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Als Verteidiger wertvoller als im Mittelfeld: Stefan Ilsanker (links), im Duell mit Thorgan Hazard. 

Heimspiel gegen FC Salzburg

Europa League: Eintracht ist gegen Salzburg gleich unter Druck

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Eintracht Frankfurt muss in der Europa League zu Hause gegen den FC Salzburg vorlegen, um im Rückspiel noch eine Chance zu haben. Kehrt Trainer Hütter zur Dreierkette zurück?

  • Eintracht Frankfurt trifft auf Salzburg
  • SGE muss im Hinspiel vorlagen
  • Taktikumstellung bei Eintracht Frankfurt denkbar

Frankfurt - Es hat eine Weile gedauert, ehe es in der Europa League so langsam interessant wird, zumindest für Fredi Bobic war das so. Die Gruppenphase, naja, „sie ist schön und nett, du hast deine garantierten Spiele“, sagte der Sportvorstand von Eintracht Frankfurt jetzt bei der Vergabe der Laureus Awards in Berlin. „Aber die K.o.-Phase ist das Spannende.“ Für ihn „geht der Europapokal jetzt erst richtig los“. Nun, da es um Hop oder Top geht, jeder kleine Fehler sofort bestraft wird und man eine klare Niederlage nur mit einem enormen Kraftakt korrigieren kann, bekommt sogar der mit allen Wassern gewaschene Fredi Bobic noch Gänsehaut in einem Stadion. Gut also, dass morgen wieder „Eintracht-Tag“ ist, wie Sportdirektor Bruno Hübner am Montag sagte. Das Flutlicht ist angeknipst in der Arena, die Bühne ist bereitet, internationales Flair wabert durch den Stadtwald, am Donnerstag (18.55 Uhr/live in Dazn) will Eintracht Frankfurt weiter fleißig an ihrem Europapokalkapitel schreiben. Der FC Salzburg, der nur in diesem Wettbewerb so heißt, weil die Uefa Sponsorennamen (Red Bull) nicht duldet, ist die hohe Hürde, die die Hessen überspringen müssen.

Eintracht Frankfurt: Es steht viel auf dem Spiel

Es steht viel für die Eintracht auf dem Spiel bei dieser ersten Begegnung. Es geht insbesondere darum, sich ein kleines Polster zu verschaffen für das Rückspiel in einer Woche am 27. Februar. Die Eintracht muss vorlegen, ein klarer Sieg und möglichst zu Null wäre natürlich nett, denn in der Ferne tun sich die Frankfurter in dieser Saison so unglaublich schwer. In der Liga sind sie die drittschlechteste Auswärtsmannschaft, auch in diesem Jahr 2020, das eigentlich nicht schlecht verläuft, haben sich die Hessen sowohl in Düsseldorf als auch in Dortmund von ihrer denkbar schlechtesten Seite gezeigt. International immerhin sieht die Bilanz besser aus: In London gegen den FC Arsenal (2:1) und in Guimaraes (1:0) konnten die Hessen Siege erringen.

Und doch ist es nicht unbedingt von Vorteil, im ersten der beiden Entscheidungsspiele zuerst zu Hause spielen und vorlegen zu müssen. Aber auch das hat sich der Klub selbst zuzuschreiben: Hätte die Eintracht nur ihr letztes Gruppenspiel gegen den Letzten Vitoria Guimaraes gewonnen, wären sie Gruppenerster geworden, hätten eine halbe Million Euro mehr auf dem Konto und vor allem im ersten K.o.-Spiel zunächst auswärts antreten können.

Für das Erreichen des Achtelfinales winken der Eintracht 1,1 Millionen Euro von der Uefa. Bisher hat der Klub aus diesem Wettbewerb 6,17 Millionen Euro vom europäischen Verband erhalten - 2,92 Millionen Euro als Startprämie, 1,71 Millionen Euro an Prämie für drei Siege, zudem 500 000 Euro für den zweiten Gruppenplatz und nochmals diese Summe für das Erreichen des Sechzehntelfinales. Und 540 000 Euro gab es an Solidaritätszahlungen für die Spiele in den Qualifikationsrunden im Sommer. Dazu kommen noch Zuschauereinnahmen und erkleckliche Zahlungen aus dem Marketingpool. Der Europapokal ist also weiterhin lukrativ, keiner wüsste das besser als die Frankfurter Eintracht, die, wie berichtet, im vergangenen Jahr 44 Millionen Euro eingenommen und einen Reingewinn von 20 Millionen erwirtschaftet hat. Das zu toppen, dürfte in dieser Runde schwerer fallen.

Eintracht Frankfurt: Aufgabe gegen Salzburg ist ambitioniert

Rein sportlich ist die Aufgabe gegen den FC Salzburg ambitioniert, der bis 2018 das Kunststück schaffte, elfmal hintereinander an der Qualifikation zur Champions League zu scheitern, sogar gegen Gegner wie Düdelingen oder Maccabi Haifa. Auch Bobic hat trotz des personellen Aderlasses bei den Österreichern im Winter warnend den Finger gehobenen: „Sie haben viele gute Spieler, die nachgerückt sind. Es ist eine sehr starke, gute Mannschaft“, mit einem eher unkonventionellen Trainer Jesse Marsch (siehe unterstehender Bericht) und flinken, wendigen, blutjungen Stürmern.

Eintracht Frankfurt wird „ein anderes Gesicht“ zeigen müssen als zuletzt. Und der Frankfurter Trainer Adi Hütter wird nicht umhin kommen, mehr fußballerische Qualität auf den Rasen zu bringen - ohne dabei, und das ist das Komplizierte, an Stabilität und Kompaktheit einzubüßen. Die Hessen werden sich stärker aktiv um die Spielgestaltung bemühen müssen, werden agieren und das Heft des Handelns in die Hand nehmen müssen. Dazu bedarf es aber Profis, die mit dem Ball am Fuß etwas anfangen können, die Ideen haben, kreativ nach vorne spielen können. Ein Makoto Hasebe oder auch ein Daichi Kamada in der Form der Vorrunde würden da schon enorm weiterhelfen. Mijat Gacinovic, ohnehin am Montag erkrankt, allein ist mit der Spielgestaltung überfordert.

Eintracht Frankfurt: Umstellung der Taktik möglich

Denkbar ist freilich auch, dass Hütter wieder auf eine Dreierabwehrkette zurückgreift. Mit dieser taktischen Variante hatte die Eintracht bald eineinhalb Jahre durchaus Erfolg. Dies hätte den großen Vorteil, einen spielstarken Mann mehr im Mittelfeld aufbieten zu können. Zweiter Vorteil: Hasebe, der die Rolle des Liberos nach den Worten von Hübner „brillant“ ausübt, könnte von hinten heraus Struktur in das Frankfurter Spiel bringen. Dazu bietet dieses Konzept Hütter die Möglichkeit, wieder zwei Spitzen zu nominieren, um den Gegner verstärkt unter Druck zu setzen. Und Filip Kostic müsste seinen linken Flügel in alter Frische bearbeiten.

Umbauen wird der österreichische Fußballtrainer seine Innenverteidigung, so oder so. Martin Hinteregger ist nach drei Gelben Karten gesperrt, für ihn dürfte Landsmann Stefan Ilsanker neben David Abraham verteidigen. Der Neuzugang aus Leipzig, der sieben Jahre lang in Salzburg spielte und auf diese Begegnung gegen die alten Kumpel brennt, hat sich auf dieser Position im Spiel gegen den FC Augsburg ausgesprochen gut und stabil präsentiert - jedenfalls deutlich stärker als im defensiven Mittelfeld bei den Auswärtspartien in Düsseldorf und Dortmund.

Von Thomas Kilchenstein

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