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Soll heute wieder trainieren: Filip Kostic, der zuletzt wegen Oberschenkelproblemen passen musste.

Eintracht Frankfurt

Im Spannungsfeld

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Für Eintracht Frankfurt geht es darum, den Rhythmus wieder zu finden und den Erfolgshunger zu bewahren.

Die kurze Pause vom Bundesligaalltag nutzten die Fußballer der Frankfurter Eintracht in weiten Teilen dazu, ein wenig durchzupusten oder sich einen Kurztrip in die Heimat zu gönnen. Einfach mal raus aus der Tretmühle. Blöd für die Spieler, die von ihren Nationen in die Auswahlmannschaften eingeladen wurden, da ist es mit der Erholung nicht weit her, anderseits ist es ja auch eine Auszeichnung, für das Heimatland auflaufen zu dürfen.

Heute Vormittag, ab 10.30 Uhr, wird jedenfalls ganz offiziell die letzte und damit heiße Phase der Saison eingeläutet, dann bittet Coach Adi Hütter seine Mannschaft nach vier Tagen Auszeit auf den Trainingsplatz zur Vorbereitung auf das folgende Bundesligaheimspiel am Sonntag (18 Uhr) gegen den VfB Stuttgart. Mindestens zehn Pflichtpartien stehen noch an – im besten Fall sogar deren 13. Dann stünde die Eintracht am 29. Mai im Europa-League-Finale in Baku. Zukunftsmusik.

Nun geht es erst einmal darum, wieder langsam in den Rhythmus zu finden, Spannung aufzubauen und den Fokus zielgerichtet auf die nächste Aufgabe zu richten. Das ist der Eintracht eigentlich immer gut gelungen, wenngleich die Spieler ja selten wirklich Luft hatten, um abzuschalten oder das Erlebte zu reflektieren; es ging Schlag auf Schlag, Partien im Vier-Tages-Takt standen oft genug auf dem Programm. Geschadet hat es den Hessen nicht, sie sind auf der Welle des Erfolges einfach immer weiter geritten, die zusätzlichen Auftritte im Europapokal samt strapaziöser Reisen haben sie nicht belastet, sondern eher beflügelt: In diesem Jahr sind sie in 13 Begegnungen ungeschlagen geblieben, zuletzt fuhren sie sechs Siege aus den zurückliegenden sieben Partien ein.

Wird Filip Kostic rechtzeitig fit? 

Wenn die Frankfurter ihre gute Ausgangsposition – als Fünfter nur einen Platz hinter dem ersten Champions-League-Rang, zudem gegen Benfica Lissabon im Viertelfinale der Europa League – nutzen und noch weiter nach oben stürmen wollen, dürfen sie sich keine Nachlässigkeit erlauben, dann darf es keinen Spannungsabfall geben. „Wir müssen hungrig bleiben“, fordert Coach Hütter. Er wird sein Team sukzessive auf Betriebstemperatur bringen, Schlendrian duldet er sowieso nicht.

Auch die Führungsfiguren auf dem Feld sind der festen Überzeugung, dass das Ensemble genauso hungrig wie vor der Bundesligapause auftreten wird. „Bis jetzt haben wir ja nichts erreicht“, sagt Gelson Fernandes. „Wir müssen mit viel Willen und unserem Powerfußball die Spiele gewinnen.“ Die 13 Partien ohne Niederlage seien da hilfreich, sie bringen neben den nötigen Punkten auch jede Menge Selbstvertrauen – und mehr Selbstvertrauen, dieser Umkehrschluss klingt einigermaßen logisch, bringt mehr Punkte. „Das ist eine gute Periode für unseren Verein“, befindet Fernandes.

Spätestens am Mittwoch werden alle Nationalspieler wieder zurück in Frankfurt erwartet, auch Filip Kostic soll dann wieder seinen Dienst aufnehmen – das ist zumindest der Plan. Der 26-Jährige hat die beiden Länderspiele der Serben gegen Deutschland und Portugal wegen einer Oberschenkelverletzung verpasst, eine Blessur, die er sich in der letzten Heimpartie der Eintracht gegen Nürnberg kurz vor Schluss zugezogen hatte. Trainer Hütter plant zwar mit dem so fulminant auftrumpfenden Flügelmann, doch ein paar Restzweifel bleiben immer. Gerade mit Muskelverletzungen im Bereich der empfindlichen Adduktoren ist nicht zu spaßen.

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Ein Filip Kostic in dieser Form ist jedenfalls unverzichtbar, Ersatzmann Jetro Willems kann ihm nicht nur nicht das Wasser reichen, seine Spielweise ist diametral zu der des Serben: Kostic ist ein zielstrebiger, unaufhaltsam marschierender Powerriegel, Willems eher verspielt.

Das Beispiel zeigt ganz gut, dass der Kader zwar auch in der Breite gewaltig an Niveau gewonnen hat, doch die Schlüsselspieler sollten besser nicht allzu oft, allzu lange und auch nicht alle gemeinsam ausfallen. Schon gegen Ende der Hinrunde konnte die Eintracht, sieht man von dem Spiel gegen Leverkusen ab, nicht mehr ganz ihr hohes Niveau halten, weil zu manch kleiner Formschwankung auch die eine oder andere Verletzung hinzukam: So fielen etwa David Abraham, Makoto Hasebe und am Ende auch Ante Rebic aus. Die absoluten Leistungsträger sind über einen längeren Zeitraum eher nicht adäquat zu ersetzen. Das ist kein typisches Eintracht-Phänomen. Für einen Überraschungscoup mit dem maximalen Erfolg muss aber alles passen, Unversehrtheit, Konstanz und Spielglück gehören dazu – und das sind beileibe keine Kleinigkeiten.

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