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Will bei der Eintracht wieder wichtig werden: Mijat Gacinovic.

Heimspiel

Eintracht Frankfurt gegen die Werkself: Sieger gesucht

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Wenn Eintracht Frankfurt auf Bayer Leverkusen trifft, ist das Spektakel nicht weit. Wahrscheinlich wird Mijat Gacinovic für Daichi Kamada in die Startelf rücken. 

Der Frankfurter Fußballlehrer Adi Hütter ist nicht bekannt dafür, über unverrückbare Umstände zu lamentieren oder sie zu beklagen. Verkauf der drei Ballermänner, verletzte Leistungsträger, übermäßige Beanspruchungen der Herren Fußballer durch europäische und also Englische Wochen? Na und? Ist halt so, kann man nicht ändern, kein Grund zum Jammern. Auch vor dem fälligen Bundesligaheimspiel am Freitag gegen Bayer 04 Leverkusen (20.30 Uhr) käme dem Eintracht-Coach nicht in den Sinn, die arg zerpflückte Vorbereitung in den Vordergrund zu schieben.

Eintracht Frankfurt mit dezimiertem Aufgebot

Dabei steckt der 49-Jährige sehr wohl in einem Dilemma, das er als Bundesligatrainer zwar nicht exklusiv hat, das ein harmonisches und schnelles Zusammenwachsen der neuen Mannschaft aber erschwert: das Fehlen eines geregelten Trainingsbetriebs.

Es gibt kaum eine Woche, in der Hütter mal seinen kompletten Kader beieinander hat, ohne auf anstehende Partien achten zu müssen. Das bringt die Teilnahme am Europapokal so mit sich, der Ablauf ist immer ähnlich: Spiel, Regeneration, Nachbereitung, Vorbereitung, Spiel. Zeit, um im Training am Feintuning zu arbeiten und Automatismen einzuschleifen, bleibt da kaum. „Die Schwierigkeit ist, dass wir selten gemeinsam trainieren können“, sagte Hütter nüchtern.

Und wenn die Bundesliga mal pausiert, weil Länderspiele anstehen, dann ist das Aufgebot ebenfalls so dezimiert, dass taktisch hochwertige Einheiten mit dem gesamten Personal nicht drin sind. In dieser Woche waren die Reisen einiger Spieler happig, so verschlug es Stürmer André Silva mit Portugal in die Ukraine (bei der 1:2-Niederlage 90 Minuten auf der Bank), Mijat Gacinovic und Filip Kostic mussten beim 2:1 Serbiens in Litauen antreten, und der Japaner Daichi Kamada spielte erst gegen die Mongolei (ein Tor beim 6:0-Sieg) und gestern in Tadschikistan (3:0). Da kommen ein paar Flugkilometer zusammen. Kamada wird erst heute Nachmittag in Frankfurt zurückerwartet – inklusive Jetlag. Die Mannschaft wird also seit dem letzten Spiel gegen Werder Bremen zum ersten und einzigen Male dann komplett sein, wenn der Coach am Donnerstag zum Abschlusstraining bittet. Optimal ist das nicht.

Eintracht Frankfurt gegen Leverkusen: Böse Erinnerungen

Interessant dürfte sein, mit welcher Marschroute Adi Hütter seine Elf in das Aufeinandertreffen mit Bayer Leverkusen schicken wird. Die Werkself befindet sich in der Liga im Aufwind, zuletzt gab es ein 1:1 in Leipzig, davor Siege gegen Augsburg (3:0) und Union Berlin (2:0). Die Erinnerung an die letzte Partie in Leverkusen ist noch frisch, Anfang Mai setzte es eine spektakuläre 1:6-Klatsche – wobei das Endresultat bereits nach 36 Minuten Bestand hatte. Hätte Bayer 04 nicht auf die Bremse getreten und den eigenen Rausch gedimmt, die Eintracht hätte auch zweistellig unter die Räder kommen können.

Andererseits ist es so, dass die Partien in Frankfurt stets offen waren, kurioserweise wechselten sich die Sieger oft ab, auf einen Leverkusener Erfolg folgte in der Saison darauf nicht selten ein Dreier für Frankfurt. Oder umgekehrt. In diesem Fall wäre Leverkusen dran, in der vergangenen Spielzeit kam die Eintracht in einem mitreißenden Duell zu einem 2:1. Interessant: Das letzte Unentschieden im Stadtwald liegt eine halbe Ewigkeit zurück, vor mehr als zwei Jahrzehnten gab es ein 1:1, das war im März 1996, zwei Monate später war die Eintracht erstmals in ihrer Vereinsgeschichte abgestiegen.

Mijat Gacinovic könnte für die SGE am Freitag wichtig sein

Aktuell wird es für die Hessen darum gehen, den fußballerisch starken Gästen die Lust am Spiel zu rauben, sie zu nerven und zu piesacken. Respekt hat Bayer, es ist kein Geheimnis, dass der in Hanau geborene Sportchef Rudi Völler die Gastspiele unweit seiner alten Heimat als wenig angenehm empfindet.

Ein allzu laxes Zweikampfverhalten und die Freigabe zu vieler Räume könnte den Frankfurtern allerdings teuer zu stehen kommen, denn jeder weiß, dass die Bayer-Lawine nur schwerlich zu stoppen ist, wenn sie einmal Fahrt aufgenommen hat. Insofern wäre es sogar eine Überlegung, den zuletzt in den Hintergrund gerückten Mijat Gacinovic wieder einzubauen. Der Serbe hat seine Adduktorenprobleme überwunden, für die Nationalelf stand er beim 1:0 in Paraguay 90 Minuten auf dem Platz, und am Montag half er mit, den 2:1-Sieg in Litauen einzutüten und die EM-Chance am Leben zu halten.

Gacinovic wurde für den recht matten Vereinskameraden Kostic zur zweiten Halbzeit eingewechselt und zeigte eine gute, engagierte Leistung. Der oft so übermotiviert und zappelig wirkende 24-Jährige könnte gerade mit seiner Stärke im Pressing und Attackieren wichtig sein und für Daichi Kamada auflaufen, der zwar fußballerisch ruhiger und gewitzter ist, aber seine Stärken nicht im Ballerobern hat. Und genügend Reisekilometer hat der Japaner überdies in den Knochen.

Von Ingo Durstewitz

Definitiv nicht dabei gegen Leverkusen wird Nicolai Müller sein. Dem Flügelstürmer fehlte zuletzt jegliche sportliche Perspektive bei Eintracht Frankfurt. Jetzt teilte der Verein mit: Müller wechselt nach Australien

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