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Ein königlicher Kreislauf

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Von: Daniel Schmitt

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Die Alten machen bei Real Madrid die Jungen besser - und umgekehrt. Auf Eintracht Frankfurt kommt geballte Power zu.

Madrid – Sie sind ja jetzt doch schon eine ganze Weile mit dabei, diese alteingesessen und ultra-erfolgreichen Spieler von Real Madrid, das Gerüst dieser Mannschaft aus der spanischen Kapitale, Modric, Kroos, Benzema, Casemiro, Carvajal, Alaba. Aus der Ruhe lassen sich diese Jungs in den Dreißigern nun wirklich nicht mehr bringen. Eine Saisonvorbereitung zum Beispiel, total nervig, vor allem anstrengend, mehr als genug stecke da „in den Knochen“, wie Toni Kroos in seinem eigenen Podcast jüngst verriet, schocken aber könne diese sie nicht mehr. Dann laufen sie eben die Rasenplätze rauf und runter auf Anweisung ihres Chefs Carlo Ancelotti, mit Ball, ohne Ball, im heimischen Campus, in den USA. Ganz egal, gehört dazu, wird gemacht - der Spaß kommt später.

„Wir sind in der Vorbereitung immer richtig gut“, sagt Toni Kroos - er meint das ironisch. In der Tat nimmt sich Real Madrid in einer Frühphase einer Saison meist etwas Zeit zum Reinfinden. Es heißt, sich anfangs ein bisschen durchzuwurschteln, alsbald in Form zu kommen, um hinten heraus in der Saison nicht mehr zu stoppen zu sein - ein bewährtes Rezept. Der Champions-League-Triumph von Paris über den FC Liverpool (1:0) lässt grüßen. Wenn’s drauf ankommt, sind sie eben da.

Eintracht Frankfurt spielt in Köpfen keine Rolle

In den vergangenen Wochen kam es noch nicht drauf an, da betrieb die Mannschaft ganz im Sinne des Klubs in Übersee ein bisschen Werbung. Eine PR-Tour durch den Westen der USA, erst Las Vegas, dann San Francisco, zuletzt Los Angeles. Drei Testspiele, gegen den FC Barcelona (0:1), gegen Club America aus Mexiko (2:2), gegen Juventus Turin (2:0). Aussagekraft? Nun ja.

Die Besten der Besten: die Real-Profis mit dem Henkelpott.
Die Besten der Besten: die Real-Profis mit dem Henkelpott. © AFP

Auch der UEFA-Supercup am 10. August (21 Uhr/RTL) in Helsinki gegen den Europa-League-Sieger Eintracht Frankfurt soll eher im Vorbeigehen mitgenommen werden, die allerhöchste Konzentration liegt auf dem unbedeutenden Wettbewerb - zumindest aus Real-Sicht - nicht. Ein Testspiel nach der Rückkehr aus den USA gibt es jedenfalls nicht mehr.

Eintracht Frankfurt geht nicht als Favorit in das Spiel

Wie dem auch sei, natürlich sind die Madrilenen dennoch der klare Favorit in Finnland. Die Ergebnisse sprechen ja für sie: 2014 im europäischen Supercup ein 2:0 gegen den FC Sevilla, 2016 ein 3:2 nach Verlängerung gegen den FC Sevilla, 2017 ein 2:1 gegen Manchester United, lediglich 2018 verloren die Königlichen in jüngerer Vergangenheit nach Verlängerung gegen den Stadtrivalen Atletico. Eine Pleite gegen die Eintracht ist in königlichen Köpfen quasi undenkbar. Im Grunde spielt die Eintracht in diesen ohnehin keine Rolle.

Die Besten der Besten, und das sind Champions-League-Sieger nun mal, haben an ihrer Mannschaft in diesem Sommer kaum herumgewerkelt. Golfer Gareth Bale schlägt künftig in Los Angeles ab, neu kamen mit dem ablösefreien deutschen Nationalverteidiger Antonio Rüdiger (FC Chelsea) und dem jungen Mittelfeldmann Aurélien Tchouameni (80 Millionen Euro Ablöse von der AS Monaco) zwei Profis. Sie werden sich einreihen in die Riege der Herausforderer: Das mit einer Bärenruhe von Ancelotti geführte Team verfügt gefühlt über zwei Mannschaften, die zu einer verschmelzen: Die Jungen und die Alten, gemeinsam sind sie stark.

Real Madrid mit durchwachsener Vorbereitung vor dem Spiel gegen Eintracht Frankfurt

Da wären die anfangs benannten Stars um Karim Benzema, den vergangene Saison besten Mittelstürmer des Planeten, die Mittelfeldachse Casemiro, Kroos und Luka Modric. Sie schwingen sich noch immer auf, zu konstant ordentlichen und in speziellen Momenten auch sehr guten Leistungen. Warum? Weil sie sich mittlerweile Pausen gönnen können im Alltagsgeschäft - den Jungstars sei dank. Der Brasilianer Vinicius, 22, ist längst eine tragende Offensivsäule, sein Landsmann Rodrygo, 21, wird immer präsenter. Im Mittelfeld bilden die Franzosen Tchouameni, 22, und Eduardo Camavinga, 19, ein Doppel für die Zukunft, das schon im Hier und Jetzt Spiele alleine gewinnen kann.

Im Weltfußball gab es zuletzt keine abgezocktere Mannschaft als Real Madrid. Und der Weltklub scheint die Zeichen der Zeit erkannt zu haben und steuert mit seinen hungrigen Talenten auf weitere Erfolge zu. Womöglich auf einen im Uefa-Supercup. Miese Vorbereitung hin, wenig Training her. Sie kennen das nicht anders. (Daniel Schmitt)

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