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Trainierte gestern wieder mit dem Ball und der Mannschaft: Martin Hinteregger (links).

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt will ins Halbfinale

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Eintracht-Trainer Hütter sieht Benfica vor dem Viertelfinalrückspiel der Europa League leicht im Vorteil - an Zuversicht mangelt es ihm aber nicht

Adi Hütter hatte eine klare Meinung, wie es denn noch etwas werden könnte mit dem Einzug der Eintracht ins Halbfinale der Europa League. „Wir brauchen das perfekte Spiel“, sagte der Trainer des Frankfurter Bundesligisten am Tag vor dem heutigen Viertelfinalrückspiel in der eigenen Arena gegen Benfica Lissabon (21 Uhr/live bei RTL und Dazn). „Wir dürfen fast keine Torchancen für den Gegner zulassen, müssen immer wieder offensiv Akzente setzen, selbst aktiv sein und natürlich eine hohe Effektivität im Abschluss haben“, führte der 49-Jährige kurz darauf aus. Puh, klingt gar nicht so einfach.

Unmöglich ist solch eine Leistung freilich nicht. Den Glauben, es trotz der 2:4-Hinspielniederlage tatsächlich hinbekommen zu können, vermittelte der österreichische Fußballlehrer in Diensten der Eintracht jedenfalls eindrucksvoll. „Wir sind immer in der Lage dazu, Tore zu erzielen - selbst in Unterzahl in Lissabon waren wir am Ende besser. Wir haben alle Möglichkeiten.“ Klar ist: Die Eintracht muss mindestens 2:0 oder 3:1 gewinnen fürs Weiterkommen, sie müsste, sollten die offensivstarken Lissabonner zwei Treffer oder mehr erzielen, gar einen Drei-Tore-Abstand erreichen, ein 5:3 beispielsweise würde nicht reichen, ein 4:2 nur fürs Elfmeterschießen. Coach Hütter sieht die Gäste daher in der leichten Favoritenrolle und die Chancen seiner Mannschaft bei „45 Prozent“. Vor allem mahnt der Trainer davor, zu forsch zu attackieren, die Räume in der Defensive zu weit zu öffnen. „Wir müssen kontrolliert spielen, mit Kopf, geduldig sein“, sagte Hütter, dem es selbst obliegt, dafür die richtigen Spieler zu wählen.

Eintracht gegen Benfica: Das Spiel im Liveticker auf fr.de

So ist es nicht ganz unwahrscheinlich, dass Mijat Gacinovic als dritter Mann im zentralen Mittelfeld an der Seite von Gelson Fernandes und Sebastian Rode beginnen darf, stattdessen einer der drei Angreifer Ante Rebic, Luka Jovic oder Goncalo Paciencia erst einmal auf der Bank Platz nehmen wird. „Offensiv spielen, aber behutsam sein“, forderte Hütter von seinen kickenden Profis. Womöglich kann er dabei auch auf Martin Hinteregger zurückgreifen. Der Innenverteidiger, der am Sonntag gegen Augsburg wegen einer Oberschenkelblessur frühzeitig das Feld verlassen hatte, absolvierte gestern jedenfalls die öffentlich einsehbaren 15 Minuten des Abschlusstrainings ohne erkennbare Schwierigkeiten.

Martin Hinteregger trainiert wieder

Über einen Einsatz könnte aber gar erst der heutige Spieltag Gewissheit bringen, wie Hütter durchblicken ließ. „Mal schauen, was Martin selbst signalisiert, sein eigenes Gefühl wird wichtig sein. Wir werden mit Blick auf den Rest der Saison sicher kein zu hohes Risiko eingehen“, sagte der Frankfurter Trainer. Tendenz: Martin Hinteregger spielt.

Im Anschluss an die beiden Niederlagen vergangene Woche, das 2:4 in Lissabon und das 1:3 in der Liga gegen Augsburg, hatten die Frankfurter Fußballer ja über eine gewisse Müdigkeit geklagt. Eine, die auch nicht zu übersehen war, fehlte im Torabschluss doch die nötige Konzentration und im Spielaufbau die Präzision. 42 Pflichtspiele haben die Gastgeber in dieser Saison schon in den Beinen, das ist ein straffes Programm. Und dennoch sollte es bei einem Blick auf die reinen Zahlen heute keine negativen Auswirkungen haben. Ganz im Gegenteil. Denn nicht umsonst hatte Benfica-Coach Bruno Lage (siehe auch Bericht auf rechter Seite) im Hinspiel einige Stammkräfte geschont, unter anderem auch den Ex-Frankfurter und besten Lissabonner Torjäger Haris Seferovic etwas überraschend erst in der Schlussphase eingewechselt.

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Die Portugiesen waren in dieser Runde noch öfter als die Eintracht gefordert - 44 Mal standen sie pflichtmäßig auf dem Rasen, in der Liga, im Pokal, in Champions-League-Qualifikation und Gruppenphase sowie nun in den K.o.-Runden der Europa League. Ein anstrengendes Programm, zumal in Portugal auf die erholsame Winterpause verzichtet wird und bereits am 2. Januar die erste Partie des Jahres ausgetragen wurde. Den 17 Spielen der Eintracht in 2019 stehen 20 bei Benfica gegenüber. Ein Vorteil also sogar für die Hessen? Nun ja, vermutlich alles eher Randaspekte.

Geht es nämlich nach den Beteiligten auf Frankfurter Seite, soll die körperliche Verfassung ohnehin nur eine untergeordnete Rolle spielen. Vielmehr wollen die Frankfurter mit ihren Fans im Rücken so manch Wehwehchen einfach vergessen. Leidenschaft, Mut, Selbstvertrauen - Eigenschaften, die es gegen Benfica brauchen wird, machten die Portugiesen im Hinspiel doch den Eindruck, vor allem spielerische besser als der letzte deutsche Vertreter im Europapokal zu sein. „Wir haben Kraft“, sagte Gelson Fernandes, der im pickepackevollen Pressekonferenzraum der Arena gestern wie auch sein Trainer große Zuversicht ausstrahlte: „Die Emotionen, die so ein Spiel hervorruft, geben uns Energie.“

Für die Eintracht ist das Duell im ausverkauftem Stadion - auch eine Choreografie haben die Fans vor dem Spiel auf den Tribünen wieder geplant - zweifelsohne das bisher aufregendste dieser Europasaison. Der Höhe-Höhepunkt, der auf die Höhepunkte gegen Mailand, Donezk, Rom und Marseille folgt. Ein Sieg, der fürs Weiterkommen reicht, eine Halbfinalteilnahme, womöglich gegen den FC Chelsea, das sind Fußballwelten, in denen die Eintracht vor der Saison niemand, aber auch wirklich niemand erträumt hätte. „Was wir bisher in dieser Europa-League-Saison erlebt haben, das ist toll“, so Fernandes, „wir haben es verdient, so einen Abend vor uns zu haben. Wir müssen die Kraft des Publikums aufnehmen.“

Auch würde ein Weiterkommen ziemlich sicher positiven Einfluss auf den Bundesligaalltag haben, dort steht am Montag ja das nicht gerade unwichtige Auswärtsspiel in Wolfsburg an. Drehen die Hessen tatsächlich das Duell gegen Benfica noch zu ihren Gunsten, dürfte das einen großen Schub für den Endspurt in der Liga geben, dann dürfte der Traum von der Champions League in der kommenden Saison zumindest nicht unrealistischer werden. Zudem würde eine Halbfinalteilnahme zusätzlich mindestens 2,4 Millionen Euro von der Uefa einbringen.

Klingt fast so, als wäre der Donnerstag der ideale Zeitpunkt für ein perfektes Spiel.

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