Und Tor. Bas Dost hat für die Frankfurter Eintracht getroffen.
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Und Tor. Bas Dost hat für die Frankfurter Eintracht getroffen.

DFB-Pokal

Holprig die Pflicht erfüllt

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Die Frankfurter Eintracht tut im DFB-Pokal nur das nötigste und kann sich auf ihr Sturm-Duo Dost/Silva verlassen.

Ganz zum Schluss, nach 92, 93 Minuten, packten die tapferen Münchner Löwen schließlich die Brechstange aus, was blieb auch anderes übrig? Also feuerten sie die Bälle unverdrossen nach vorne, zack-zack, immer schön hoch und weit, vielleicht würde ja noch einer durchrutschen irgendwie, am besten zu ihrem Sturmtank Sascha Mölders, diesen Brecher aus einer anderen Fußballzeit, und dann würde es um die Eintracht doch noch geschehen sein. Ganz klar.

Doch ganz so tölpelhaft ließen sich die Frankfurter nicht überrumpeln, Djibril Sow, Stefan Ilsanker, David Abraham per Kopf, Timothy Chandler mit dem Rücken und natürlich Abwehrturm Martin Hinteregger fingen das Langholz ab und beförderten es postwendend dahin zurück, wo es hergekommen war. Der Ausgleich, das 2:2, sollte in dieser ersten Runde des DFB-Pokals an der Grünwalder Straße nicht mehr fallen, die Eintracht setzte sich letztlich holprig, aber nicht unverdient mit 2:1 (0:0) beim Drittligisten 1860 München durch. Pflichtaufgabe erfüllt.

Eintracht Frankfurt im DFB-Pokal: Selbst verschuldete Hektik

Doch dass es am Ende überhaupt noch mal hektisch und unruhig wurde, hätte nicht unbedingt sein müssen. „Das darf normalerweise nicht passieren“, monierte Sportdirektor Bruno Hübner. „Vorher müssen wir schon das 3:0 oder 4:0 machen.“ Haben sie aber nicht.

Das ganz große Zittern blieb trotzdem aus, zu holzschnittartig waren die Bemühungen der Sechziger, die den Bundesligisten aber gerade im ersten Abschnitt vor größere Probleme stellten. Ein Klassenunterschied war weder in einfacher noch zweifacher Ausführung zu erkennen, was die Frankfurter Entourage zwar vielleicht im Ansatz, aber doch nicht großartig störte.

Im Pokal, der ohne Fans für die Kleinen immer seltener seine eigenen Gesetze hat, gilt es nur, eine Runde weiterzukommen. „Das ist uns gelungen“, merkte Cheftrainer Adi Hütter nüchtern an. „Im Pokal bringt es nichts, schön zu spielen und dann auszuscheiden. Ich habe schon ganz anderes erlebt wie vor zwei Jahren in Ulm.“ Da kam das blamable Aus in Runde eins.

Eintracht im Pokal: Das Gegenteil von einem guten Spiel

Davon war die Eintracht am Samstag weit entfernt, was nicht darüber hinwegtäuschen soll, dass sie so ziemlich das Gegenteil von einem guten Spiel gemacht hat. Gerade in Durchgang eins rumpelten die Hessen über den Platz, der ganze Auftritt war zu schablonenhaft, ohne Esprit und Ideen, ohne Power und Wucht. Es war eine Vorstellung, wie man sie von diesem Team schon häufiger gesehen hat, nicht wirklich schlecht, aber doch vorhersehbar, zu leicht auszurechnen, selbst für einen Drittligisten.

Aus dem Mittelfeld kamen zu wenige Impulse, Sebastian Rode schuftete redlich, Dominik Kohr versuchte sich (erfolglos) mit Fernschüssen, Kreativkopf Daichi Kamada spielte zu fehlerbehaftet, Neuzugang Steven Zuber auf links brachte kaum eine Aktion zu Ende, und auf der anderen Seite waren die Hereingaben von Danny da Costa zu unpräzise. Das wiederum hatte zur Folge, dass gerade Bas Dost trotz seiner Größe lange kaum zu sehen war, nur Sturmpartner André Silva stach heraus, er hebt sich aufgrund seiner Fertigkeiten und Klasse von den übrigen Mitspielern ab.

Das alles ist kein Grund zur Besorgnis, die Mannschaft muss und wird besser zueinander finden, an guten Tagen ist sie schwer zu schlagen und durchaus in der Lage, ein Spiel zu dominieren. Aber grundsätzlich sind ja keine Quantensprünge zu erwarten, weil das Team im Kern zusammengeblieben ist: Am Ende der vergangenen Saison landete die Eintracht im Mittelfeld, gewann 13-mal und verlor 15-mal, Endplatzierung: Rang neun.

Frankfurter Eintracht noch mitten in der Vorbereitung

Verlässliche Rückschlüsse lassen sich aus der Pokalbegegnung in München dennoch kaum ziehen, im Grunde steckt die Mannschaft noch inmitten der Vorbereitung, da weiß man nur schwer, wo man wirklich steht, wie der Leistungsstand tatsächlich ist. Zumindest hat sich das Ensemble keine Blöße gegeben, ist zwar spielerisch begrenzt, aber doch sehr seriös aufgetreten. Martin Hinteregger wertet den Auftritt als „Klassiker“ für die erste Pokalrunde. „Die Bundesliga ist etwas ganz anderes.“

Der Österreicher hat sich packende Duelle mit dem früheren FSV-Stürmer Sascha Mölders geliefert, der trotz seiner 35 Jahre noch immer gefährlich ist. „Das ist ein erfahrener Fuchs“, lobte Sportchef Fredi Bobic, und Widerpart Hinteregger bewertete den Mittelstürmer als cleveren, starken Spieler mit einem guten Riecher. „Ihm fehlt mittlerweile etwas die Schnelligkeit, so dass ich ihn öfter einholen konnte.“

Auf der anderen Seite taten sich die Stürmer ebenfalls hervor, Bas Dost und André Silva bereitete die Tore des jeweils anderen vor, nach 51 Minuten legte der Niederländer auf den Portugiesen ab, 1:0, keine fünf Minuten später flankte Silva auf Dost: 2:0, die Entscheidung. Dass Phillipp Steinhart nach 78 Minuten einen von Torwart Kevin Trapp verursachten Strafstoß zum 1:2 verwandelte, hatte keine Auswirkungen mehr. „Unsere Stürmer sind in den entscheidenden Momenten da“, befand Manager Hübner.

Eintracht vorm Bundesliga-Start: Bas Dost hat Blut geleckt

Bas Dost, immer noch ein Wechselkandidat, hat Blut geleckt. In der Vergangenheit seien er oder Sturmpartner Silva oft durch Krankheiten oder Verletzungen gestoppt worden, „zurzeit sind wir gut drauf, wir können aber noch mehr“. Er selbst möchte nur beschwerdefrei bleiben. „Und dann will ich mal richtig Gas geben in dieser Saison.“

Das wünscht sich auch Abwehrchef Hinteregger, der auf mehr Durchschlagskraft setzt. „Ich hoffe, dass es von Anfang besser läuft als letzte Saison.“ Dass Stürmer generell Tore schießen, hält der eigenwillige 28-Jährige nicht für besonders erwähnenswert: „Dafür sind sie da, dafür bekommen sie ihr Geld.“ So sieht’s mal aus. (Ingo Durstewitz)

Eintracht Frankfurt besiegt in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals ohne Glanz den TSV 1860 München mit 2:1. Der Live-Ticker zum Pokalspiel der Eintracht zum Nachlesen.

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