Esprit weg. Droht der Eintracht mit Trainer Adi Hütter eine Saison im Mittelmaß?
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Esprit weg. Droht der Eintracht mit Trainer Adi Hütter eine Saison im Mittelmaß?

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Eintracht Frankfurt: Hütters Team hat seine Magie verloren

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Eintracht Frankfurt steht zwar im Sechzehntelfinale der Europa League und überwintert im DFB-Pokal, insgesamt scheint die Magie der SGE aber verloren gegangen zu sein.

Ist das jetzt schon eine Krise, womöglich ihre kleine Schwester, die Ergebniskrise, oder doch nur eine schwierige Phase, wie Trainer Adi Hütter glauben machen möchte? Oder beides? Als gesichert gilt: Eintracht Frankfurt, die Viel- und Dauerspieler der Liga, ist aus dem Tritt, aus der Spur geraten, weshalb man alles daran setzen wolle, just in diese „Erfolgsspur zurückzukehren“. Und genau das klingt ja schon verdächtig nach Durchhalteparolen, nach Pfeifen im dunklen Wald.

Bei Eintracht Frankfurt ist, trotz des letzten Endes sehr glücklichen Erreichens des Ziels Zwischenrunde in der Europa League, die Luft raus. Ganz sicher haben die hohen Belastungen eine Rolle gespielt, physisch wie mental, kein Team in der Liga hat in dieser Hinrunde mehr Pflichtspiele absolviert, 31 werden es am Ende sein, fast eine komplette Saison. So was bleibt in den Kleidern stecken. 

Eintracht Frankfurt: Charakter des Einmaligen verloren gegangen

Woran es momentan in Frankfurt aber vorrangig mangelt, ist dieser ganz besondere Spirit, dieses Flair des Außergewöhnlichen, das Magische - all das ist perdu. An die internationalen Auftritte der Frankfurter, das ist als Lob zu verstehen, hat man sich fast schon gewöhnt, 20 waren es allein in diesem Kalenderjahr. Dadurch ist der Charakter des Einmaligen, des Unverwechselbaren verloren gegangen. Dazu kann niemand etwas, das ist nur natürlich. Aber dieser spezielle Schub fehlt nun.

Hinzu kommt, dass auch dieser Mannschaft mittlerweile das Besondere, das Glanzvolle abgeht, es gibt keine Büffel mehr, keine alles überrennende Wucht. Der Esprit ist dahin. Eintracht Frankfurt kommt, Mitte Dezember, eher kraft- und saftlos daher, und so was lässt den berühmten Funken nur schwerlich überspringen. Das liegt sicher auch daran, dass dieses Frankfurter Team eben auch nicht mehr die Qualität jener Mannschaft aus dem Vorjahr aufweist. Es ist eine ganz normale Mannschaft geworden, mit ganz normalen Stürmern, die mal treffen und mal nicht. Das alles sieht nach gehobenem Durchschnitt aus, und ist es auch. Alle Parameter sprechen somit eher für Schwarzbrot denn für Kaviar in dieser Saison.

Steht Eintracht Frankfurt vor einer Saison im Niemandsland?

Wahrscheinlich ist das ganz normal für einen Klub, der in den letzten drei Jahren eine phänomenale Entwicklung genommen hat, und deren Entscheidungsträger sehr viel richtig gemacht haben. Seit drei Jahren, seit der erfolgreich gestalteten Relegation gegen den 1. FC Nürnberg, geht es im Kern nur noch bergauf, 2017 das Pokalfinale erreicht, 2018 das Pokalfinale wieder erreicht und sogar gewonnen, 2019 erst im Halbfinale in der Europa League heroisch am späteren Sieger gescheitert. Das ist schon eine sehr beachtliche Erfolgsstory, die sich naturgemäß nicht endlos verlängern lässt - zumindest nicht kurzfristig für einen Klub wie Eintracht Frankfurt.

Dass die Saison noch den einen oder anderen Höhepunkt für die Hessen bereithält, etwa in der Zwischenrunde oder im Pokal gegen RB Leipzig, ist die gute Nachricht. Man sollte diese Momente genießen, und vielleicht kann Eintracht Frankfurt ja ein klein wenig von der verschütt gegangenen Magie zurückbringen. Ansonsten ist eine Saison im Niemandsland, irgendwo zwischen Baum und Borke, die wahrscheinlichste Variante - wenn alles normal läuft.

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