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Eintracht gegen Köln: Das Duell der Aggressiven

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Von: Daniel Schmitt

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Neuer Rechtsverteidiger? Kristijan Jakic (re.) soll dort im Training ausprobiert worden sein.
Neuer Rechtsverteidiger? Kristijan Jakic (r.) soll dort im Training ausprobiert worden sein. © Imago

Eintracht-Trainer Oliver Glasner fordert vor dem Heimspiel gegen Köln mehr „Schärfe“ von seinem Team und ist mit sich selbst unzufrieden.

Frankfurt – Natürlich hielt sich Oliver Glasner bedeckt am Freitagmittag, als auf ihn die Fragen der neugierigen Pressevertreter:innen niederprasselten, sonst hätte die Übungswoche unter Ausschluss der Öffentlichkeit ja auch wirklich wenig gebracht. Wie er, der Trainer von Fußball-Bundesligist Eintracht Frankfurt, denn gedenke aufzustellen, wurde Glasner gefragt. Schafft es Neuzugang Luca Pellegrini etwa direkt in die Startelf? Darf Turbolader Randal Kolo Muani erneut von Anfang an stürmen? Wird am Sonntag (15.30 Uhr/Dazn) weiterhin mit einer Dreierkette verteidigt oder doch eher mit vier Abwehrleuten? Oliver Glasner antwortete zwar freundlich, das ist er immer, aber doch unkonkret. Überraschen will er die Leute, die Medien, die Fans, vor allem den Gegner vom Geißbockheim. „Wir haben ein paar Sachen ausprobiert, dafür ist das Training auch da“, sagt Glasner, das Ergebnis „werdet ihr dann alle sehen.“

So wird sich erst am Sonntag eine knappe Stunde vor dem Anpfiff offenbaren, ob der Frankfurter Fußballlehrer versucht, den bisherigen Weg weiterzugehen, jenen, der auf draufgängerischen Außenspielern beruht, die ihre Seiten als Solisten beackern müssen. Ob dadurch in hinterster Linie weiterhin die Dreierreihe bestehen bleibt, ob also lediglich der erfahrene Makoto Hasebe für den mit einer Sehnenverletzung im Oberschenkel für die kommenden zwei Monate ausfallenden Almamy Touré ins Team rückt und dadurch der junge Tuta nach rechts verdrängt wird. Oder ob sich vier Mann vor Torwart Kevin Trapp aufreihen.

Könnten in diesem System Tuta und Evan Ndicka eine zwar junge, aber stämmige Innenabwehr bilden, zudem Pellegrini sein Debüt auf angestammter Linksverteidigerposition geben, ist die Besetzung von dessen Pendant auf rechts die größte Hürde: Timothy Chandler genügt nicht höchsten Ansprüchen, auch einigen darunter wohl nicht mehr. Ansgar Knauff und Faride Alidou haben viel Vorwärtsdrang, aber bisher kaum Expertise für Defensivarbeit nachgewiesen. Womöglich zieht Glasner gar eine Überraschung aus dem Trainerhut: In der Übungswoche jedenfalls soll er unter anderem den defensiven Mittelfeldspieler Kristijan Jakic hinten rechts ausprobiert haben. Bissig im Zweikampf und unangenehm für die Gegenspieler ist der Kroate allemal. Könnte einen Versuch wert sein.

Eintracht Frankfurt: Rückendeckung für Mario Götze

Ganz grundsätzlich hält Oliver Glasner die Systemdebatte für zweitrangig, wesentlich wichtiger seien die Verhaltensweisen der Spieler. „Wir müssen wieder schärfer werden, konsequenter im Defensivverhalten. Damit bin ich nicht zufrieden.“ Der Österreicher nannte die These belegende Zahlen: Hatte die Eintracht unter dem Glasner-Vorgänger Adi Hütter im Schnitt noch 1,6 Gegentore pro Spiel bekommen, waren es vergangene Saison etwa 1,3. Nach vier Pflichtspielen und neun Gegentreffern, darunter das 1:6-Fiasko gegen den FC Bayern, liegt der Wert aktuell bei 2,25. „Deswegen bin ich auch mit meiner Arbeit unzufrieden“, so Glasner. Zuvor sei es ihm bei anderen Vereinen stets gelungen, den Wert unter Eins zu drücken. „Ich bin punkte- und leistungsmäßig in der Bundesliga bisher nicht zufrieden“, sagt Glasner.

Doch ob nun eine Dreier- oder Viererreihe hinten stehe, „damit erfinden wir den Fußball nicht neu. Die Männchen kannst du immer hin- und herschieben.“ Vielmehr gehe es darum, vorne die nötige Power aufs Feld zu bekommen und hinten die zuletzt relativ offenen Räume effektiver zu schließen. „Wir möchten unsere formstärksten Spieler auf dem Platz haben“, sagt Glasner.

Zu denen zählt Mario Götze derzeit eher nicht, dennoch dürfte der 30-Jährige am Sonntag starten. Der Grund: Daichi Kamada, die zweite Kreativkraft, ist erkältet, sein Einsatz fraglich. Götze bekommt von Glasner darob den Rücken gestärkt, für den Hype um seine Person könne dieser schließlich nichts. Er, Glasner, habe ihm, Götze, gesagt, dass er nicht jedes Spiel für die Eintracht alleine entscheiden müsse, aber Götze könne eben ein wichtiger Teil des Teams sein. „Mario macht das super“, findet Glasner.

Eintracht Frankfurt: Weitere Neuzugänge in Arbeit

Vom Kölner Fußball verschaffte sich der Coach derweil am Donnerstag in deren Conference-League-Qualispiel vor Ort im Stadion einen Eindruck. Er war trotz der Niederlage angetan. „Sie haben eine sehr aggressive Mannschaft, die aggressiv den gegnerischen Strafraum attackiert.“ Das sei Risiko und Chance zugleich für die Eintracht. Denn, so der Eintracht-Trainer: „Aufgrund des aggressiven Stils im Spiel nach vorne ergeben sich dahinter immer wieder Räume.“ Die wolle die Eintracht ihrerseits aggressiv attackieren. Noch mal kurz zusammengefasst: Könnte aggressiv zur Sache gehen, hört man.

Fernab der anstehenden Bundesligapartie bastelt der Frankfurter Sportvorstand Markus Krösche weiterhin am Kader. Die Verpflichtung des jungen Franzosen Junior Dina Ebimbe, 21, flexibel einsetzbarer Mittelfeldspieler, ist fix, lediglich noch nicht offiziell verkündet, im Gegenzug soll bekanntlich Ajdin Hrustic abgegeben werden. Zudem wird über die Verpflichtung eines weiteren Verteidigers nachgedacht. Oliver Glasner wollte sich dazu am Freitag nicht äußern, zwischen den Zeilen aber vermittelte er den Eindruck, sich gerne einen Neuen für hinten zu wünschen. „Ihr“, also die Presse, „könnt sicher sein, dass ich meine Meinung intern äußere.“ Er werde aufgrund der andauernden Transferphase wohl erst Anfang September wieder gut schlafen. Oder eben nach einem Sieg gegen den 1. FC Köln. Würde ihm bestimmt auch dabei helfen. (Daniel Schmitt)

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