Gereift: Ioannis Amanatidis.
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Gereift: Ioannis Amanatidis.

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Ioannis Amanatidis: „Der Griechenpfeil“ mischt die Schweiz auf

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Der ehemalige Eintracht-Stürmer Ioannis Amanatidis mischt die Schweiz auf.

Wenn Ioannis Amanatidis, einst als „Griechenpfeil“ in die Frankfurter Fußballgeschichte eingegangen und mittlerweile 38 Jahre alt, von seinem FC St. Gallen spricht, von dieser blutjungen, frechen und unbekümmerten Truppe, dann geht ihm das Herz auf. Dann schwappt der Enthusiasmus auf den Zuhörer über, die Worte, die Superlative sprudeln aus dem früheren Eintracht-Kapitän nur so heraus. Die Entwicklung des Schweizer Erstligisten sei „sensationell“, wahlweise auch „der Wahnsinn“ oder „der absolute Wahnsinn“, die Mannschaft sei ganz „außergewöhnlich“.

Ioannis Amanatidis: Noch immer für Tore verantwortlich

Der FC St. Gallen, vor der Saison als „Abstiegskandidat Nummer zwei“ gehandelt, wie Amanatidis bezeugt, grüßt im Klassement der Schweizer Premiumklasse von weit oben, Platz drei, einen Punkt hinter Pokalsieger FC Basel und drei Zähler hinter dem Meister Young Boys Bern. Das Besondere: St. Gallen hat 42 Tore geschossen, die meisten in der gesamten Liga, mehr als die beiden Vorzeigeklubs mit ganz anderen finanziellen Mitteln. Das freut einen ganz besonders, den früheren Stürmer von Format, Ioannis Amanatidis. Er hat seinen Anteil daran. 

Der im griechischen Kozani geborene und schwäbischen Stuttgart aufgewachsene Ex-Profi ist mittlerweile Assistenztrainer beim FC St. Gallen, er hat die Angreifer so ein bisschen unter seine Fittiche genommen, er weiß ja, wie es geht, er gibt Tipps, verrät Kniffs, „es geht auch um Laufwege und spezifische Stürmerbewegungen“. Der einstmalige griechische Nationalspieler ist begeistert von seiner Rasselbande, „unser Altersdurchschnitt in der Vorrunde war 22 Jahre“, sagt er. „Das muss man sich mal vorstellen.“

Ehemaliger Eintracht-Frankfurt-Star in der Schweiz

Er zählt flugs die Sturmreihe auf, die für so viel Aufsehen gesorgt hat: Den 23 Jahre alten Cedric Itten etwa, den frischgebackenen Schweizer Nationalspieler, der in zwei Länderspielen schon drei Tore gemacht hat und in der Liga achtmal erfolgreich war. Oder Ermedin Demirovic, 21, U-21-Nationalspieler Bosniens, acht Tore. Oder den 22-jährigen Jeremy Guillemenot, Schweizer U-21-Auswahlakteur, zwei Tore, drei Vorlagen. Eine besondere Erwähnung findet Boris Babic, weil den gar keiner auf der Rechnung hatte. Der 22-Jährige war zuvor an den Eintracht-Quali-Gegner FC Vaduz ausgeliehen, zweite Liga, nicht mal da war er Stammspieler, jetzt hat er schon sieben Tore gemacht. „Die Jungs haben alle Potenzial, man muss es erweitern“, sagt „Ama“, wie er gerufen wurde. „Einem Pizarro bringst du nichts mehr bei, aber die Jungs kann man formen.“

Ioannis Amanatidis würde gerne in der Schweiz bleiben

Er selbst ist indirekt durch den Benefizkick des einstigen Weltstars Ronaldinho in Frankfurt an seinen Job in der Schweiz gekommen. Mit Kevin Kuranyi, einst Weggefährte und jetzt in der Beraterbranche, unterhielt er sich dort länger, und der Ex-Nationalspieler stellte schließlich den Kontakt zu St.-Gallen-Coach Peter Zeidler her, mit dem Amanatidis einst schon bei der U23 des VfB Stuttgart gearbeitet hatte. Die Chemie stimmte, und vor einem Jahr trat der frischgebackene Familienvater (der Sohnemann ist acht Monate alt) dem Trainerteam bei. „Es passt, es ist homogen.“ Sein Vertrag läuft am Saisonende aus, er würde gerne bleiben und seine Erfahrung weitergeben, „es macht Riesenspaß“. Langfristig aber will er als Cheftrainer arbeiten, nach Möglichkeit in Deutschland. „Das würde mich reizen.“

Ausgebildet ist er, er hat alle Trainerscheine gemacht und auch ein zweijähriges Managementstudium unter dem Dach der Uefa abgeschlossen. Da waren Größen wie Youri Djorkaeff, Gaizka Mendieta oder Kolo Touré dabei. „Ich habe mir ein Netzwerk aufgebaut.“

Eintracht Frankfurt und Ioannis Amanatidis: Kein harmonisches Ende

Amanatidis, stets ein Querdenker und gewiss kein Jasager, hat vieles ausprobiert nach seiner Karriere, die durch zwei Knorpelschäden früher endete als sie hätte enden müssen, er gründete ein Modelabel, eröffnete in Frankfurt ein Restaurant, „der Grieche“, investierte in Solarstromanlagen. Doch der Fußball hat ihn nie losgelassen, er ist sein Leben. „Fußball hat mir viel gegeben“, sagt Amanatidis, der in Frankfurt-Sachsenhausen noch immer ein Haus besitzt.

Die Eintracht verfolgt er regelmäßig, „ich hatte da meine intensivste Zeit“, auch wenn das Ende von Misstönen geprägt war. „Aber dadurch lasse ich mir die tolle Zeit vorher nicht kaputtmachen.“ Mit Christoph Preuß, Alex Schur, Marco Russ oder Zeugwart Franco Lionti ist er sporadisch in Kontakt, „sonst ist ja keiner mehr da“. Die Entwicklung des Klubs findet er „erstaunlich“, auch wenn die Frankfurter zurzeit hinter den Erwartungen zurück sind. „Sie haben enorme Qualität verloren, wie will man das ersetzen?“, fragt er rhetorisch. Gegen Leipzig aber wird’s gut ausgehen, glaubt der Ex-Kapitän. Ganz sicher.

Sein Tipp: 2:1

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