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Eintracht Frankfurt: Trotz Heimschwäche mit viel Hoffnung gegen Tabellenführer

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Von: Thomas Kilchenstein

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Der Trainer erklärt, der Spieler hört zu: Gegen Union wird Coach Oliver Glasner aber wahrscheinlich auf Kristijan Jakic (rechts) verzichten müssen.
Der Trainer erklärt, der Spieler hört zu: Gegen Union wird Coach Oliver Glasner aber wahrscheinlich auf Kristijan Jakic (rechts) verzichten müssen. © Jürgen Kessler/Imago

Mit einem Lächeln will Eintracht Frankfurt dem Mammutprogramm begegnen – und Union Berlin die Zähne zeigen.

Die Bundesligapause hat der Oliver Glasner mit seinem Trainerstab auch dafür genutzt, einem sehr speziellem Frankfurter Phänomen auf die Spur zu kommen, einem Phänomen, das der Coach „fast schon komisch“ nennt, und zwar diese seltsame Heimschwäche, die den ambitionierten Bundesligisten seit einiger Zeit nicht so recht vorwärts kommen lässt in der Tabelle: zwei Liga-Heimsiege im Kalenderjahr sind nicht viel. Und das „allerkomischste“ dabei sei, findet der Fußballlehrer, dass diese Schwäche die Mannschaft in der Vor-Corona-Zeit heimgesucht habe und jetzt wieder, aber in der Phase nicht, als Geisterspiele die Regel waren. Seltsam das Ganze.

Glasner hat dieses Phänomen also zum Thema gemacht, ohne gleich „einen blauen Elefanten an die Wand zu malen“, er hat ein paar Spieler gefragt, und Ergebnisse herausgefiltert. Womöglich verkrampften die Spieler vor der eigenen „tollen“ Fankulisse, schraubten die Erwartungen zu hoch, machten sich selbst Druck, dem sie nicht standhalten. Erstaunlich sei doch, sagt der Österreicher, dass man zuweilen im heimischen Deutsche Bank Park „nicht so frei spielt wie auswärts“, ja sogar eine gewisse Mutlosigkeit will er ausgemacht. In fremden Arenen machten sich seine Spieler offenbar „weniger Gedanken um das ganze Drumherum“. Die Statistik lügt nicht: in dieser Saison zu Hause gerade ein einziges Mal gewonnen, 4:0 gegen RB Leipzig, in sechs Pflichtspielen auswärts kein einziges Mal verloren.

SGE: Der Tabellenführer kommt nach Frankfurt

Gut, dass da am Samstag (15.30 Uhr) der „überraschende“ Tabellenführer ins Stadion kommt, Union Berlin, die einzige Mannschaft in der Liga, die noch ohne eine Niederlage ist, die die wenigstens Gegentore (4) kassiert und die zweitmeisten Tore (15) erzielt hat. Es ist deswegen gut, hofft Glasner einerseits, weil sich Eintracht Frankfurt, auch das ist seltsam, gegen Top-Teams zu Hause häufig gut aus der Affäre zieht. Das Problem sind ja eher die „kleinen“ Teams, die Bochums, Wolfsburgs dieser Liga. Teams, die Beton anrühren, tief stehen und den Hessen die Gestaltung des Spiels überlassen.

Das Dumme am Gegner am Samstag andererseits: Er steht selbst liebend gerne tief, sehr kompakt, hat die wenigsten Ballkontakte, mit die niedrigste Passquote. Von ihren vier Gegentoren resultierte lediglich eines aus dem Spiel heraus, die übrigen drei fielen nach Standards, die Gegner kommen überhaupt nicht durch die dichte Abwehrreihe. „Union macht das großartig“, sie stünden zu Recht an der Tabellenspitze mit fünf Siegen und zwei Unentschieden, lobt Glasner. „Das wird eine harte Nuss für uns.“

Entscheidend wird es aus seiner Sicht in dieser Partie auf eine gewisse Effektivität ankommen, furchtbar viele Tormöglichkeiten werden sich den Hessen nicht bieten, vermutet der Fußballlehrer, die wenigen sollten dann möglich früh genutzt werden. Und natürlich ist auch Union Berlin nicht unschlagbar, in der Europa League kassierten die Eisernen auch schon zwei Niederlagen, jeweils 0:1.

Dessen ungeachtet steht in Union ein massiver Brocken im Weg zum Auftakt eines eng getakteten Mammutprogramms mit allein neun Spielen im Oktober, Partien in Liga, Champions League und DFB-Pokal. Wichtig werde sein, diesem Stress „mit einem Lächeln zu begegnen“, sagt Glasner. Wenn man das nicht wolle, hätte man halt im Mai zwei Elfmeter vorbeischießen müssen, dann wäre man weniger Belastungen ausgesetzt. Aber das wollte ja auch niemand. „Wir werden jetzt nicht jammern. Die Jungs sind hochprofessionell und in einer sehr guten Verfassung. Wir werden ihnen auch den einen oder anderen freien Tag geben, um wieder die nötige Energie zu bekommen“, betonte Glasner. Auch die Nationalspieler, die zuletzt in aller Welt unterwegs gewesen waren, hätten zwei zusätzliche Urlaubstage erhalten. Manche, wie Kevin Trapp oder Daichi Kamada, kamen bereits nach einem Tag Pause wieder ins Training, vorbildlich findet das der Trainer. Dennoch kann er erstmals am Freitag mit dem kompletten Kader gemeinsam trainieren - optimal ist das sicher nicht.

Eintracht Frankfurt: Nicht alle Spieler stehen zur Verfügung

Verzichten muss der 48 Jahre alte Coach mit großer Wahrscheinlichkeit auf Defensivspieler Kristijan Jakic. Der 25-Jährige laboriert an einer Entzündung in der Hüfte, die ihn auch schon beim Spiel in Stuttgart behindert hatte. „Hinter seinem Einsatz steht ein großes Fragezeichen. Er hat seit fast zwei Wochen nicht trainiert“, berichtete Glasner. Rechtsverteidiger Almamy Touré hat sich früher als geplant nach seiner Muskelverletzung zurückgemeldet, allerdings hat ihn jetzt ein Infekt lahmgelegt.

Auch Kapitän Sebastian Rode kann wieder voll mitmischen. „Es freut mich, dass Sebastian jetzt relativ fit ist“, sagte Glasner. „Seine Erfahrung und Qualität tut uns gut.“ Allerdings sei klar, dass der 31-Jährige nicht alle 13 Spiele bis zur WM-Pause absolvieren werde. „Bei ihm und Makoto Hasebe werden wir auch mal weiterdenken müssen, dass wir ihnen eine Pause geben, weil es sonst drei Tage später nicht reicht“, sagte Glasner. Gegen Union wird Rode aber definitiv auflaufen

Und sogar Luca Pellegrini hat einen Teil seiner konditionellen Defizite in der Länderspielpause aufgeholt, fleißig habe er trainiert. Es sei aber keine Frage der Kondition gewesen, dass er Italiener im letzten Heimspiel aufreizend langsam zu den Eckbällen getrabt sei, die er hereinzuschlagen hatte. Glasner: „Wenn du diese 60 Meter nicht überbrücken kannst, dann muss man den Rollstuhl holen und einen nach Hause fahren.“ (Thomas Kilchenstein)

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