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Richtig dicke Freunde werden die beiden wohl nicht mehr: Adi Hütter (links) und Florian Kohfeldt.

DFB-Pokal

Eintracht und Werder im Streit: Hütter wünscht sich „Empathie und Vernunft“ vom Gegner

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Vor dem DFB-Pokalviertelfinale in Frankfurt wünscht sich Eintracht-Trainer Adi Hütter ein kleines bisschen mehr „Empathie und Vernunft“ von Gegner Werder Bremen.

Frankfurt - So richtig dicke Kumpels werden die hohen Herrschaften aus Frankfurt und Bremen eher nicht mehr. Es ist jetzt nicht so, dass sich die Entscheider Fredi Bobic und Adi Hütter auf der einen sowie Frank Baumann und Florian Kohfeldt auf der anderen Seite spinnefeind wären oder sich mit mächtigen verbalen Keulenschlägen traktieren würden, doch gewisse Spannungen und Dissonanzen sind spürbar. Selbst aus sicherer Distanz.

Das Ganze fing im vergangenen Jahr an, als Eintracht-Coach Hütter öffentlich das ausplauderte, was sowieso jeder wusste, nämlich, dass er einst als Coach von Young Boys Bern den an der Weser geschassten Alexander Nouri beerben sollte. Sportchef Baumann nahm das seinerzeit als Indiskretion wahr, verwies auf „ein vertrauliches Gespräch“ und gab den dezenten Hinweis hinüber an den Main, man möge sich doch besser zurückhalten, auch was „Ratschläge an Trainer anderer Klubs“ angehe.

Eintracht Frankfurt: Zwist zwischen  Bobic und Kohfeldt

Damit brachte er ganz bewusst Fredi Bobic ins Spiel, denn der Eintracht-Sportvorstand hatte Werder-Coach Kohfeldt zwar prinzipiell gute Arbeit bescheinigt, aber auch empfohlen, sich vielleicht etwas zurückzuhalten am Spielfeldrand: „Beim äußeren Betrachter kommt er ein bisschen negativ rüber“, und: „Wenn er den Job 20, 30 Jahre machen möchte, muss er aufpassen, dass er mit der Art nicht nach fünf Jahren fertig ist. Körperlich fertig, für das Herz ist das nicht gut.“ Kohfeldts schmallippiger Hinweis: „Ich bin in sehr guten medizinischen Händen.“

Nun, vor dem DFB-Pokalviertelfinale am Mittwochabend in Frankfurt (20.45 Uhr/live in der ARD), legte der Bremer Trainer nach, weil er noch immer nicht verstehen mag, dass die Bundesligapartie zwischen Werder und der Eintracht am Sonntag abgesagt wurde, da die Frankfurter wegen der Spielverschiebung auf europäischem Terrain in Salzburg zu wenig Regenerationszeit gehabt hätten. „Wir wollen es allen zeigen, das ist klar“, sagte der 37-Jährige am Dienstag und betonte: „Die Hauptmotivation ziehen wir aus dieser nachteiligen Entscheidung.“

Der Frankfurter Fußballlehrer Hütter trat ein bisschen später vor die Presse, und so wirklich nachvollziehen konnte er nicht, was sein Pendant da von sich gegeben hatte. Hütter wirkte ein wenig angesäuert und verwundert, als er auf die Worte seines Kollegen angesprochen wurde, und er konnte sich einen Konter auf die Spitze nicht verkneifen. Grundsätzlich sei es so, dass „man im Viertelfinale des DFB-Pokals keine Motivationsschübe von außen braucht“, befand der Österreicher und wurde dann deutlicher. Die Eintracht habe in den vergangenen eineinhalb Jahren „28 internationale Spiele mehr als Werder Bremen absolviert“, weshalb er sich wünschte, dass „man etwas empathischer denken“ würde.

EL-Spiel in Basel nicht in Gefahr

Eintracht Frankfurtgeht davon aus, dass das Achtelfinalrückspiel der Europa League in Basel wie geplant am 19. März über die Bühne gehen wird, obwohl in diesem Monat in der Schweiz wegen der Coronavirus-Epidemie alle Ligaspiele abgesagt sind. „Wir spielen in Basel“, sagte Eintracht-Medienchef Jan Martin Strasheim. „Ob mit oder ohne Zuschauer, hängt davon ab, wie die Schweizer Behörden die Situation bewerten. Wir planen mit beiden Szenarien.“

Das DFB-Pokalviertelfinaleam Mittwoch in Frankfurt gegen Bremen werde wie geplant und ohne Auflagen stattfinden, befand Strasheim. „Das Gesundheitsamt hat weiterhin keine Einschränkungen oder Bedenken.“
Gegner Werder Bremen trainiert unterdessen wegen der Ansteckungsgefahr zumeist unter Ausschluss der Öffentlichkeit, außerdem sind die Spieler angehalten, derzeit keine Autogramme zu schreiben und auch nicht für Selfies mit den Anhängern zu posieren.

Natürlich versuche jeder, für seinen Verein und seine Interessen zu kämpfen, aber „ich appelliere an Empathie und Vernunft“. Schon vor wenigen Tagen hatte der Vorarlberger in die Diskussion eingeworfen, „dass wir auch international viel für den deutschen Fußball getan haben“. Das solle entsprechend berücksichtigt und anerkannt werden.

Die Entscheidung habe zudem die Deutsche Fußball Liga (DFL) und nicht Eintracht Frankfurt getroffen, und im Übrigen solle man durchaus auch einen gerechten Wettbewerb „im letzten Drittel“ der Bundesliga im Blick haben. Für reichlich Zündstoff ist also gesorgt vor dem mit Spannung erwarteten Duell im Stadtwald.

Die Eintracht geht die neuerliche Pokalaufgabe zuversichtlich an. „Wir haben in K.o.-Duellen Erfahrung gesammelt“, sagte Hütter im Hinblick auf die zurückliegenden Spielzeiten. In den letzten drei Jahren stand der Klub zweimal im Pokalfinale und konnte den Pott einmal, 2018, gewinnen, in der vergangenen Saison stürmte Hütters Mannschaft ins Halbfinale der Europa League. „Das sind tolle Statistiken, die wollen wir verlängern“, bekundete der Fußballlehrer.

Diese Spiele, wenn es Spitz auf Knopf steht, wenn es nur einen Sieger geben kann, liegen dem Ensemble aus Frankfurt, da gibt es keine zwei Meinungen. Sehr prägnant ist das in dieser Spielzeit zu beobachten, in der die Eintracht gerade in den beiden Extrawettbewerben überzeugen konnte, im Ligaalltag hingegen einige Schwächen offenbarte. „Wir sind Eintracht Frankfurt“, bemerkte Hütter und präzisierte: „Wir tanzen auf drei Hochzeiten, sind in Europa im Achtelfinale und im Pokal im Viertelfinale. Da muss man vielleicht auch mal ein Auge zudrücken, wenn wir nicht jedes Spiel gewinnen können. Insgesamt kann ich dem Team nur ein Kompliment aussprechen.“ In der Bundesliga, das warf der 50-Jährige aber sehr wohl ein, „bin ich nicht 100-prozentig zufrieden, da müssen wir schauen, dass wir in sichere Gefilde kommen“.

Eintracht Frankfurt: Highlight gegen Bremen

Zunächst einmal steht das nächste Highlight gegen Bremen an, die Chance, ins Halbfinale einzuziehen, das Nationaltorhüterin Almuth Schult am Sonntag in der ARD-Sportschau (ab 18 Uhr) auslosen wird. Das Endspiel in der Hauptstadt ist nur noch zwei Siege entfernt. „Wir wollen nach Berlin“, sagte Hütter entschlossen. Für ihn wäre die Teilnahme eine Premiere, bei seinem Amtsantritt im Sommer 2018 war die Eintracht in der ersten Runde in Ulm rausgeflogen. Schnee von gestern.

Entgegen seinen sonstigen Gepflogenheiten ging der Trainer auch nicht auf den Kontrahenten ein. „Ich weiß nicht, ob ich der richtige Ansprechpartner bin, um zu sagen, was Werder Bremen gut oder schlecht macht. Das ist nicht mein Job.“

So beließ er es bei allgemeinen Hinweisen, wonach die Norddeutschen die zweitbeste deutsche Pokalbilanz aufweisen und dass sie auswärts mehr Punkte geholt haben als zu Hause. „Das ist verwunderlich.“ Wie so einiges in diesem aus der Balance geratenen Gefüge zwischen Eintracht Frankfurt und Werder Bremen.

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