab. Sie war präsent, endlich hellwach und setzte auch verstärkt auf eine gewisse Körperlichkeit - all das, was dieses Team über Jahre hinweg ausgezeichnet hat. Bestes Beispiel war da wieder Kristijan Jakic, der mit seiner Aggressivität und seinem beherzten Einsteigen die Linie vorgibt und nicht zufällig an der Entstehung des 1:0 durch Jesper Lindström entscheidend beteiligt war.

Und dieser Dreier war gerade zum Auftakt eines recht anspruchsvollen Schlusssprints bis Weihnachten (mit acht Spielen in 27 Tagen) Gold wert. „Ein Sieg kannst du mit nichts aufwiegen“, sagte Glasner. Und: „Du kannst als Trainer unter der Woche alles erzählen, wenn du dann am Wochenende verlierst, war es falsch.“ Nun hat Eintracht Frankfurt gewonnen, damit ist noch nicht alles richtig, aber die Brust dürfte angewachsen sein. „Wir werden jetzt nicht abheben“, bleibt Glasner Realist, man könne den glücklichen Erfolg ganz gut einordnen. Und: „Wir müssen bescheiden bleiben.“ Dennoch: Ein leichter Aufwärtstrend ist unverkennbar. (Thomas Kilchenstein)

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