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Eintracht Frankfurt: Höher, besser, schneller, weiter!

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Von: Ingo Durstewitz

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Architekten des Frankfurter Höhenflugs: Markus Krösche (li.), Axel Hellmann. Foto: Jan Hübner
Architekten des Frankfurter Höhenflugs: Markus Krösche (li.), Axel Hellmann. Foto: Jan Hübner © Jan Huebner

Eintracht Frankfurt gibt sich vor dem Restart gegen Schalke forsch und selbstbewusst: „Nicht nach oben begrenzen.“

Ehe die Frage überhaupt gestellt werden kann, beantwortet sie Axel Hellmann lieber selbst. Ja, er, der Vorstandssprecher der Frankfurter Eintracht, sehe es als seine Pflicht, die Deutsche Fußball Liga (DFL) als kommissarischer Chef durch eine schwierige Phase zu manövrieren. Das sei jeder verantwortungsbewusste Funktionär dem Produkt Fußball, ja der Bundesliga schuldig. Aber daraus abzuleiten, er werde seinem Stammverein abtrünnig, sei rundweg falsch. Nein, er hege keinerlei Ambitionen, das höchste DFL-Amt über den Sommer hinaus zu bekleiden. „Ich bin bei der Eintracht verortet“, sagt der 51-Jährige. „Ich habe nicht vor, die Eintracht zu verlassen.“ Hellmann als Spekulationsobjekt ist damit von der Liste zu streichen.

Der einflussreiche Vorstand, seit mehr als 20 Jahren im Zeichen des Adlers unterwegs, hat noch zu viel vor mit seinem Herzensklub, die Aufgaben sind vielfältig, die Herausforderungen immens. 2022 werde als „unglaubliches Jahr“ in die Geschichte der Eintracht eingehen, doch es sei nun mal vorüber, Geschichte eben. „Fürs Gewesene kriegen wir nix mehr“, sagt Hellmann. „Alle Karten werden neu gemischt, wir müssen ein neues Kapitel aufschlagen, denn die Trauben hängen jetzt sogar noch höher.“

Der Jurist hat das allgemeingültig formuliert, auch, aber nicht nur auf das bezogen, was auf dem Fußballfeld passiert. Das ist, logisch, gleichwohl der größte Hebel und der Anker, an dem vieles hängt. Doch Hellmann dringt tiefer in die Materie ein, sieht mehr, die Basis und das Fundament nämlich, auf dem der sportliche Erfolg fußt. Der wiederum als Katalysator und Beschleuniger dient. Ein Kreislauf. Den Ausbau des Stadions nennt Hellmann exemplarisch, das zur neuen Saison fast 60 000 Menschen Platz bieten wird, „die größte Errungenschaft“, wie er sagt.

Kalte Füße und mehr

Oder auch die „hervorragende Arbeit“ im Marketing und Verkauf. „Wir haben unsere Umsatzerlöse trotz herausfordernder Zeiten signifikant steigern können, das hat nicht nur mit der Champions League zu tun.“ Generell aber habe der internationale Wettbewerb und die dort errungenen Erfolge zu einer höheren finanziellen Potenz beigetragen. „Die wirtschaftliche Tragkraft ist deutlich besser geworden. Da hat sich die Champions League als Glücksfall entpuppt.“

Hätte es den Europa-League-Titel und die damit verbundene Qualifikation für die Königsklasse in dieser Form nicht gegeben, „wäre die Bettdecke deutlich kürzer und nicht nur die Füße im Kalten gewesen. So aber sind wir einigermaßen gut gewärmt durch den Winter gekommen.“ Auch da sieht man wieder, was damals in Sevilla an zwei unfassbaren Paraden des Torwarts Kevin Trapp und fünf perfekt geschmetterten Elfmetern hing. Alles oder nichts.

Das hat für Sportvorstand Markus Krösche den Spielraum deutlich erhöht. Er sollte am Donnerstag mal wieder Fragen dazu beantworten, ob man vielleicht Leistungsträger wie Daichi Kamada oder Evan Ndicka doch irgendwie noch halten könne. Auch hier gehört zur Wahrheit: Hätte es den historischen Triumph im Mai nicht gegeben, hätte jetzt in Frankfurt niemand mehr über Kamada, Ndicka, Djibril Sow oder Mario Götze gesprochen. Die wären nämlich schon längst nicht mehr da oder gar nicht gekommen. Das ist Fakt.

So gab Krösche seine Standardsätze ab, wenn es um die Zukunft der Begehrten geht. „Wir haben ihnen unseren Plan aufgezeigt, wo wir hin wollen und wie wir sie sehen.“ Solche Personalien brauchten Zeit, es seien „weitreichende Entscheidungen für die Spieler, da geht es nicht immer nur um Monetäres.“ Nicht immer nur, aber in erster Linie schon. So ist halt das Geschäft.

Nur ums Geld ging es indes für Randal Kolo Muani nicht, als er der Eintracht schon früh im alten Jahr zusagte. Der Franzose kam ablösefrei (dafür mit einer üppigen Antrittsgage geködert) nach Frankfurt, und er avancierte schnell zum Shootingstar. Für Markus Krösche steckt viel Beispielhaftes in Kolo Muanis Verpflichtung und der Entwicklung des Spielers. Dieser habe sich vom Frankfurter Weg überzeugen lassen und besser dotierte Angebote anderer Vereine ausgeschlagen. Es hat sich ausgezahlt, die Eintracht hielt Wort, schenkte ihm Vertrauen, setzte auf ihn, machte ihn besser, so dass er sein Heimatland um Haaresbreite zum Weltmeister gemacht hätte.

Kein Nachfolger für Manga

Bei der Eintracht hat Kolo Muani den Durchbruch geschafft und ist zum Nationalspieler gereift. „Kolo ist der Beweis, dass unsere Geschichte der Wahrheit entspricht“, sagt Krösche. Keine leeren Versprechungen, keine Worthülsen, sondern die Chance für junge Spieler, sich zu zeigen. Das sei für die Eintracht im Markt unglaublich wichtig. „Glaubwürdigkeit ist das höchste Gut, wenn es um Talente geht.“ Und Kolo Muani wisse, was er der Eintracht zu verdanken habe. „Zu 100 Prozent, er ist ein bodenständiger, dankbarer Mensch.“ Ein Glücksfall für den Klub.

Der Stürmer wird in der am Samstag mit dem Heimspiel gegen Schalke 04 wieder beginnenden Bundesliga funktionieren müssen, wenn die Eintracht ihre hohen Ansprüche untermauern will. Und die hat sie. „Wir formulieren anspruchsvolle Ziele“, bekundet Manager Krösche. „Wichtig ist, dass man nicht zufrieden ist. Es geht darum, das nächste Level zu erreichen, das Maximum. Wir wollen uns nicht nach oben begrenzen. Das wird seit Jahren vorgelebt im ganzen Klub. Wir wollen 2023 einen ähnlichen Weg gehen wie im Jahr zuvor.“ Und dann, vielleicht sogar ungewollt, feuert der Sportchef einen fast schon hintergründigen Leitsatz raus: „Wir wollen besser werden, um gut zu bleiben.“

Das sind durchaus mutige Ansagen, die die Mannschaft mit ihrem höchst anerkannten Trainer Oliver Glasner ab Samstag mit Leben füllen muss. Wo man stehe, nein, das konnte auch Krösche, der nun offiziell bestätigte, dass es keinen externen Nachfolger für den ausgeschiedenen Kadermanager Ben Manga geben werde, trotz einer „reibungslosen Vorbereitung“ nicht seriös einschätzen. Alldieweil: „Vorbereitung ist kein Maßstab.“

Das Schlusslicht Schalke werde sich hinten verbarrikadieren, das schmeckte der Eintracht in der Vergangenheit nicht immer. „Da werden wir sehen: Wie weit sind wir, wie weit haben wir uns entwickelt?“ Krösche gibt auch für die anspruchsvolle Auftaktwoche mit Spielen gegen Schalke, in Freiburg und München eine einfache Losung aus: „Wenn wir unsere Art des Fußballs auf den Platz bringen, können wir jeden schlagen. Unser Ziel sind neun Punkte.“ Klare Sache.

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