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Der Eklat: Granit Xhaka lässt sich bei einer Auswechselung von den eigenen Fans provozieren. 

Fc Arsenal

Eintracht-Gegner Arsenal: Auf Granit gebissen

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Arsenal-Profi Xhaka verscherzt es sich mit den eigenen Fans und darf seitdem trotz sportlicher Krise des Klubs nicht mehr spielen. Die Zeichen stehen auf Trennung.

Als im Kybunpark von St. Gallen vor etwas mehr als einer Woche der Abpfiff ertönte, als der 1:0-Pflichterfolg der Schweizer Nationalmannschaft in der EM-Qualifikation gegen Georgien besiegelt war, pustete Granit Xhaka zwei-, dreimal kräftig durch. Allein stand der 82-fache Nationalspieler der Eidgenossen im Mittelkreis, die Hände in die Hüfte gestemmt, erst den Blick ernst auf den Rasen gerichtet, um kurz darauf sein Haupt lächelnd zu erheben. Da war jemand ganz schön geschafft, müde von den gerade absolvierten 90 Minuten – und gleichermaßen froh, diesen Tag ohne größere Vorfälle unbeschadet überstanden zu haben.

Nun waren Xhakas Durchpuster nicht nur der dünneren Luft im fast 700 Meter über dem Meeresspiegel gebauten Stadion, dem am höchsten gelegenen im Schweizer Profifußball, zurückzuführen, nein, viel eher hatten sie mit den vorangegangenen Wochen von Granit Xhaka zu tun, den kompliziertesten seiner Karriere. Der 27-jährige Mittelfeldspieler, der zwischen 2012 und 2016 auch für Borussia Mönchengladbach in der Bundesliga am Ball war, hat mächtig Ärger bei seinem aktuellen Arbeitgeber FC Arsenal. Bei den Londonern, die am Donnerstag (21 Uhr/RTL) am vorletzten Gruppenspieltag der Europa League die hessischen Fußballer von Eintracht Frankfurt empfangen, ist Xhaka in Ungnade gefallen. Nicht vordringlich wegen seiner Leistungen, die waren in der Regel relativ ordentlich und nicht unwesentlich besser oder schlechter als jene seiner Teamkollegen, sondern wegen einer Reaktion.

FC Arsenal: Trainer Emery in der Kritik

Im Premier-League-Heimspiel gegen Crystal Palace, in dem die Londoner bereits mit 2:0 geführt hatten und am Ende doch nur 2:2 spielten, wurde Xhaka eine halbe Stunde vor dem Ende von Trainer Unai Emery vom Rasen geholt – das Publikum buhte, zumindest hörbare Teile davon. Und Xhaka reagierte fatalerweise nicht nur mit abwertenden Handbewegungen in die Richtung der Anhängerschar und dem direkten Durchmarschieren in die Kabine, sondern auch mit einem deutlich den Lippen abzulesenden „Fuck off“. Das sollte man lieber nicht machen, also grundsätzlich, und war auch im Speziellen für Granit Xhaka nicht förderlich.

Seit diesem 27. Oktober nämlich hat er nicht mehr die Londoner gespielt, er stand nicht einmal mehr im Kader. Auch am Samstag beim 2:2 der Londoner gegen den FC Southampton nicht. Zwar erklärte und entschuldigte sich der Vater einer Tochter für sein Verhalten, demnach sei er zuvor über Wochen im Stadion und in sozialen Medien beleidigt und auch seine Familie bedroht worden. Die Buhrufe hätten dann nur „das Fass zum Überlaufen“ gebracht. Doch selbst Trainer Emery, der zurzeit in der Kritik steht und bei einem weiteren dürftigen Ergebnis wohl seinen Trainerstuhl räumen muss, stellte fest: „Xhaka war im Unrecht.“

Es nicht ausgeschlossen, dass Xhaka gegen die Eintracht spielt

Der coachende Baske entzog dem in Basel geborenen Schweizer Mittelfeldmann prompt die Kapitänsbinde, die er ihm erst im Sommer als Nachfolger von Laurent Koscielny überreicht hatte und verbannte seinen einstigen Führungsspieler zum Zuschauer. Granit Xhaka biss, zumindest bildlich formuliert, mit seiner Entschuldigung auf Granit und ist logischerweise nicht gerade erfreut ob seiner neuen Rolle. „Alle wissen, dass ich eine schwere Zeit hinter mir habe“, sagte Xhaka jüngst im Schweizer Fernsehen nach dem Länderspiel in St. Gallen, bei dem er ja endlich mal wieder über die volle Zeit mittun durfte: „Ich war froh, dass ich in den letzten Tagen bei der Nationalmannschaft sein durfte.“ Und weiter: „Ich habe eine klare Vorstellung davon, wie es weitergehen soll und der Verein weiß das auch. Ich habe zwar noch einen Vertrag bei Arsenal, aber ich bin froh, wenn ich zurück bin und wir die Sache endlich regeln können. Es wird eine Lösung geben, denn das, was passiert ist, kann ich nicht akzeptieren.“ Obwohl alles „abgehakt“ sei, fühlt sich Granit Xhaka im Stich gelassen. Nach Friede, Freude, Eierkuchen hört sich das nicht an, eher nach einem baldigen Vereinswechsel des dynamischen Mittelfeldmannes, der gerne aus der Tiefe des Raumes agiert – womöglich schon im Winter. Gerüchten zufolge soll Arsenal das Interesse hegen, Xhaka zu dessen Ex-Klub nach Gladbach zurückzutransferieren und stattdessen den 22-jährige Denis Zakaria, ebenfalls Schweizer Internationaler, von der Borussia für sich zu gewinnen.

Nun ist es trotz allem nicht ausgeschlossen, dass Xhaka am Donnerstag gegen die Eintracht auflaufen wird. Zum einen, weil Emery im europäischen Wettbewerb ja gerne mal seiner ersten Elf Erholungspausen gönnt, zum anderen, weil der Trainer schon vor dem Ligaduell gegen Southampton angab, mit Xhaka ein „sehr gutes Gespräch“ geführt zu haben. Emery weiter: „Mein Ziel ist sein Comeback, damit er uns helfen kann. Dann werden auch die Fans in naher oder ferner Zukunft stolz auf ihn sein.“

Pierre-Emerick Aubameyang ist neuer Kapitän

Was das Vernachlässigen von Xhaka für den Trainer so heikel macht, ist, dass es längst nicht die einzige Baustelle für ihn darstellt. Ohnehin erfüllt Arsenal unter Anleitung des Spaniers die Aufgaben nur mangelhaft. Tabellenplatz acht in der Liga, 19 Punkte Rückstand auf Spitzenreiter FC Liverpool und – fast noch schlimmer – acht Zähler auf den viertplatzierten FC Chelsea. Die Qualifikation für die Champions League, das erklärte Saisonziel, ist damit schon ein ganzes Stück weit entfernt.

Dazu gefällt der Spielstil dem sich nach feinen Ballzirkulationen sehnenden Publikum zu selten, basiert er doch hauptsächlich auf der Abschlussstärke der drei Topstürmer Pierre-Emerick Aubameyang (übrigens neuer Kapitän), Alexandre Lacazette und Nicolas Pepe – und neuerdings überraschenderweise auch wieder auf der Kreativität von Mesut Özil. Der zu Saisonbeginn noch kaum berücksichtigte ehemalige deutsche Nationalspieler stand im November gleich dreimal über die volle Spieldauer für Arsenal auf dem Rasen. Mittelfeldkonkurrent Granit Xhaka hatte sich ja schließlich selbst aus der Mannschaft geflucht.

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