Eintracht Frankfurt verliert mit 0:4 gegen Borussia Dortmund.
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Eintracht Frankfurt verliert mit 0:4 gegen Borussia Dortmund.

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Eintracht-Trainer Adi Hütter nach der Pleite gegen Dortmund: „Alles hat gefehlt“

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
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Eintracht-Trainer Adi Hütter vermisst bei der 0:4-Klatsche in Dortmund wesentliche Frankfurter Tugenden, sieht aber der Partie gegen den FC Salzburg zuversichtlich entgegen.

Die Klatsche von Dortmund war gerade ein paar Minuten Realität, die ersten Analysen einer hoch verdienten 0:4-Niederlage in die Welt gesetzt, da ging dem Frankfurter Trainer Adi Hüter schon die nächste Begegnung durch den Kopf. Sie ist eine ganz spezielle, insbesondere für den Österreicher, jeder weiß es: Am kommenden Donnerstag geht es für Eintracht Frankfurt in der Europa League gegen Hütters alten Klub, den FC Salzburg. 

Hütter hat sich dort als junger Fußballlehrer erste Sporen verdient, so ganz im Reinen ist man vor Jahren nicht auseinander gegangen, dazu leben der mittlerweile 50-Jährige und seine Familie in der Mozartstadt. Es war also leicht, gleich den Fokus auf die kommende Herausforderung zu richten, denn eines ist allemal klar: Diese beiden internationalen Spiele will Adi Hütter unbedingt erfolgreich gestalten. Also ratterte er, nur ein paar Momente nach der letzten Bundesligapartie, gleich die Namen jener Salzburger Spieler herunter, die Eintracht Frankfurt gefährlich und zu Nahe kommen könnten, Dominik Szoboszlai, Masaya Okugawa, Hee-chan Hwang, Namen, die hierzulande weitgehend unbekannt sind, in den Bergen aber großen Klang besitzen. 

Dazu spielten die Salzburger mit Geschwindigkeit in einem ähnlichen Tempo wie jetzt die Dortmunder gegen den Ball, pressten früh und sehr hoch, nur spielten sie „schlampiger“ als der BVB. Und zuletzt hätten sie gar ihr Heimspiel verloren, gegen den LASK, erstmals seit Jahren. Hütter, so viel steht fest, ist bestens präpariert für das für Stimmung und Klubfinanzen nicht ganz unerhebliche Spiel am nächsten Donnerstag im Stadtwald.

Eintracht Frankfurt gegen Borussia Dortmund seltsam verhuscht und verängstigt 

Und die Mannschaft? Nimmt man die Leistung der 90 Minuten von Dortmund zum Maßstab, dann sicher nicht. Die Vorstellung im pickepacke vollem Westfalenstadion war eher ein Rückfall in vergangene Zeiten: Keine Aggressivität, kein Power, keine Griffigkeit, keine Impulse, zählte Hütter nur die gröbsten Defizite auf; seltsam verhuscht und verängstigt war Eintracht Frankfurt aufgetreten. „Überhaupt nicht gefallen“ hatte dem Coach Art und Weise, wie sein Team bei Borussia Dortmund aufgetreten war. „Man kann in Dortmund verlieren, keine Frage“, stellte er fest, aber es komme auch auf das Wie an. 

„Wir haben sehr viel von dem vermissen lassen, was wir zuletzt gezeigt haben.“ Und: „Heute hat so ziemlich alles gefehlt.“ Gerade an Courage hat es gemangelt. „Zu wenig mutig“ habe man sich angestellt, deshalb hatte Hütter zur Pause, als es noch 0:1 gestanden hatte, in Bas Dost einen zweiten Stürmer aufs Feld gebracht, um ein Signal zu setzen. Denn sei es letzten Endes einerlei, ob man 0:2 oder 0:4 verliert, Hauptsache man versucht noch einmal alles. Hatte aber nichts genutzt; ein Doppelschlag (50. und 54. Minute) nach dem Wechsel entschied diese sehr einseitige Partei schnell.

Dabei hatte Eintracht Frankfurt keineswegs so hasenfüßig agieren wollen. Wo war es nur hin, dass Selbstvertrauen und die breite Brust, die nach dem gelungenen Rückrundenauftakt mit vier Siegen und einem Remis aus fünf Pflichtspielen eigentlich mächtig angeschwollen hätte sein müssen? Wo war die Traute hin, in Dortmund etwas mitnehmen zu wollen? Nichts war davon zu spüren. Was auch deswegen überraschte, weil Borussia Dortmund nach zwei schmerzhaften Niederlagen hintereinander in der ersten halben Stunde zwar feldüberlegen war, aber keineswegs die Sterne vom Himmel gespielt hatte. Die schwarz-gelbe Verunsicherung war zu spüren, da hätten die Hessen energischer gegenhalten müssen.

Eintracht Frankfurt: Absolute Harmlosigkeit – Filip Kostic praktisch aus dem Spiel genommen

Erschwerend hinzu kam, dass es auch mit der taktischen Disziplin nicht annähernd so gut bestellt war wie sich das der Coach vorgestellt hatte. Warum das so war? Schulterzucken. Womöglich hatten sich die Eintracht-Profis schon im Vorfeld mit einer möglichen Niederlage abgefunden, hatten sich nicht viel ausgerechnet, entsprechend agierten sie wie das berühmte Kaninchen vor der Schlange. „Kollektiv“, senkte Hütter den Daumen, „haben wir es nicht auf die Reihe bekommen, unsere Leistung abzurufen. Keiner ist auf das Maximum gekommen.“ Das aber ist bei einem Klub wie Eintracht Frankfurt zwingend erforderlich, um gegen einen Hochkaräter wie Dortmund auch nur einen Hauch einer Chance zu haben. „Das war heute“, träumte Hütter frank und frei ein, „ein Klassenunterschied“.

Frappierend vor allem war die absolute Harmlosigkeit des Frankfurter Ensembles. Borussia Dortmund hätte diese Begegnung vermutlich auch zu Null gestaltet, wenn statt Roman Bürki ein Tannenbaum im BVB-Gehäuse gestanden hätte. In den Statistiken steht bei Eintracht Frankfurt unter der Rubrik Torschütze eine Zahl: „1“. Den gab Timothy Chandler nach einer knappen halben Stunde ab, mehr aus Verzweiflung, und der Ball flog gut vier, fünf Meter über das Tor hinaus. Das war es mit den Frankfurter Offensivbemühungen. „Wir hatten keinen einzige Aktion nach vorne, wir waren sehr, sehr ungefährlich“, sagte Hütter angesichts eines Torschussverhältnisses von 1:17. Ein konstruktiver Spielaufbau nach vorne war nicht existent, Filip Kostic, der einzige Unterschiedsspieler, war durch die Doppeldeckung durch Achraf Hakimi und Lukasz , Piszczek praktisch aus dem Spiel genommen und völlig wirkungslos – und schon versandeten alle, ohnehin eher hilflosen Bemühungen der Hessen, die Kugel überhaupt über die Mittellinie zu treiben, frühzeitig.

Eintracht Frankfurt: FC Salzburg nicht dieselbe Qualität wie Borussia Dortmund 

Was die Sache nicht erleichterte: Zu dem nicht vorhandenen Spiel nach vorne, gesellten sich horrende Ballverluste, fast schon absurd einfache Bälle hatten die Frankfurter verloren. Jedes vierte Abspiel landetet prompt beim Gegner; die Eintracht spielte 320 Pässe, die ankamen, Dortmund doppelt so viele (642). Viel „zu schlampig“ habe man gespielt, die „Klatsche“ sei deshalb auch in dieser Höhe verdient gewesen, dennoch „tut sie weh“, fand Coach Hütter.

Die Hoffnung für Donnerstag fußen nun vornehmlich auf zwei Komponenten: Zum einen, das ist eine Binsenweisheit, ist das ein anderes Spiel, in dem die Mannschaft, wie Hütter sicher ist, „ein anderes Gesicht zeigen“ werde. Zudem dürfte der FC Salzburg, obzwar ein Spitzenteam in Österreich, allerdings vom jüngsten personellen Aderlass (etwa Erling Haaland) arg gebeutelt, nicht das Niveau erreichen, das Borussia Dortmund hat. Zum anderen spielt Eintracht Frankfurt vor eigenem Publikum. Und da haben sich die Hessen, auch gegen die vermeintlich Großen, in der Euro League eigentlich immer ganz ordentlich aus der Affäre gezogen. Sicher ist aber: Eine weitere Nichtleistung wie gegen den BVB und alle süßen Träume, den Tanz auf europäischer Bühne, möglichst lange zu tanzen, wären dahin. Dessen ungeachtet will sich Adi Hütter dennoch nicht den offensichtlichen Aufwärtstrend der Eintracht in dieser Rückrunde durch das 0:4 kaputt machen lassen. „Wir sind auf dem richtigen Weg.“ Er sagt das voller Überzeugung.

Eintracht Frankfurt hat einem Medienbericht zufolge ein Auge auf einen 20 Jahre alten Shootingstar aus der Serie A geworfen. Doch die Konkurrenz ist groß.

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