Auswärtssieg der SGE

Eintracht gegen Berlin: Lockerer Dreier aus der Wundertüte gezaubert

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Dank einer Roten Karte, Rastelli Kamada und Torjäger Silva gewinnt die Eintracht locker mit 4:1 bei Hertha BSC und schielt schon wieder ganz geheim nach oben.

  • Eintracht Frankfurt siegt mit 4:1 gegen Hertha BSC
  • SGE: kaum noch Chancen auf Europa League
  • Torhüter Kevin Trapp gibt Platz Sieben noch nicht auf

Frankfurt - Nachdem aus der Frankfurter Wundertüte dieses Mal ein glatter Dreier heraushüpfte und die latent vorhandene Abstiegsangst endgültig gebannt war, sind die Blicke schnurstracks wieder nach oben gegangen. So mussten die Eintracht-Protagonisten nach dem souveränen 4:1 (0:1) bei Hertha BSC Fragen beantworten, was denn noch drin sei in dieser so wechselhaften Spielzeit und ob man nicht vielleicht doch noch Platz sieben erreichen könne.

Eintracht Frankfurt: Fünf Punkte Rückstand auf TSG Hoffenheim

Sportdirektor Bruno Hübner bremste umgehend die Erwartungen. Die TSG Hoffenheim, fünf Zähler vor der Eintracht auf Rang sieben, noch abzufangen, werde „schwer“, die eigene Mannschaft müsse alle verbleibenden Partien noch gewinnen und auf Ausrutscher der Konkurrenz hoffen. Eingedenk der Wankelmütigkeit fällt es schwer daran zu glauben, dass die Frankfurter zum Schluss eine Siegesserie hinlegen könnten, selbst wenn die Gegner auf dem Papier machbar erscheinen:

Am Mittwoch (18.30 Uhr) geht es gegen die kriselnden Schalker, dann nach Köln und abschließend reist der designierte Absteiger SC Paderborn an den Main. Manager Hübner tat gut daran, den Ball flachzuhalten. Die gesamte Spielzeit sei von „Schwankungen“ geprägt gewesen, was er nicht zu Unrecht an der Vielzahl der Begegnungen und den Strapazen festmacht. „Wir haben jetzt schon wieder 51 Spiele absolviert, da ist es schwer, konstante Leistungen abzurufen“. Nichtsdestotrotz habe man jetzt die Chance, „die Saison ordentlich zu beenden. Wir wollen das Beste daraus machen“. Was auch immer das sein wird.

Eintracht Frankfurt auf Europa Tour: Kevin Trapp fände es sensationell

Torwart Kevin Trapp ging nun auch nicht in die Vollen, aber der siebte Platz, der eine erneute Ochsentour durch die europäische Provinz zur Folge hätte (falls Corona* es zulässt), spukt im Hinterkopf sehr wohl umher. „Ob es am Ende reicht, müssen wir sehen“, sagte der fast 30-Jährige und fügt an: „Wenn es reichen würde, wäre es sensationell.“ 

Sehr wahrscheinlich ist es dennoch nicht. Dafür hat die Eintracht zu viele Punkte liegengelassen und sich zu viele Schwächeperioden erlaubt. Ein Platz im Mittelfeld wäre in dieser merkwürdigen Spielzeit verdient und auch absolut in Ordnung. Die Partie in Berlin war kein Spiegelbild der Saison, aber sie steht gewissermaßen stellvertretend für die stetigen Auf und Abs.

Eintracht Frankfurt: Zu wankelmütig für Europa League

Vor einer Woche im Heimspiel gegen Mainz 05 (0:2) zeigte die Eintracht eine indiskutable Leistung, unter der Woche im Pokal in München (1:2) eine schwache erste und starke zweite Halbzeit und nun in der Kapitale wiederum einen sehr überzeugenden, abgeklärten und reifen Vortrag. Diese Ausschläge nach oben und unten haben die Saison zu der gemacht, die sie geworden ist, eine in der Mitte des Tableaus eben.

Im Olympiastadion war die Eintracht von Beginn an ordentlich im Spiel, musste aber mit dem ersten richtigen Torschuss der Hertha gleich mal das 0:1 durch Krzystof Piatek (24.) wegstecken. Das 19. Mal übrigens, dass die Frankfurter einem 0:1-Rückstand nachlaufen mussten – sicher auch ein Faktor, der ein besseres Abschneiden verhinderte. Die Eintracht blieb aber ruhig, und spätestens als Dedryck Boyata als letzter Mann seinen Widerpart Bas Dost foulte und mit Rot des Feldes verwiesen wurde (45.), kippte die Partie endgültig. 

Diese Szene war wahlweise der „Türöffner“ (Mittelfeldmalocher Dominik Kohr) oder der „Knackpunkt“ (Trainer Adi Hütter), in jedem Fall hat sie, wie Bas Dost kurz und knackig analysierte, „alles entschieden“. Fortan spielte die Eintracht Katz und Maus mit ihren Kontrahenten, die Berliner kamen kaum mehr über die Mittellinie, die Treffer fielen zwangsläufig: Der fleißige Dost (51.) glich aus, der bärenstarke André Silva, erst zur Halbzeit eingetauscht, knipste zweimal (62./86.) und sogar Evan Ndicka trug sich mit einem satten Linksschuss in die Schützenliste ein (69.).

Eintracht Frankfurt: Daichi Kamada macht den Ski-Fahrer

Gerade der Treffer zum 2:1 durch Silva verdient eine gesonderte Erwähnung, die Vorarbeit von Daichi Kamada ist mit dem Prädikat Weltklasse zu versehen. Der Japaner tanzte im Strafraum gleich drei Berliner aus, behielt die Balance und die Übersicht, und in der Mitte vollendete Silva per Hackentrick. Ein Volltreffer der Marke „Tor des Monats“, wie Adi Hütter nach seinem 500. Spiel als Trainer anmerkte.

 „Das hat er wie ein Slalomläufer aus Österreich gemacht“, witzelte der Fußballlehrer, während Schlussmann Trapp ganz seriös die Vorzüge Kamadas anpries. „Er hat das gewisse Etwas, er kann den Unterschied machen.“ Genauso wie Stürmer Silva, der sein enormes Potenzial nicht nur andeutet, sondern inzwischen zur Entfaltung bringt.

Eintracht Frankfurt: Am Mittwoch kommt der FC Schalke 04

Hinterher lobten alle Beteiligten unisono den Charakter und die Einstellung der Mannschaft. „Wir sind eine geile Truppe“, sagte Hüne Bas Dost. Insgeheim schielen zumindest die Spieler noch nach oben. „Mit unserer Mentalität ist noch einiges drin“, frohlockte der immer stärker werdende Kohr. „Das Restprogramm ist sehr gut für uns“, flankierte Kollege Dost und hat schon ein Geheimrezept für die nächsten Tage: „Wir waren zuletzt nur ein paar Stunden zu Hause, wir sollten jetzt viel schlafen.“ Viel Zeit ist nicht, Mittwoch schon kommt Schalke 04 nach Frankfurt. Da sollte die Eintracht besser hellwach sein, zuletzt setzte es zu Hause vier Niederlagen in fünf Pflichtspielen.

Rubriklistenbild: © John Macdougall/AFP-POOL/dpa

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