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Sebastien Haller (r) von Frankfurt im Zweikampf mit Moussa Niakhate von Mainz.

Niederlage

Eintracht Frankfurt geht die Kraft aus

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Eintracht Frankfurt geht im Endspurt jetzt schon das dritte Mal in Folge die Kräfte aus, weshalb nicht weniger als eine ganze Saison auf dem Spiel steht. 

Auf den letzten Metern einer gleichermaßen aufregenden wie strapaziösen, im Grunde aber auch zu langen Saison, will Eintracht Frankfurt wieder unter sich bleiben. Trainer Adi Hütter schottet auch in dieser finalen Woche seine Mannschaft komplett von der Öffentlichkeit ab, übt und bereitet sich in aller Abgeschiedenheit auf die Partie beim FC Bayern München vor, den großen Showdown zum 50. Pflichtspiel, am nächsten Samstag.

Bislang freilich war der Nutzen dieser seit einiger Zeit praktizierten Geheimniskrämerei eher überschaubar - aus den letzten fünf Bundesligaspielen hamsterten die Frankfurter magere zwei Pünktchen, in den letzten neun Pflichtspielen gelang lediglich ein Sieg (2:0 gegen Benfica Lissabon), stattdessen ist das einstmals stolze Punktepolster abgeschmolzen, der Eintracht droht tatsächlich der tiefe Fall auf Platz acht. Der Erfolg frisst seine Kinder.

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Für jene, die das Glas indes als halbvoll betrachten, steht Eintracht Frankfurt weiterhin unmittelbar vor dem Einzug in die Champions League, ein klitzekleiner Punkt in München würde dazu genügen - falls Borussia Mönchengladbach (gegen Borussia Dortmund) und Bayer Leverkusen (bei Hertha BSC) ihre Spiele jeweils verlieren. Es ist ein echtes Endspiel im Wortsinne, „Endspiele können wir“, ist Marketing-Vorstand Axel Hellmann zuletzt nicht müde geworden zu sagen.

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Und gegen Bayern München haben die Hessen ja genau vor einem Jahr, am 19. Mai 2018, schon mal ein nicht unbedeutendes Spiel gewonnen. Da schließt sich der Kreis. Ein bisschen Zuversicht in diesen eher tristen Tagen kann sicherlich nicht schaden.

Eintracht Frankfurt hat über ihren Verhältnissen gelebt

Einerseits. Andererseits hat die sonntägliche Partie gegen den FSV Mainz (0:2) nur bestätigt, was seit einiger Zeit offenkundig ist: Die Mannschaft hat dieser strapaziösen, kräfteraubenden Runde Tribut zollen müssen, sie ist körperlich und mental nicht mehr auf der Höhe. Das ist eigentlich nur logisch angesichts der Dauerbelastung mit dem Tanz auf zwei Hochzeiten. In der Europa League, für Eintracht Frankfurt reine Festveranstaltungen, haben sich die Profis zuletzt noch einmal zu überragenden Willensleistungen zusammenreißen können, hatten etwa „die Weltklassemannschaft“ (Trainer Hütter) FC Chelsea am Rand einer Niederlage.

Da haben die Frankfurter sichtbar über ihre Verhältnisse gelebt, sie erkauften sich ihre deutschlandweit allenthalben gelobten europäischen Auftritte mit Pyrrhussiegen. Nun ist die Mannschaft platt, ausgelaugt, der Akku ist leer. Pikanterweise können jetzt - ausgeruhte - Teams an den Hessen vorbeiziehen, die in dieser Runde frühzeitig und nicht wenig ruhmvoll die europäische Bühne verließen: Leverkusen und Hoffenheim, Leipzig ist vorher schon durchgestartet.

Auf der Suche nach den Gründen für den Einbruch im Alltagsgeschäft steht natürlich die Reise durch Europa oben an. Sicher: Die Auftritte haben die Frankfurter lange, lange Zeit beflügelt, auch durch die Liga getragen, je länger der Klub freilich in diesem Wettbewerb verharrte, umso schwerer wurde es auch. Bis es nicht mehr ging. Erstaunlich ist dennoch auch dieser Trend: Es ist jetzt die dritte Saison nacheinander, in der Eintracht Frankfurt auf der Zielgerade einbricht, einerlei ob Niko Kovac oder Adi Hütter das Zepter schwangen: 2016/17 schafften sie in 15 Spielen lediglich einen Sieg, fielen von Platz drei am 19. Spieltag noch auf Platz elf. Im vergangenen Jahr sorgte nur ein Sieg in sieben Partie für den Absturz von Platz vier auf acht. In dieser Saison rangierte die Eintracht seit dem siebten Spieltag ununterbrochen auf einem Platz für Europa, am 32. Spieltag standen sie noch auf Rang vier. Stets rinnt ihnen am Ende vieles durch die Hände, reißen sie das vorher so mühsam Aufgebaute wieder ein.

Die Tormaschinerie von Eintracht Frankfurt stockt

Dabei kann man nicht behaupten, dass die Eintracht unter dramatischem Verletzungspech gelitten hatte. Allerdings fehlte in den wirklich wichtigen Phasen der entscheidende Spieler: Sebastien Haller, der mit einer mysteriösen Bauchmuskelverletzung sechs Wochen ausfiel. Der Ausfall des Zielspielers fiel gravierend ins Gewicht, weil auf ihn praktisch das komplette Spiel ausgerichtet war. Er war es, der im Zentrum die Bälle festmachte, damit die anderen nachrücken konnten, er war jener, der die langen Bälle in die Spitze verarbeitete. Ihn konnte keiner ersetzen.

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Die Eintracht änderte ihr Spielsystem aber auch dann nicht, als Haller nicht dabei war. Und damit verpuffte das meiste im Nirgendwo - plötzlich stotterte die Tormaschinerie - drei Treffer aus fünf Spielen sagt vieles. Immer ging es nur nach vorne, zu selten wurde mal auf den Ball getreten, wurde „intelligent“ (Hütter) Fußball gespielt. Sehr variabel hat sich das Frankfurter Spiel oft nicht präsentiert. Was auch nicht nötig war, solange es von Erfolg gekrönt war.

Auch die Umstellung in der Dreierkette sorgte nicht gerade für Stabilität. Die besten Spiele hat die Eintracht in der Besetzung Martin Hinteregger, Makoto Hasebe und Evan Ndika gemacht. Der junge Franzose ist Mitte der zweiten Halbserie ein wenig in Ungnade gefallen, wurde zuletzt gar nicht berücksichtigt. David Abraham, immer mal wieder angeschlagen, hat sich als nicht sonderlich formstark erwiesen. Und Makoto Hasebe ist im defensiven Mittelfeld schlicht verschenkt. Der Japaner prägt das Frankfurter Spiel als Libero, da ist er herausragend, weiter vorne beraubt man ihn seiner ureigenen Stärken.

Schließlich hat Trainer Hütter auch nicht in dem Maße rotieren können (oder wollen), wie es vielleicht angezeigt gewesen wäre. Er hat mehr oder weniger einem Kreis von 14, 15 Spielern vertraut, die fast durchspielen mussten. Er hat das in bester Absicht getan und würde das jederzeit wieder so machen, sagte er am Sonntag.

90 Minuten freilich haben die Frankfurter noch, 90 Minuten, die „eine tolle Saison vergolden“ können, wie Hütter hofft. Und wenn nicht? Wird sicherlich der eine oder andere Spieler, der Lust auf internationale Glanzlichter hat, ins Grübeln kommen. Ein Punkt nur könnte das verhindern und die Saison retten.

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