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Auf ihn wird es im Spiel gegen die Bayern ankommen: Flügelspieler Filip Kostic könnte den Unterschied ausmachen.

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Eintracht Frankfurt gegen FC Bayern München: Gefühlt auf Augenhöhe

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Eintracht Frankfurt fühlt sich gewappnet für das spannungsgeladene Duell gegen einen angeschlagenen Boxer aus München.

Jan Zimmermann, derzeit Torwart Nummer drei bei Eintracht Frankfurt, hat im Interview in der heutigen FR-Heimspielbeilage „Arena“ die Maßstäbe schon mal zurechtgerückt: Der glorreiche FC Bayern München kommt in den Stadtwald und die Eintracht „hofft nicht mehr nur, dass es unter vier bleibt. Nein, wir wollen Punkte, am besten drei. Und das trauen uns viele zu.“ Der kluge Kopf steht mit seiner Meinung wahrlich nicht allein, auch sein oberster Chef sieht es ähnlich. „Die Bayern zeigen ab und zu Schwächen - warum sollten wir nicht versuchen, diese zu nutzen? Andere haben das in dieser Saison auch schon geschafft. Das ist ein Top-Spiel, in dem wir etwas zu verlieren und noch mehr zu gewinnen haben“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. „Wir wissen, dass wir den Bayern Paroli bieten können, wenn wir gut drauf sind.“ Und? Ist Eintracht Frankfurt gut drauf?

Vermutlich ist es keine ganz gewagte Aussage, die Stimmung in Frankfurt aktuell als besser einzuordnen als in München. Dass bei den Bayern auf dem Spielfeld einiges im Argen liegt, räumt auch deren Trainer Niko Kovac unmissverständlich ein: „Es stimmt im Moment nicht, das ist nicht wegzudiskutieren.“ Der frühere Eintracht-Coach, der unlängst „die besten Fans der Liga“ pries und damit die Frankfurter meinte, vermisst Leidenschaft, die rechte Einstellung und Konzentration bei seiner Startruppe und wünscht sich demütig „mehr Einfachheit in unserem Spiel“.

Ist der FC Bayern München also am Samstag verwundbar?

Zum Spiel
Frankfurt: Rönnow - Abraham, Hasebe, Hinteregger - da Costa, Kostic - Fernandes, Rode, Sow - Paciencia, Dost.

München: Neuer - Kimmich, Pavard, Boateng, Alaba - Thiago, Goretzka, Coutinho - Gnabry, Lewandowski, Coman.

Schiedsrichter: Schmidt(Stuttgart).

Der Eintracht fehlen: Trapp (Schulter-OP), Touré (Sehnenriss), Russ (Reha).

Adi Hütter, der Frankfurter Trainer, sieht das ein bisschen anders. „Die Bayern sind immer dann am gefährlichsten, wenn man das Gefühl hat, sie sind angeschlagen.“ Dazu verweist der Fußballlehrer vor der Partie (15.30 Uhr/Sky und ZDF sowie bei uns im Live-Ticker), die live in mehr als 200 Ländern übertragen wird, auf eine niederschmetternde Bilanz: Die letzten drei Spiele gegen die Bayern unter der Ägide von Hütter gingen allesamt deutlich verloren, 0:5, 0:3, 1:5 - ergibt eine Tordifferenz von 1:13, nicht schön. „Wir wollen am Samstag besser aussehen als zuletzt“, hofft Hütter. Die Hessen haben übrigens auch die letzten 16 Bundesliga-Begegnungen gegen die Münchner nicht gewinnen können. Einzige Ausnahme war der 3:1 im Pokalendspiel im Mai 2018.

Um es besser zu machen, werde man Spieler benötigen, die „90 Minuten marschieren können und über ihre Grenzen gehen“, betont Hütter. Dass es gegen die Münchner, angezählt oder nicht, verdammt schwierig wird, ist allen bewusst. „Da kommt einiges auf uns zu“, sagt der 49 Jahre alte Österreicher, der mit seinen Profis deshalb noch intensive Gespräche führen will. Viele Fehler, gar Nachlässigkeiten werden sich die Hessen nicht erlauben können, dessen ungeachtet will Hütter sein Team so aufstellen, dass „wir unser Spiel durchsetzen können“.

Von Vorteil wäre es, wenn Eintracht Frankfurt, wie zuletzt gegen Bayer Leverkusen oder am Mittwoch im Pokal gegen St. Pauli gut, vor allem: schnell in die Partie finden könnte. Gegen Mönchengladbach wiederum verbummelten die Frankfurter die erste Hälfte, das werden sie sich gegen die Bajuwaren nicht erlauben können. „Eine frühe Führung würde uns sehr guttun“, sagt Hütter. Frühe Führungen tun in aller Regeln allen Mannschaften gut, vermutlich würde sich auf der andere Seite auch Niko Kovac, den Nachfolger Hütter einen „ausgezeichneten Trainer“ nannte, über ein schnelles 1:0 freuen.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter erhofft sich von der SGE einen "mutigen" Auftritt nach vorne

Spielerisch erhofft sich der Frankfurter Coach gegen die Münchner einen „mutigen“ Auftritt nach vorne, aber vor allem eine stabile Defensive. Großen Respekt hat er vor Torjäger Robert Lewandowski, der bislang an jedem der ersten neun Spieltage traf, 13-Mal insgesamt. „Wenn es so sein sollte, dass er sein obligatorisches Tor macht, aber wir gewinnen, dann soll er es machen“, ergänzte er mit einem Augenzwinkern.

Personell kann Adi Hütter weitgehend aus dem Vollen schöpfen. Filip Kostic, in St. Pauli noch geschont und der Spieler, der alle zehn Spiele in seiner Karriere gegen Bayern verlor, hat wieder trainieren können, auch Martin Hinteregger, der einen Schlag aufs Knie abbekommen hat, ist fit, und sogar der lange an der Achillessehne verletzte André Silva nahm am gestrigen Abschlusstraining teil. Womöglich ergattert der Portugiese für die heutige Begegnung sogar einen Platz auf der Ersatzbank.

Im Angriff dürfte neben Goncalo Paciencia erneut Bas Dost auflaufen, der sich mit seinem Doppelpack auf dem Kiez weiteres Selbstvertrauen geholt hat, das bei ihm ohnehin ausgeprägt vorhanden ist. „Wenn wir zu Hause spielen, ist alles möglich“, sagt der lange Holländer. Mit diesem Pfund wollen die Hessen vor ausverkauftem Hause erneut wuchern. Die Hessen sind aktuell mit drei Siegen und zwei Unentschieden das heimstärkste Team der Liga, was auch damit zu tun hat, dass sie bereits fünf Mal im eigen Stadion hatten antreten können und nie verloren. Diesen Nimbus wollen sich die Frankfurter bewahren, zumal es in dieser Saison erst das erste Heimspiel an eine Samstagnachmittag um 15.30 Uhr ist.

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