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Feiern kann der Mann auch: Gelson Fernandes (Mitte) im Kreis der Kollegen.

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Gelson Fernandes, der Sandstreuer

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Gelson Fernandes stört das gegnerische Spiel und sorgt bei Eintracht Frankfurt für Stabilität.

Sebastian Rode ist jetzt nicht gerade bekannt dafür, ohne Blessuren aus einem Spiel herauszukommen. Meist kriegt der unermüdliche Mittelfeldrenner von Eintracht Frankfurt dort einen Schlag ab, hier einen Tritt gegen’s Schienbein. Das gehört beim 28-Jährigen einfach dazu, und er wird deswegen seine Spielweise nicht ändern. Rode geht weiterhin in jeden Zweikampf, als wäre es der letzte, er kann ja gar nicht anders, und wenn er sein Spiel ändern würde, wäre er nicht mehr der Sebastian Rode. Zwei Wochen hat Rode wegen einer Knieprellung nicht spielen können, im Training hatte er mal wieder etwas abbekommen und doch Glück im Unglück gehabt: Der Schlag traf ihn zwar genau an der Stelle, wo vor einem halben Jahr ein Stück Knorpel abgebrochen war, dennoch war die Verletzung nicht weiter gravierend.

Kaum war Rode ins Mannschaftstraining zurückgekehrt, zog er sich erneut eine Verletzung zu: Am letzten Donnerstag erlitt er im Training, als er im Zweikampf mit der Hand am Trikot eines Gegenspielers hängengeblieben war, einen Bruch des linken Daumens. Am gestrigen Montag absolvierte er nur Lauftraining, er soll heute beim Üben eine Manschette tragen und schauen, ob er die Schmerzen tolerieren kann. Trainer Adi Hütter würde seinen Sechser schon liebend gerne am Donnerstag im zweiten Europa-League-Spiel bei Vitoria Guimaraes (21 Uhr/live bei Nitro) einsetzen. Auf einen wie Sebastian Rode können die Hessen in diesem ziemlich wichtigen Spiel eigentlich nur schwer verzichten – zumal ja Dominik Kohr (Gelb-Rot-Sperre) und Makoto Hasebe (Gehirnerschütterung) sicher ausfallen, und hinter den Einsätzen von David Abraham (Rücken) und Kevin Trapp (Schulterblessur) Fragezeichen stehen.

Eintracht Frankfurt mit Fernandes stabiler

„Der Seppl“, sagt Gelson Fernandes, „ist eine Maschine, ist ein Krieger. Er kann mit vielen Schmerzen spielen.“ Gelson Fernandes, der andere Sechser im Team der Hessen, spricht voller Hochachtung von seinem Kollegen. Dabei braucht der 33 Jahre alte frühere Schweizer Nationalspieler sein Licht derzeit auch nicht unter den Scheffel stellen, zumindest nicht, wenn es um Defensivarbeit geht und jene langen Wege nach hinten, die wehtun.

Vermutlich ist es kein Zufall, dass Eintracht Frankfurt zuletzt, also in den Partien gegen Borussia Dortmund und Union Berlin, mit Gelson Fernandes in der Anfangsformation wieder stabiler stand. „Nach hinten haben wir zu wenig gearbeitet, so konnten wir nicht auftreten“, berichtete Fernandes von den Schlüssen, die man aus den Videoanalysen der vergangenen Wochen gezogen habe. Löcher stopfen, Räume zulaufen, Kärrnerarbeit im Mittelfeld verrichten – das ist die Kernkompetenz des liebenswerten Fernandes, der auch noch die meisten Kilometer abspult. Zwölf Kilometer sind die Regel bei ihm. Fernandes ist einer, der Bälle klaut, der dazwischen fegt, hier eine Kugel ins Aus stochert, da einen gegnerischen Pass mit langem Bein unterbindet. Fernandes ist einer, der das Spiel des Gegners zerstören will, der seine Aufgabe darin sieht, nicklig und unangenehm zu sein, ein Wadenbeißer, ein Bremser. Solche Spieler braucht jede Mannschaft.

Eintracht Frankfurt baut auf Erfahrung

Gelson Fernandes hält den offensiver ausgerichteten Akteuren damit den Rücken frei, verrichtet klaglos Schmutzarbeit, damit die anderen glänzen können. Das sieht nicht immer besonders elegant aus, zuweilen muss Fernandes kräftig dazwischenfahren, Gelbe Karten sammelt er viele, aber der Zweck heiligt oft die Mittel. Kompliziert wird es nur, wenn der auf den kapverdischen Inseln geborene Fernandes den Ball erobert hat – fußballerisch ist der Mann arg limitiert, der Spielaufbau gehört wahrlich nicht zu seinen Stärken. Oft wirkt es so, als müsse sich Fernandes selbst für simple Fünf-Meter-Pässe enorm konzentrieren, oft verliert er den gewonnenen Ball gleich wieder, meist spielt er quer. Andererseits: Seitdem er in der Startelf steht, wirkt Eintracht Frankfurt deutlich gefestigter, stimmt die Balance im Mittelfeld, kommt der Gegner nicht mehr so leicht zu Großchancen. „Bei Gelson“, hebt Trainer Adi Hütter den Daumen, „weiß man, was man bekommt“. Solide Wertarbeit, schnörkellos und unprätentiös. „Er macht das einfach gut“, sagt der Coach. Häufig sei er der „Initiator, der mit seiner Präsenz“ dem Frankfurter Spiel gut tue. „Er lebt Mentalität vor. Mit seinem unbändigen Willen, die Zweikämpfe zu gewinnen, reißt er die anderen mit“, findet der Fußballlehrer.

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Gelson Fernandes ist darüber hinaus wegen seine empathischen, offenen Art zudem der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld. Dafür ist er prädestiniert, seine Vielsprachigkeit ist ein enormer Vorteil. Und die Mannschaft hört auf den 33-Jährigen, der während der Begegnungen ständig dirigiert und Anweisungen gibt. Dazu kommt seine immense Erfahrung, Fernandes hat in vielen Klubs und vielen Ländern gespielt, in der Schweiz, Italien, Frankreich, England in Portugal und eben in der Bundesliga. Und natürlich hat er, als einer der ganz wenigen, schon einmal gegen Vitoria Guimaraes gespielt. Damals, Mitte August 2012, trug er noch die Nummer 86 bei Sporting Lissabon, es war sein allererstes Spiel für den Hauptstadtklub, die Partie endete torlos. „Es war ein kleines Stadion“, erinnert er sich. Und er warnt die Kollegen schon einmal: „Das wird am Donnerstag kein einfaches Spiel.“ Vitoria Guimaraes, nicht gerade Stammgast auf der internationalen Bühne, möchte „die Europa League als Fenster“ nutzen, um sich zu präsentieren.

Aber um genau das zu verhindern, ist Gelson Fernandes dabei. Er ist der Sand, den die Eintracht ins portugiesische Getriebe streuen will.

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