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Reine Kopfsache: Eintracht Frankfurt, hier Danny da Costa (links) gegen Lissabons Jardel, glaubt weiterhin ans Weiterkommen.

Eintracht Frankfurt

„Es ist noch nicht vorbei“

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Eintracht Frankfurt strotzt trotz der 2:4-Niederlage in Lissabon nur so vor Selbstvertrauen und ist vom Halbfinaleinzug felsenfest überzeugt.

Als es hinterher an die Analyse des Gebotenen ging, hätte man beinahe den Eindruck gewinnen können, als habe Eintracht Frankfurt den Einzug ins Halbfinale, wahrscheinlich gegen den FC Chelsea, schon in der Tasche, eine reine Formsache. Wen man auch sprach, ein jeder strotzte nur so vor Selbstbewusstsein, Tatendrang, ja Selbstsicherheit. Von Skepsis, gar Angst keine Spur. „Ich habe den Jungs gesagt“, lehnte sich Sportvorstand Fredi Bobic vor der RTL-Kamera ganz weit aus dem Fenster, „die hauen wir weg im Rückspiel.“ Ganz schön forsch, der Herr.

Auch Mittelfeldrackerer Sebastian Rode schaut dem Rückspiel am kommenden Donnerstag mit „großem Optimismus“ entgegen, „unsere Kampfeslust ist geweckt.“ Man habe eine gute Ausgangsposition erreicht. Torwart Kevin Trapp, der nicht seinen besten Tag erwischt hat und bei einigen Gegentoren äußerst unglücklich agierte, fasste die Meinung in der Kabine prägnant zusammen. „Es gibt keinen, der Zweifel hat, dass wir das noch schaffen.“

Am Gründonnerstag, so viel scheint sicher, „gibt es ein wunderbares Endspiel“, fand Marketingvorstand Axel Hellmann. Und: „Solche Spiele liegen uns.“ Nebenbei kündigte er gleich noch einen richtigen „Hexenkessel“ im Frankfurter Stadtwald an, im Estadio da Luz zu Lissabon vor knapp 60 000 Zuschauern habe er den nicht erlebt. Selbst Trainer Adi Hütter versprach schon mal: „Ich erwarte in einer Woche einen heißen Tanz.“ Und Bruno Hübner empfindet die Aufgabe im Rückspiel schlicht „machbar“.

Trotz aller zur Schau gestellten Frankfurter Zuversicht sei kurz erwähnt, dass Eintracht Frankfurt im Viertelfinalhinspiel gegen ein streckenweise wie entfesselt aufspielendes Benfica Lissabon mit 2:4 (1:2) verloren hatte. Und damit noch bestens bedient war. Leicht hätten die Hessen, die erstmals in diesem Jahr wieder ein Spiel verloren haben, nach 15 erfolgreich bestrittenen Begegnungen, höher verlieren können. Haris Seferovic etwa hatte, unmittelbar vor dem fast schon lebensnotwendigen zweiten Treffer durch den eingewechselten Goncalo Paciencia (siehe nebenstehender Bericht), gegen seine alten Frankfurter Kollegen gar das 5:1 auf dem Fuß, doch Trapp vereitelte mit seiner besten Tat an diesem Abend ein Debakel.

Und dieses Debakel hatte durchaus im Bereich des Möglichen gelegen, zeitweise waren die Hessen nach allen Regeln der Kunst auseinandergenommen worden. Eintracht Frankfurt ist noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen und hat aus diesen aufregenden 90 Minuten und unter diesen besonderen Umständen noch das Beste gemacht, mehr war nicht drin. „Wer jetzt nicht positiv ist, soll am Donnerstag nicht spielen“, nordete Trapp die Kollegen ein, es dürfe keine Zweifel geben, und das Gute sei: „Wir haben es selbst in der Hand.“ Immerhin war der Schlussmann der Einzige, dem der Blick für die Fakten nicht verstellt war: „Das Ergebnis“, sagte er, „ist nicht optimal.“

Tatsächlich hat die Eintracht, strotzend vor Selbstbewusstsein, im frühen Spielverlauf einen schweren Rückschlag hinnehmen müssen. Die Rote Karte für den jungen französischen Verteidiger Evan Ndicka nach 20 Minuten, der als letzter Mann eine 100-prozentige Torchance durch Gedson Fernandes mittels Schubser verhinderte und dafür für ein Spiel gesperrt wurde, hat das Konzept der Hessen komplett über den Haufen geworfen. 70 Minuten in Unterzahl gegen derart spielstarke Portugiesen erwies sich als Mammutaufgabe, der sich die Frankfurter am Ende gewachsen zeigten.

Manager Bruno Hübner: „Ein fantastisches Spiel“

Von allen Seiten wurde die bemerkenswerte Moral gelobt, dazu wurde eine Mentalität an den Tag gelegt, die Berge versetzen kann. Das war purer Wille, was die Hessen auf den Platz gebracht hatten, eine erstaunliche Energieleistung. Selbst nach dem 1:4 nach 54 Minuten, zu dem das „Jahrhunderttalent“ (Hütter), der erst 19 Jahre alte Joao Felix, drei Tore beisteuerte und der – nicht ganz zu Unrecht – schon als legitimer Nachfolger von Cristiano Ronaldo gehandelt wird, habe man nach vorne gespielt.

„Mit der Leistung in Unterzahl bin ich absolut zufrieden“, sagte Hütter, dem vor allem die fünf Minuten vor und zehn Minuten nach der Pause, als die Eintracht drei Gegentore kassierte, nicht gefallen hat. Aber: Die Hessen sind nicht eingebrochen, haben sich geschüttelt und bravourös weitergespielt, mutig, unverdrossen, forsch. „Auch nach dem vierten Gegentor hatte ich nie das Gefühl, dass es das jetzt gewesen ist“, stellte Verteidiger Martin Hinteregger fest. Dazu kam, dass die Portugiesen nach 75 Minuten deutlich an Schwung verloren hatten, sei es im Gefühl des sicheren Sieges, sei es, weil ihnen am Ende die Luft ausgegangen war. „Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht, eine tolle Moral und starke Mentalität bewiesen“, fand Hellmann, Hübner sprach in der ersten Begeisterung gar von „einem fantastischen Spiel“.

Um ein Haar wären die Frankfurter mit noch einem besseren Ergebnis aus dieser Partie gekommen: Kurz vor dem Ende jagte Filip Kostic einen Ball knapp über die Latte, aus nahezu identischer Position hat er unlängst gegen den VfB Stuttgart und zuvor in Hannover jeweils einen Treffer erzielt. Ein 3:4 wäre nahe am Wunschergebnis.

Klar ist aber auch: Ein Selbstläufer wird das Rückspiel nicht. „Wir brauchen zu Hause ein perfektes Spiel“, sagte Adi Hütter, zudem einen Sieg mit mindestens zwei Toren Unterschied. Und Benfica, die mit ihren wieselflinken, technisch so beschlagenen Angreifern die Frankfurter Defensive mehr als ihnen lieb war in Verlegenheit gebracht hat, wird im Stadtwald Räume für ihr gutes Konterspiel vorfinden. Hütter wird ein Mittel finden müssen, Joao Felix, das portugiesische Wunderkind mit Zahnspange, aus dem Spiel zu nehmen. Schwer genug wird das allemal.

Die Zuversicht von Eintracht Frankfurt gründet natürlich auch auf der Tatsache, dass die Hessen am Gründonnerstag sehr wahrscheinlich länger mit elf Mann spielen werden als in Lissabon. Womöglich hätte die Eintracht keine vier Gegentore kassiert, wenn sie vollzählig geblieben wäre. Dazu gilt Benfica Lissabon nicht gerade als besonders auswärtsstark.

„Es ist noch nicht vorbei“, fasste Hellmann die Stimmungslage am späten Abend am Tejo zusammen. Adi Hütter hieb in die gleiche Kerbe: „Wir wollen unseren Traum bis zum Ende gehen.“ Dazu muss kurz vor Ostern aber deutlich mehr klappen als in Lissabon. Zuzutrauen aber ist das dieser Frankfurter Mannschaft allemal – zumal Benfica in der portugiesischen Kapitale nahezu alles glückte. Selbst Adler Vitoria, das Maskottchen Benficas, der am Abend aus dem Stadion geflogen war, ist anderntags wohl behalten aufgefunden worden.

Sehr viel unrunder lief für die Eintracht da die Abreise, die Frankfurter Entourage saß stundenlang in Lissabon am Flughafen fest, weil eine Startbahn infolge eines geplatzten Reifens gesperrt war. Die in Frankfurt für 17 Uhr angesetzte Pressekonferenz fiel kurzerhand aus. Nicht die beste Vorbereitung für das Heimspiel am Sonntag (18 Uhr) gegen den FC Augsburg. Andererseits kann so ein kleiner Zwischenfall die grenzenlose Zuversicht gewiss nicht mindern.

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