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Youngster-Duo: Sebastiaan Bornauw und Noah Katterbach.

Eintracht-Gegner Köln

Eintracht-Gegner Köln: Auf der Flucht nach vorne

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Der 1. FC Köln steckt in der Krise und vertraut gegen Eintracht Frankfurt wohl auch den jungen Wilden.

Wie sehr doch ein einziger Sieg die Stimmungslage verändern kann. Als am Sonntagmorgen der 1. FC Köln über seine Social-Media-Kanäle seine leidgeprüfte Anhängerschaft begrüßte, füllten sich die Kommentarspalten alsbald. Aber nicht mehr Spott und Häme, sondern Freude und Erleichterung breiteten sich aus. Als sei dem Effzeh das Christkind erschienen. „Alle gut geschlafen? Ich habe Bombe geschlafen“, schrieb „fabrice0401“ via Instagram. Und „Klappstuhltill“ ließ sogleich wissen, dass er sich nochmal vier Punkten vor Weihnachten wünsche.

In Köln überwog die Skepsis

Wenn nicht jetzt, wann sind dann solche Wünsche erlaubt? Schließlich postete der Klub selbst Bilder von Trainer Markus Gisdol, der voller Energie die Fäuste ballte. Der emotionale Ausbruch bei einem mit viel Skepsis empfangenen Fußballlehrer war nach dem 2:0-Derbysieg gegen Bayer Leverkusen nur allzu verständlich: Als Gisdol gemeinsam mit Horst Heldt als neues Führungsduo präsentiert wurde, war ihnen die Freude anzusehen, gleichzeitig die Skepsis in der Domstadt mit Händen zu greifen.

Und weil die Kölner sich danach bereitwillig bei RB Leipzig (1:4) ergaben, gegen den FC Augsburg (1:1) noch Glück hatten und dann bei Union Berlin (0:2) eine unterirdische Leistung hinlegten, schien sich schon Endzeitstimmung auszubreiten. Nun aber ist vor dem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt (Mittwoch 20.30 Uhr) und dem abschließenden Heimspiel gegen Werder Bremen (Samstag 15.30 Uhr) die Hoffnung zurück. Wie ein Befreiungsschlag die Gemütslage verändert, dafür ist der leicht zu erregende Standort Köln ein gutes Beispiel.

Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln: Selbstvertrauen beim Gast

„Drei Punkte durch einen Derbysieg zu Beginn einer Englischen Woche sind super. Das gibt uns Selbstvertrauen für Mittwoch“, sagte Dominick Drexler mit Blick auf das Spiel bei Eintracht Frankfurt: „Es war unheimlich guter Teamspirit. Das müssen wir beibehalten.“ Abwehrchef Rafael Czichos forderte auch im Duell bei den Hessen vollen Einsatz. „Da müssen wir mit der gleichen Intensität auftreten, genauso in die Zweikämpfe fliegen wie gegen Leverkusen“, sagte der 29-Jährige: „Dann kann es etwas werden. Geben wir zwei Prozent weniger, sieht das anders aus.“

Es entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie, dass der Aufsteiger aus der Not eine Tugend gemacht hat. Nachdem alle Stabilisierungsversuche mit der älteren Gerade missrieten, hat sich Gisdol in höchster Not an die Jugend erinnert. Der 50-Jährige warf erfahrene Akteure wie Florian Kainz aus dem Kader, Marco Höger und Birger Verstraete aus der Startelf, setzte neben dem zuletzt wilden Kingsley Ehizibue auf Talent: Jan Thielmann, das erst 17-jährige Juwel von der Mosel, durfte gegen die Werkself stürmen.

Noah Katterbach (18) und Ismail Jakobs (20) bildeten eine linke Seite voller jugendlicher Unbekümmertheit. Gerade der nicht volljährige Thielmann holte sich ein Sonderlob vom Cheftrainer ab: „Er hat sich im Training richtig reingehängt und die Position hat für ihn gut gepasst.“ Eine Maßnahme, die auch in der Mannschaft offenbar gut angekommen ist.

Viel Mut von Gisdol

„Ich sehe die Jungs jeden Tag im Training. Sie tun alles dafür, Bundesliga zu spielen. Mit den Drei haben wir eine sehr starke Bundesliga-Mannschaft geschlagen – so schlecht können sie also nicht sein“, sagte Czichos anerkennend. Mit den Frischlingen legten auch die Routiniers ihre Selbstzweifel ab – auf einmal wurden Ruhe und Abgeklärtheit zum Trumpf. Der Mut des Trainers hatte sich auf die Spieler übertragen, und jetzt dürfte es im Frankfurter Stadtwald darum gehen, genauso engagiert in die Zweikämpfe zu gehen.

Eintracht Frankfurt gegen den 1. FC Köln: Das Spiel im Liveticker

Zuvor hatten die Kölner die bescheidenste Laufleistung der Liga aufgewiesen. „Nachholbedarf“ in Sachen Einsatzbereitschaft hatte Gisdol nach der Pleite an der Alten Försterei angemahnt. Der Mann mag beim rheinischen Publikum noch viele Siege einfahren müssen, ehe er sich Respekt verschafft, aber intern wird sein pragmatischer Ansatz sehr wohl gelobt.

Junge Kräfte wie Thielmann, Katterbach oder Jakobs hätten zudem den Vorteil, betonte Kapitän Jonas Hector, „dass sie nicht so verkopft sind wie einige andere“. Jakobs sagte: „Dass wir zu Null gewonnen haben ist wichtig für die Viererkette und ein Erfolgserlebnis. Die drei Punkte geben uns Selbstbewusstsein und das brauchen wir in den nächsten zwei Spielen.“ Denn nach einem Sieg ist beim 1. FC Köln noch nicht wieder alles gut, wie „muth1052“ anmerkte, der in „heiterer Gelassenheit abwarten“ empfahl. Denn: „Nach dem Sieg in Freiburg waren wir gefühlt und gehypt auch schon fast Deutscher Meister.“

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