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Eintracht-Pleite gegen Bielefeld: Warum hat Glasner Hinteregger statt Hasebe gebracht?

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Von: Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt

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Eintracht Frankfurt gegen Arminia Bielefeld
Martin Hinteregger (Eintracht Frankfurt, l.) im Zweikampf mit Janni Serra (Arminia Bielefeld, r.). © EU-Images/Imago Images

Warum glaubt Eintracht-Trainer Oliver Glasner, es sei besser, Martin Hinteregger statt Makoto Hasebe aufzustellen?

Frankfurt – Es vergeht in letzter Zeit kaum eine Pressekonferenz, in der Eintracht-Trainer Oliver Glasner nicht das Hohelied auf Makoto Hasebe singt. Was für „ein toller Mensch“ dieser sei, was für ein feiner Charakter, immer Vorbild für alle, jeder könne sich eine dicke Scheibe von ihm abschneiden, auch er, Glasner, sogar seinen genehmigten Japan-Urlaub habe Hasebe abgeblasen, um pünktlich zum ersten Training zu erscheinen. Und Fußball spielen könne er wie kein Zweiter, diese Übersicht, diese Spielintelligenz, was für ein Glück für Eintracht Frankfurt. Dummerweise hat ihn Trainer Glasner am Freitag gegen Arminia Bielefeld nicht aufgestellt. Und ihn erst dann gebracht, als es zu spät war, es 0:2 stand und die Partie längst verkorkst.

Die Fragen sind nun: Warum glaubte Glasner, auf Hasebe verzichten zu können? Und was hat ihn dazu bewogen, Martin Hinteregger an seiner statt zu stellen? Vor der Partie hatte der Coach von einer „Bauchentscheidung“ gesprochen, die oftmals den Ausschlag gebe, wer von beiden beginne. Oder es hänge vom Gegner ab, ein kopfballstarker Hüne etwa wäre wie gemalt für Hinteregger.

Eintracht Frankfurt: Hasebes Fehlen bemerkbar

Nach dieser Definition hätte am Freitagabend eindeutig Hasebe beginnen müssen. Die Arminia, das war klar, würde stabil hinten drinstehen, würde der Heimmannschaft die Initiative überlassen, die Eintracht würde viel Ballbesitz haben. Tatsächlich war sie auf 68 Prozent gekommen. Der Gegner war also prädestiniert für den spielstarken Japaner, der mit seinem klugen Aufbauspiel, seiner Ruhe und Erfahrung dem gesamten Team Ballsicherheit verleiht. Ähnlich wie vor Wochenfrist in Augsburg.

Rückschritt bei Eintracht Frankfurt: „Für unsere Ansprüche zu wenig“

Doch es spielte: Martin Hinteregger. Die kernige Abwehrkante, man muss das wissen, ist aktuell alles andere als in Topform, dazu, so hatte Glasner tags zuvor eingeräumt, laborierte der 29-Jährige an „einer Problematik im Schambeinbereich“. Trotzdem stand er in der Startelf. Dass Glasner nach der Pleite ein teilweise „stümperhaftes Abwehrverhalten“ monierte, dürfte auch auf seinen Landmann gemünzt gewesen sein, der in seinen 45 Minuten komplett neben sich stand, verunsichert wirkte, nie in die Zweikämpfe kam. Zur Pause blieb er in der Kabine, er habe signalisiert, ausgewechselt zu werden, sagte Glasner später, der damit seine personelle Fehlentscheidung korrigierte.

Eintracht Frankfurt: Hasebe hätte wohl für geordneten Aufbau gesorgt

Gegen Dortmund hatte Hinteregger auch von Beginn an gespielt, da ging es gegen Erling Haaland, ein Diadochenkampf, und genau die richtige Aufgabe für den „Hinti“, 70 Minuten spielte er überragend, dann unterlief ihm ein folgenschwerer Patzer, der zum Anschlusstreffer und damit zur Niederlage führte. Gegen Bielefeld merkte Hinteregger selbst, wie schlecht er war, er sei, „ganz ehrlich“, enttäuscht von seiner Leistung, schrieb er auf Instagram und nannte Gründe: Sprunggelenk, Schulter, Schambein, „mein Kopf, der die falschen Entscheidungen trifft“, und das Fehlen der Fans. „Ohne euch ist der Hinti halt nur ein halber Hinti.“

Kein Mensch behauptet ernsthaft, mit Hasebe hätte die Eintracht am Freitagabend sicher gewonnen. Aber es wäre ein anderes Spiel geworden, wenn der Japaner den Aufbau gelenkt, wenn der Ball beim Abspiel flach geblieben wäre, geordnet und sicher. Einmal hat Hasebe einen Abschlag cool mit der Brust angenommen, den abspringenden Ball elegant über den Bielefelder gelupft und sauber nach vorn gepasst. Dafür gab es Szenenapplaus der wenigen Fans im Stadion.

Warum also meinen Trainer, auf Hasebe verzichten zu können? Das war ja teilweise auch unter Adi Hütter so, bis er es merkte. Trauen sie es Hasebe im hohen Fußball-Alter von 38 Jahren nicht mehr zu? Dagegen spricht, dass er hochprofessionell lebt, topfit ist und erneut vor einer Vertragsverlängerung steht. Zudem zeigt der Familienvater doch bei jedem seiner Einsätze, dass er locker mithalten kann mit Gegenspielern, die seine Söhne hätten sein können. Oder gehen die Trauner den Weg des geringsten Widerstandes, weil der alte Hase, ganz Profi, niemals lamentieren würde? Und es medial und unter Fans ein viel größeres Thema wäre, wenn Publikumsliebling Hinteregger draußen bliebe?

Fast kann man diesen Eindruck gewinnen. (Thomas Kilchenstein, Daniel Schmitt)

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