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Könnte bald wieder Waldstadion heißen: Die Frankfurter Fußball-Arena.

Eintracht Frankfurt

Deutsche Bank steigt bei SGE ein: Arena könnte bald wieder Waldstadion heißen

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Eintracht Frankfurt rüstet sich mit einer millionenschweren Partnerschaft mit der Deutschen Bank nachhaltig für die Zukunft. Und die WM-Arena im Stadtwald könnte dadurch bald wieder das Waldstadion im Namen tragen.

  • Eintracht Frankfurt geht Partnerschaft mit Deutscher Bank ein
  • Millionenschwerer Deal
  • Engagement umfasst gesamten Sportpark

Frankfurt - Jan Martin Strasheim durfte die eigenen vier Wände nach auferlegter Zwangs-Quarantäne am Mittwoch dann auch mal wieder verlassen, zum ersten Mal seit einer gefühlten Ewigkeit, ab ging es direkt über die A 5 hinüber ins Stadion. Gottfroh war er, der Medienchef der Frankfurter Eintracht, er ist fit, vital, voller Ideen und Tatendrang, und er hatte gleich eine wichtige Aufgabe vor der Brust, nämlich eine mehr oder weniger virtuelle Pressekonferenz zu einem bedeutenden Thema anzuleiten, natürlich in gebotenem Sicherheitsabstand zu Vorstand Axel Hellmann und den im Kellergewölbe der Arena im Pressekonferenzraum sitzenden Kollegen, die die zuvor schriftlich eingereichten Fragen der Journalisten verlesen haben.

Eintracht Frankfurt: Millionenschwerer Deal mit Deutscher Bank

Wichtiges stand auf dem Plan, es ging primär noch nicht einmal, wie zurzeit fast immer, um Corona, sondern um einen millionenschweren Deal mit der Deutschen Bank, den Eintracht Frankfurt unter Dach und Fach gebracht hat. „Das ist ein großer Schritt, der uns auch Planungssicherheit gibt“, sagte Marketingchef Axel Hellmann, auf dem Podium zwei Meter von Pressechef Strasheim entfernt. Man könnte auch sagen: Es ist ein Meilenstein für den Klub aus dem Hessischen.

Die Deutsche Bank, sehr wohl krisengeschüttelt und von einigen Turbulenzen gebeutelt, macht in den kommenden sieben Jahren gemeinsame Sache mit der Eintracht, sie wird dabei in erster Linie als Namensgeber des Areals im Stadtwald in Erscheinung treten, es soll auf den Namen Deutsche-Bank-Park hören.

Die Eckdaten des für Eintracht Frankfurt außergewöhnlichen Deals sind in diesen schwierigen Zeiten im Hinblick auf eine gewisse Sicherheit in der Phase der Unsicherheit, gerade aber eine langfristige Perspektive durchaus signifikant und von einiger Bedeutung: Der Abschluss wird dem Bundesligisten zwischen fünf und sechs Millionen Euro jährlich in die Kasse spülen, da spielen erfolgsabhängige Parameter eine Rolle. Zum Vergleich: Die Commerzbank, die seit 15 Jahren die Namensrechte am Stadion hält, zahlte rund 4,2 Millionen Euro, von denen aber nur etwa eine Million bei der Eintracht hängenblieb, der restliche Anteil floss in die Stadtkasse. Nun wird das anders sein, der Frankfurter Bundesligist vermarktet sich selbst und betreibt die Arena ab Sommer in Eigenregie. Für den Verein ist auch das ein Quantensprung.

Eintracht Frankfurt: Engagement umfasst gesamten Sportpark

Das Engagement des Geldgebers bezieht sich auf das gesamte Gebiet, das im Zeichen des Adlers steht, es umfasst aber auch Breitensportangebote. Es lässt sich ein bewusst gewählter historische Bezug herstellen. Der Sportpark im Stadtwald ist 1925 aus der Taufe gehoben worden und umfasste nicht nur das Stadion, sondern auch andere Sportstätten, unter anderem die Radrennbahn. Nun soll die Stätte wieder bürgernäher werden, zum Beispiel als Startpunkt für Lauftreffs dienen. Das Stadion wird aber, selbst wenn „wir uns von diesem Arena-Gedanken lösen wollen“, wie Axel Hellmann sagte, „der Mittelpunkt des Ganzen sein, es ist der Kern der Partnerschaft, die Arena bildet das Rückgrat. Sie ist ein digitaler Leuchtturm“.

Es ist bisher nicht beschlossen, wie die Arena an sich heißen wird, möglich ist, dass das Oval in Anlehnung an den alten Namen und den Wunsch der Fans Waldstadion im Deutsche-Bank-Park genannt werden soll. Offiziell gibt es dazu keine Verlautbarungen.

Die Partnerschaft mit dem 150 Jahre alten Kreditinstitut ist zunächst auf sieben Jahre ausgelegt, es gibt aber sehr wohl Bestrebungen, diese Kooperation auszudehnen und noch sehr viel länger aufrechtzuerhalten, eine entsprechende Option ist vertraglich verankert. Für die Eintracht ist die Partnerschaft ein wichtiger Baustein für die Zukunft, wirtschaftlicher Art, aber genauso symbolisch, wie Vorstand Hellmann findet, der den Partner als werthaltigen Partner sieht: „Die Deutsche Bank ist eine Top-Marke und ein deutsches Flaggschiff.“

Eintracht Frankfurt: Deutsche Bank will Image aufpolieren

Das Unternehmen verfolgt mit der neuen Offensive im Sport den Plan, das schwer angekratzte Image aufzupolieren – Verluste, Kündigungen, Skandale – das alles hat das Institut weit zurückgeworfen, das hat seine Glaubwürdigkeit und seine Seriosität erschüttert. Die Botschaft nun ist, mal profan und anschaulich ausgedrückt, klar: Raus aus dem feinen Zwirn im Wolkenkuckucksheim und hinunter an die Basis zu den Fußballfans mit Kutte.

Die Bank möchte nicht mehr als kalte Geldvernichtungsmaschine wahrgenommen werden, sondern will sich, gerade in der Region mit dem Stammsitz Frankfurt, bodenständiger und volksnäher zeigen. „Dahinter liegt auch eine Symbolkraft, dass die Deutsche Bank ihre Fokussierung wieder auf den Heimatmarkt legt“, glaubt auch Hellmann,

Auf den zuletzt maximal zwiespältigen Ruf des Instituts angesprochen, sagte Hellmann im Hinblick auf die gewiss nicht skandalfreie Vergangenheit des eigenen Klubs: „Ich habe bei unserem Partner einen Wertekanon kennengelernt, den ich als vorbildlich erachte.“ Da gehe es vor allem um „Verbindlichkeit und Verlässlichkeit.“ Das habe sich gerade in Zeiten der Corona-Krise gezeigt, als der Sponsor nicht einmal auf die Idee gekommen sei, neu zu justieren und die seit Herbst 2019 in vielen Tagen ausverhandelten Konditionen anzupassen. In der Branche, berichtete Hellmann, habe er durchaus Wind davon bekommen, dass einige Deals, „die in der Pipeline“ waren, gekippt wurden. In diesem Fall nicht. „Alles, was wir verhandelt hatten, ist auch jetzt eins zu eins abgebildet worden. Sie haben Wort gehalten.“

Eintracht Frankfurt: Deal hat große Bedeutung

Gerade in Tagen der völligen Ungewissheit sei das „ein großes Signal und hat große Bedeutung.“ Und generell müsse man festhalten: „Auch nach der Corona-Krise wird das Leben weitergehen und die Menschen zusammenkommen. Wir müssen dann irgendwann zurück in den Alltag finden. Es wird auch nach Corona Eintracht Frankfurt geben, und es wird auch noch Fußball geben.“

Im Zuge der Partnerschaft wird die Digitalisierungs-Offensive verstärkt, es wird, so bald in ferner Zukunft wieder Fußball gespielt wird und Zuschauer zugelassen werden, eine Möglichkeit geben, nicht nur mit Bargeld zu bezahlen. Das soll nicht nur im Stadion gelten. „Das mobile Bezahlen in der Wirtschaftswelt und im Grunde in der ganzen Welt wird ein entscheidender Faktor sein“, sagte Hellmann.

Und: Das Stadion wird, nicht sofort, aber sukzessive, umgerüstet. Die blauen Sitze in der Arena sollen der Vergangenheit angehören. Schwarz, weiß und rot soll das Erscheinungsbild prägen. Auch da sei die Deutsche Bank, deren Farben blau und weiß sind, kooperativ gewesen: „Das zeigt auch die Nähe zu Eintracht Frankfurt.“

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