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Bitte nicht stolpern: Sebastian Rode, der eigentlich in einen Glaskasten gehört.

Leverkusen

Eintracht Frankfurt gegen Bayer Leverkusen: Ein bisschen Attacke

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Eintracht Frankfurt will in der Heimpartie gegen die gefährlichen Leverkusener nach vorne spielen, aber nicht ins offene Messer laufen.

Es war keine ganz große Überraschung, dass einen Tag vor dem fälligen Bundesligaspiel heute Abend (20.30 Uhr/live bei Dazn und im Liveticker) gegen Bayer Leverkusen die Gedanken kurz zurückschweiften an jenen ersten Sonntag im Mai dieses Jahres, als Eintracht Frankfurt unterm Bayer-Kreuz nach Strich und Faden vorgeführt wurde. Das 1:6 - das niederschmetternde Ergebnis stand schon zur Pause fest - empfindet der Frankfurter Trainer Adi Hütter nach wie vor als „bitterste Klatsche“ unter seiner Ägide im Hessenland, „die Art und Weise, wie wir spielten, war sehr unangenehm“, sagte der in dieser Woche in Wien als Trainerpersönlichkeit des Jahres geehrte Coach. „Wir waren mental und körperlich nicht in der Lage, Paroli zu bieten.“

Zur Wahrheit gehört auch, dass Adi Hütter sein Team seinerzeit gehörig durcheinandergewirbelt und es extrem defensiv aufgestellt hatte. Er ist sich damit selbst untreu geworden, normalerweise ist Hütter einer, der ganz gern ins kalkulierte Risiko geht. Nach einer guten halben Stunde griff er korrigierend ein, um Schlimmeres zu verhindern. Eine Rechnung mit Bayer Leverkusen hat Eintracht Frankfurt dennoch nicht offen. „Das wird am Freitag ein komplett anderes Spiel.“ Aber noch mal so defensiv wird Hütter seine Mannschaft nicht aufs Feld schicken. „Nur Beton anrühren können wir auch nicht. Wir werden unser Heil nach vorne suchen.“ Und viel, viel lieber erinnert sich der Österreicher an die Heimbegegnung in der Vorrunde gegen die Werkself, die die Eintracht mit 2:1 für sich entscheiden konnte. „Das war unser bestes Heimspiel.“

Eintracht Frankfurt vor den Wochen der Wahrheit

Mit der Partie gegen Bayer Leverkusen, um drei Zähler besser postiert als die Eintracht, beginnen für die Frankfurter die vielzitierten Wochen der Wahrheit - sieben Spiele in 24 Tagen bis zur nächsten Bundesligapause sind eine Menge Holz, auf allen drei Hochzeiten tanzen die Hessen ja noch, Bundesliga, zweimal das Endspiel um Platz zwei in der Europa-League-Gruppe gegen Standard Lüttich, zweite Runde im Pokal beim FC St. Pauli - die Spiele haben es ihn sich. Glücklicherweise kann der Fußballlehrer personell - bis auf die Langzeitverletzten Kevin Trapp und Marco Russ - aus dem Vollen schöpfen, der Kader ist breit aufgestellt und Hütter verspricht schon jetzt: „Natürlich werde ich rotieren.“

Der Konkurrenzkampf ist voll entbrannt, die eine oder andere überraschende Volte hat der Coach wohlwollend zur Kenntnis genommen. Almamy Touré etwa hat Kapitän David Abraham als rechten Innenverteidiger fürs Erste überholt, selbst der Argentinier, der immer mal wieder verletzungshalber ausfällt, muss einräumen, dass sein zehn Jahre jüngerer Herausforderer seine Sache ausgesprochen gut mache. „Das sind tolle Worte, wenn der Kapitän seinen Konkurrenten lobt“, sagt der Trainer.

Eintracht Frankfurt muss gegen Leverkusen eine besondere Leistung abrufen

Hütter ist klar, dass seine Mannschaft heute Abend eine besondere Leistung wird abrufen müssen, um bestehen zu können. Leverkusen sei „die laufstärkste Mannschaft“ der Liga, ungemein ballsicher, zudem zweikampfstark und in der Umschaltbewegung nach vorne kaum in Schach zu halten. Und dann spielt noch ein Kai Havertz bei Bayer, den der Frankfurter Fußballlehrer als „einen der besten Spieler in Deutschland“ adelte. Ihn aus dem Spiel zu nehmen, sei enorm schwer – aber „damit wäre uns schon sehr geholfen“, sagte der Coach: „Die Qualität bei Leverkusen ist insgesamt sehr hoch.“

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Da werde man dagegenhalten müssen, um nicht wieder in Rückstand zu geraten, was in fünf der letzten sieben Bundesligaspiele passiert war. Ohnehin kassieren die Frankfurter aktuell zu viele Gegentore, das hat auch Abwehrchef Makoto Hasebe im FR-Interview angemahnt (siehe Arena-Beilage). „Wir müssen eng zusammenstehen“, fordert Adi Hütter, ansonsten „laufen wir nur dem Ball hinterher, das ist nicht angenehm“, gerade gegen Bayer Leverkusen nicht, die sich aktuell in einer hervorragenden Verfassung präsentieren. 

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Und mal wieder nach ganz oben schielen. „Ich bin jetzt im fünften Jahr bei Bayer. Die Chance, die Meisterschaft zu gewinnen, war noch nie so groß wie in dieser Saison“, sagte unlängst der aus der brasilianischen Küstenmetropole Fortaleza stammende Linksverteidiger Wendell. Trainer Peter Bosz freilich hebt vorab warnend den Finger: „Gegen die Eintracht braucht man immer viel Energie, sie sind sehr gradlinig nach vorne, sehr aggressiv.“ Die Aussicht auf Rang eins, zumindest für eine Nacht, könnte bei seiner Mannschaft zusätzliche Energie freisetzen. „Das wäre ein schöner Moment.“ Mehr aber auch nicht.

Bas Dost wieder eine Option

Die Eintracht will vor ausverkauftem Hause zwar das Heft des Handelns in die Hand nehmen, aber sicherlich nicht ins offene Messer rennen. Eine etwas zurückhaltendere Taktik mit den nach hinten arbeitenden Gelson Fernandes, Djibril Sow und Sebastian Rode böte sich an. Gerade Rode, der am vergangenen Spieltag gegen Werder Bremen „ein Weltklassetor“ (Hütter), sein erstes in dieser Runde, erzielt hat, ist wieder in der Verfassung wie vor seiner schweren Verletzung. Mit dem Mittelfeldrackerer will Hütter „behutsam umgehen“, allzu leicht droht er mit seiner Spielweise Raubbau am eigenen Körper zu betreiben. „Aber Seppl gibt immer 100 Prozent, im Spiel wie im Training, so lebt er, so spielt er.“

Für die Startelf könnte auch Wuchtbrumme Bas Dost infrage kommen, der seine muskulären Schwierigkeiten auskuriert hat. „Er präsentiert sich mittlerweile in anderer Verfassung als noch vor Wochen.“ Seine enorme körperliche Präsenz könnte dem Frankfurter Angriff mehr Durchschlagskraft verleihen. Goncalo Paciencia müsste dann wohl auf die Ersatzbank, André Silva ist gesetzt. Und dass Adi Hütter, wie in der letzten Saison gleich alle drei Angreifer aufbietet, ist zumindest heute Abend unwahrscheinlich. „Das mache ich auf alle Fälle nicht.“ Das 1:6 wirkt nach.

Von Thomas Kilchenstein

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