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Eintracht Frankfurt: Größter Ansturm aller Zeiten

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Von: Ingo Durstewitz

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Eintracht-Vorstand Axel Hellmann ist vor dem Finale der Europa League stolz auf den Siegeszug der Eintracht - und erwartet die eigenen Fans in Unterzahl gegen die der Rangers.

Frankfurt - Die Trikotfrage, also die Farbe des Jerseys, stand für Axel Hellmann nie zur Debatte. Natürlich wird Eintracht Frankfurt das mit Hochspannung erwartete Finale am Mittwoch (18. Mai) in Sevilla gegen die Glasgow Rangers ganz in Weiß bestreiten. Traditionell. Wie in allen großen Spielen. „Wir haben Europa in Weiß gerockt“, sagt der Vorstandssprecher. Noch dazu kommt: „In Spanien werden wir als Bestia Blanca betitelt.“ Die weiße Bestie also, angelehnt an die Bayern, die dort einst als „Bestia Negra“, die schwarze Bestie, gefürchtet waren. Was die Münchner damals oft genug mit Real Madrid veranstalteten, machten die Hessen erst kürzlich mit dem FC Barcelona, sie schlugen ihn nicht nur, sie demütigten ihn. „Diesen Titel haben wir uns jetzt in Europa geholt“, befindet Hellmann. Stolz schwingt in seiner Stimme mit.

In Frankfurt laufen die Vorbereitungen auf das größte Spiel seit fast einem halben Jahrhundert auf Hochtouren, der ganze Verein ist im Ausnahmezustand. „Das ist ein einmaliges Finale“, betont der Eintracht-Vorstand. „Das ist ein einzigartiges Zusammentreffen.“

Eintracht Frankfurt: Das Endspiel auch wegen des Gegners reizvoll

Es ist auch die Konstellation, die dieses Endspiel so besonders macht, der Gegner, dieser pulsierende Verein aus Glasgow. „In unserem Klub war es ein ewiger Traum, gegen die Rangers zu spielen“, sagt der Schottland-Fan. „Glasgow ist für uns ein Mythos.“ Das liegt an erster Linie an den beiden rauschenden Europapokalnächten 1960, als die Eintracht die Rangers zweimal in epischen Duellen bezwang, 6:1 und 6:3. Es folgte das Jahrhundertspiel im Finale gegen Real Madrid (3:7).

Voller Vorffreude aufs Finale: Vorstand Axel Hellmann.
Voller Vorffreude aufs Finale: Vorstand Axel Hellmann. © Ulrich Hufnagel/Imago Images

Aber es sind auch die Parallelen zwischen den Vereinen, die diesen speziellen Reiz ausmachen, die Haltung zum Fußball, die Sehnsucht, eine Rolle zu spielen in Europa und nicht nur eine Randfigur zu sein. Beide Klubs basieren auf einer mächtigen Fanszene, die Hellmann als „größte und gesangesträchtigste in Europa“ bezeichnet. Beide Fanlager eint die bedingungslose Hingabe, die Liebe zu ihrem Verein – und die Reiselust.

Eintracht Frankfurt: Sevilla erwartet mehr Schotten

Erstmals, sagt Hellmann, werden die Eintracht-Fans in der Unterzahl in der Stadt sein, er rechnet mit 40.000 bis 50.000 Menschen aus Frankfurt. Die Schotten legen noch eine Schippe drauf: Der Jurist geht, „konservativ geschätzt“, von 70.000, 80.000 Fans aus Glasgow aus. „Es wird ein Ansturm, den diese Stadt noch nie erlebt hat.“ Die Schotten seien in der Reisegestaltung kreativ. „Sie haben alle Fähren von Nordafrika aus gekapert“, sagt er lachend und erinnert an das Finale 2008, als die Rangers Zenit St. Petersburg mit 0:2 unterlagen. „Damals waren 200.000 Schotten in Manchester, die haben unter Brücken und auf Parkbänken geschlafen.“

Hellmann findet den Aufmarsch des Kontrahenten in Sevilla sehr sympathisch: „Die haben richtig Bock drauf, so was beeindruckt mich.“ Ausschreitungen erwartet der 50-Jährige nicht, eben aus der Historie heraus. „Beide fühlen sich freundschaftlich miteinander verbunden“, zudem seien die Rangers-Fans auch nicht als Krawallbrüder bekannt. „Wir erwarten keine Zwischenfälle.“

Eintracht Frankfurt: Die Begeisterung kennt keine Grenzen

Auch weil es vor Ort Möglichkeiten geben soll, die Partie im Freien zu verfolgen, also für jene, die keines der je 10.000 Tickets pro Verein erhalten haben. „Die Uefa arbeitet an einem Public Viewing, ich denke auch, dass das funktionieren wird, das ist der geschickteste Weg.“ Die Eintracht wird ein Fanfest auf dem großen, 50 000 Menschen fassenden Plaza San Sebastian organisieren, dort wird unter anderem die Frankfurter Kult-Metalband Tankard auftreten und die Hymne „Schwarz weiß wie Schnee“ intonieren.

Die Begeisterung in Frankfurt steuert konsequent auf ihren Höhepunkt zu. Für das Public Viewing im Waldstadion hätte die Eintracht auch 100.000 Tickets absetzen können, 50.000 Leute werden es am Ende, mehr geht nicht. Hellmann kann das alles kaum glauben. „Im Stadion findet kein Spiel statt, da steht eine Leinwand“, befindet er schmunzelnd. Auf dem Vorfeld des Stadions wird nun noch extra eine zusätzliche Leinwand aufgebaut, 5000, 6000 Menschen sollen dort noch auf ihre Kosten kommen. Der Hype um die Eintracht sei unbeschreiblich und nicht in Worte zu fassen. „Ich bin ja schon lange dabei, aber das habe ich in dieser Form noch nie erlebt.“

Eintracht Frankfurt: Bei Titelgewinn Empfang auf dem Römer

Sollte es klappen mit dem Titel, würde die Eintracht sich anderntags am frühen Abend auf dem Römer feiern lassen. Die Planungen laufen, Hochzeiten sind verschoben worden, 30 bis 40 Cabrios stehen bereit, um die Helden durch die City zu kutschieren. Die Stadt stünde dann vor einem Kollaps, verkehrstechnisch mit dem zusätzlichen Berufsverkehr sowieso. Aber auch emotional. Hellmann rechnet mit deutlich mehr Menschen als 2018 nach dem Pokaltriumph. Damals säumten 200.000 Menschen die Straßen.

Die Eintracht übriges legt Wert darauf, dass auch Gegner Glasgow einen Empfang in der Stadt plane. Die Römer-Anfrage habe demnach nichts mit dem Gefühl des sicheren Sieges oder einem Arroganzanfall zu tun. Logistisch, das ist klar, muss das ja alles organisiert werden. Im Falle einer Niederlage verzichtet die Eintracht übrigens auf den Empfang im Rathaus. „Man geht da hin, um Titel oder Aufstiege zu feiern. Sonst gibt es nur lange Gesichter und gequälte Reden“, findet Hellmann, stellt zwar klar, dass eine Finalniederlage extrem schmerzhaft wäre, aber die Europa-League-Saison dennoch eine grandiose sei. „Silber ist zwar doof, aber wir sind in zwölf ungeschlagenen Spielen ins Finale eingezogen. Es wäre eine überragende Runde und eine herausragende Leistung.“

Der Funktionär ist stolz auf den Siegeszug der Eintracht durch Europa, darauf, dass der Verein ein hervorragender Repräsentant der Bundesliga und Deutschlands ist, dass die ganze Republik die Daumen drückt, ja, dass irgendwie jeder so sein möchte wie Eintracht Frankfurt. „Wir sind jetzt in der Wahrnehmung in der Top List in Europa – wettbewerbsübergreifend.“ Denn die Eintracht habe es geschafft, Grenzen zu verschieben, „wir haben gezeigt, dass man auch aus unserer Position heraus Großes schaffen kann“. Hellmann, der den Umsatz aus den internationalen Spielen auf 22 bis 25 Millionen beziffert, glaubt, dass der Eintracht-Auftritt viele Nachahmer finden wird. „Das wird eine Wirkung haben auf die Liga, wir haben in der Europa League leuchtende Augen in der Bundesliga ausgelöst.“ (Ingo Durstewitz)

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