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Leipzigs Stefan Ilsanker (r) und Frankfurts Martin Hinteregger stehen nach dem Spiel zusammen.

Bundesliga

Eintracht gegen Leipzig: 0:0 gewonnen

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Mit einem blauen Auge ist Eintracht Frankfurt bei RB Leipzig davon gekommen. Die Sachsen waren beim 0:0 das klar bessere Team.

Mijat Gacinovic hatte es auf dem Fuß gehabt, er hätte der Held des Nachmittags werden können, ach was: müssen. Sehr viel freier kann man als Profi nicht mehr vor dem Tor stehen, so eine Möglichkeit muss ein Berufsfußballer nutzen, der schmächtige Serbe, erst ein halbe Stunde im Spiel, hätte das Spiel entscheiden und auf den Kopf stellen können, ein, zwei Minuten vor dem Ende. Doch Mijat Gacinovic schoss die Kugel aus halblinker Position ans Außennetz, warum auch immer, die ganze lange Ecke war frei, es hätte ein Kinderspiel sein können, dieses Tor zu erzielen, mit der rechten Innenseite zum Beispiel oder auch feste drauf mit der Pike. Luka Jovic etwa hätte diesen Ball im Tor versenkt, ganz sicher, vermutlich auch in Straßenschuhen – und dass obwohl dem besten Torschützen in den vorangegangenen 88 Minuten nichts, aber auch gar nichts gelungen war. Aber Jovic ist nicht Gacinovic, der Ball verfing sich im Netz neben dem Tor, die allerbeste aller eineinhalb Frankfurter Torchancen war damit vergeben.

Ein „sehr intensives Fußballspiel“, so die beiden Trainer Adi Hütter (Frankfurt) und Ralf Rangnick (Leipzig) unisono, endete torlos, auch das ist eigentlich ein Treppenwitz angesichts des stürmenden Potenzials, über das beide Klubs verfügen.

Ein Frankfurter Sieg, wiewohl möglich, wäre natürlich komplett unverdient gewesen. Auch darüber gab es keine zwei Meinungen, wirklich nicht. RB Leipzig, obwohl Mitte der Woche noch im Pokal am Ball, war „die bessere Mannschaft“, wie Hütter wie selbstverständlich einräumte, Leipzig hatte viel, sehr viel mehr vom Spiel und die deutlich klareren Torchancen. Etwa bei einem Kopfball von Timo Werner (61.), der hauchzart am langen Pfosten vorbeistrich und den nicht nur der dieses Mal sehr fahrig wirkende Torhüter Kevin Trapp schon im Tor gesehen hatte. Oder bei einem weiteren Kopfball, diesmal von Marcel Halstenberg (51.), bei dem sich Trapp komplett verrechnet hatte, oder bei einem Hakentrick von Willi Orban (60.), den Gelson Fernandes im letzten Moment von der Linie köpfte, oder bei einem Fernschuss von Marcel Sabitzer (67.), der an den Pfosten prallte und dann an Trapps Schulter, aber nicht ins Tor. Und das waren nur die besten Leipziger Gelegenheiten.

Klebrige Sache: Die Ballhorn-Kolumne zum Spiel

Mit dem Ergebnis konnte deshalb Adi Hütter und die Frankfurter Entourage bestens leben. Die Hessen haben ihren fünften Tabellenplatz verteidigt und bereits gegen das zweite Schwergewicht, nach Borussia Dortmund, nicht verloren. „Ein guter Punkt“ sei das, sagte Fernandes, „ein glücklicher“, ergänzte Trapp, der am Montag bei der Geburtstagsfeier seines ehemaligen Mitspielers Neymar in Paris weilte und leicht erkältet in die Partie ging. „Mit der Leistung kann ich nicht zufrieden sein“, sagte Hütter, „auch das Spielerische hat mir nicht gefallen.“

Eintracht versucht Glück mit langen Bällen

Aber zu einem Gutteil war das blanke Absicht. „Nur mit Fußball spielen“ komme man gegen RB Leipzig nicht durch, argumentierte der Fußballlehrer, der viel Wert darauf gelegt hatte, dass die Bälle „nicht in die gefährliche Zone“ gespielt würden, sprich ins Mittelfeld. Auf diese Bälle hätten die Sachsen nur gelauert und „dann überrollt uns Leipzig“. Deshalb habe man sich entschlossen, sein Glück in langen Schlägen zu suchen und auf die berühmten zweiten Bälle zu gehen.

„Das war kein schönes Spiel“, sagte Trapp, aber effektiv. Rechtsverteidiger Danny da Costa fand, dass man „sehr, sehr, sehr viele lange Bälle“ gespielt habe, „das sah nicht nach einem geregelten Spielaufbau aus“. Irgendwie kam auch nie ein halbwegs vernünftiges Fußballspiel zustande wegen des „ganzen Stresses und des Drucks“, den die Gastgeber entwickelt hätten. Immerhin habe die Eintracht dagegen gehalten „mit Teamspirit und als Mannschaft geschlossen“, sagte Fernandes, der bereits seine siebte Gelbe Karte gesehen hatte.

Im Grunde hat an diesem Samstag allein die Defensive den Punkt gewonnen: Martin Hinteregger, Evan Ndicka, der wieder alle überragende und trotz aller Defensivarbeit so unendlich elegant spielende Makoto Hasebe und Gelson Fernandes zählten ganz klar zu den herausragenden Spielern, die sich immer wieder den einschussbereiten Leipzigern in die Quere stellten. Die Abwehr war bärenstark, ihr allein war es zu verdanken, dass Kevin Trapp endlich mal wieder eine weiße Weste behielt. Sebastian Rode musste wegen beginnender Krämpfe vorzeitig ausgewechselt werden. „Er wollte raus“, sagte Hütter.

Dagegen war der so viel gerühmte Sturm mit dem magischen Dreieck Luka Jovic, Ante Rebic und Sebastien Haller eine einzige Enttäuschung. Gerade Rebic und Jovic missriet vieles, dazu zeigten sie eine Körpersprache, die fatal an Lustlosigkeit erinnerte, sie standen viel, gingen Bällen nicht nach, waren komplett ungefährlich. Auch Haller wirkte müde, überspielt. „Das hat mir auch nicht super gefallen, wie sie sich verhalten haben“, deckelte Hütter seinen Paradesturm leicht. Allerdings stellten sich die Gegner auch immer besser auf die Drei ein, gerade Leipzig hätte sehr bissig und aggressiv verteidigt.

Nur einmal nicht: Da steckte Haller in seiner besten Szene des Spiels eine Minute vor Ultimo die Kugel gekonnt durch, doch Mijat Gacinovic wusste mit diesem Geschenk nichts anzufangen.

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