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Scheut das Risiko nicht: Adi Hütter, Trainer von Eintracht Frankfurt.

Europa League

Eintracht Frankfurt gegen Arsenal: Mutprobe ohne Dost und Rode

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Adi Hütter tritt als Trainer von Eintracht Frankfurt stets selbstbewusst auf und fordert dasselbe von seinen Spielern – auch in London sollten sich die Hessen nicht verstecken.

Als Adi Hütter im Frühjahr 2006 noch kein Trainer war, nicht bei Eintracht Frankfurt, nicht in Bern, Salzburg, Grödig oder Altach, wohin es ihn später verschlug, da dachte er längst wie ein Trainer – und hielt jene Überlegungen auf 184 Seiten Papier fest. „Die elf Gesetze der Motivation im Spitzenfußball“ kamen dabei heraus, ein Kumpel hatte ihm geholfen am Ende dessen aktiver Fußballerkarriere eine neue als Buchautor zu beginnen. Mehr als 13 Jahre später hat Adi Hütter nachgelegt. Das Ergebnis, das auf 263 Seiten in diesem Herbst veröffentlicht wurde: „Teamgeist: Wie man ein Meisterteam entwickelt“.

Nun liegt es Hütter fern, bei öffentlichen Auftritten im Dienste seines Frankfurter Arbeitgebers, sich für seine Autorenkünste zu rühmen, das möchte er nicht, das wäre ihm zu egozentrisch. Ab und an wird er aber halt darauf angesprochen. Was die wichtigste Motivationsregel sei, wurde der 49-Jährige zum Beispiel in einem Interview mit der „Zeit“ gefragt. Seine Antwort: „Mut zum Risiko.“

Eintracht Frankfurt gegen Arsenal in London: Wie knackt man ein Topteam?

Oder kürzlich bei einer Veranstaltung der versammelten Frankfurter Sportpresse, da wurde beim einstigen Titelcoach der Schweizer Fußballer von Young Boys Bern nachgehakt, wie man denn nun solch eine Meistermannschaft richtig entwickele. „Ohne Angst, mit Mut.“ Kurz und knapp, der Herr Hütter. Doch kann das wirklich alles sein? Im Grunde genommen lässt sich die Trainerarbeit des Österreichers tatsächlich auf diese wenigen Worte zusammenschnurren.

Der Coach hat von seinem ersten Tag an in Frankfurt jenes Selbstbewusstsein versprüht, das ihn in der Schweiz und Österreich zum Meistertrainer hat werden lassen. Dabei hatte er bekanntlich ein diffiziles Erbe anzutreten, Niko Kovac hatte die Frankfurter vom Abstiegskandidaten zum Pokalsieger gecoacht und war dann zum FC Bayern gewechselt. Hütter also kam vor rund eineinhalb Jahren zu einem Klub, der sich zwar zusammengerauft und relativ viel aus den noch relativ wenigen Möglichkeiten herausgeholt hatte, der aber gleichzeitig noch reichlich Potenzial offenbarte. Der Fußballlehrer sollte mit seinem Team den nächsten Schritt machen. Heute lässt sich festhalten: Das ist gelungen.

Bei Eintracht Frankfurt ist die Bilanz von Adi Hütter beachtlich

Natürlich gab es auch kleinere Schlaglöcher auf diesem Weg, die Anfangsphase der vergangenen Saison zum Beispiel als Spieler und Trainer noch nicht so recht zusammengefunden hatten, doch insgesamt ist die Bilanz von Hütter in Frankfurt beachtlich: Bei 74 Pflichtspielen sprangen 38 Siege, 14 Remis und 22 Niederlagen heraus. Das bedeutet einen Punkteschnitt von 1,73 – ein zufriedenstellender Wert, wenngleich er für Hütter der schwächste seiner bisherigen Trainerlaufbahn ist. Allerdings: Sowohl in Bern als auch in Salzburg coachte er absolute Spitzenteams, keinen aufstrebenden Mittelklasseklub wie die Eintracht.

Adi Hütter hat es geschafft, der Mannschaft seine Spielidee einzuverleiben. Die Fußballer folgen ihrem Trainer, glauben ihm, was er ihnen vorgibt. Und das obwohl der 49-Jährige, öffentlich stets freundlich, intern lautstark durchgreifen kann. Hütter legt Wert darauf, jede Situation konzentriert bis zum Ende durchzuziehen. Stoppen Spieler beim Pressing vorzeitig ab, unterbricht er im Training sofort. Auch lässt er häufig auf engen Feldern üben, die Spieler sollen nicht nur körperlich, sondern auch mental ständig gefordert werden.

Eintracht Frankfurt gegen Arsenal in London: Ein Punkt als Minimalziel

Aktuell stehen die Frankfurter in der Bundesliga auf Rang zehn, überwintern im DFB-Pokal und wollen in der Europa League beim FC Arsenal (21 Uhr/RTL und bei uns im Liveticker) dem Sechzehntelfinale einen großen Schritt näher kommen. Ein Punkt ist das Minimalziel. Allerdings muss Hütter auf zwei erfahrene Männer verzichten. Zum einen saß Mittelfeldantreiber Sebastian Rode wegen einer am Samstag gegen Wolfsburg erlittenen Knieblessur nicht im Flieger ins gestern angenehm milde und teils gar sonnige London, zum anderen meldete sich überraschend auch Angreifer Bas Dost ab. Der Körper des 30-Jährigen streikt mal wieder, muskuläre Probleme. Im Grunde kann Hütter mit dem eigentlich als Fixpunkt im Offensivspiel geholten Dost nicht seriös planen, zu ramponiert und anfällig scheint der Körper des Niederländers zu sein. „Sie sind absolute Schlüsselspieler“, sagte Hütter gestern, „aber es bringt nichts, sie mitzunehmen, wenn sie nicht hundertprozentig fit sind.“

Zu allem Überfluss hat die Frankfurter Truppe gerade auch noch eine erste sportliche Krise zu verdauen. Drei Niederlagen nacheinander liegen vor dem Auswärtsduell in London schwer im Magen, das Selbstvertrauen dürfte ein wenig angeknackst sein, gerade gegen solch einen namhaften Weltklub macht das die Sache nicht leichter.

Eintracht Frankfurt kassiert zu viele Tore

Hinten kassiert die Eintracht insgesamt zu viele Tore. Erfahrene Männer wie David Abraham oder Makoto Hasebe schwächeln hier und da. Im Mittelfeld wurde die fußballerische Qualität im Vergleich zur Vorsaison zwar angehoben, die erhoffte Torgefahr aus der Tiefe des Feldes ergab sich dadurch aber nicht. Die Außen, das größte Faustpfand des Frankfurters Spiels, wirken ab und an vom Gegner entschlüsselt. Und vorne sind die drei Angreifer, Dost, Goncalo Paciencia und André Silva trotz ihrer Bemühungen nicht so gut wie ihre Vorgänger.

Das sind keine riesigen Baustellen, manche werden auch recht simpel zu beheben sein, weil es dem Team an Potenzial nicht mangelt. Hütter aber, das gehört zum Traineralltag, wird Ideen entwickeln müssen. Er wird daran arbeiten müssen, mehr Dynamik und Wucht ins Spiel zu bekommen. Dieser neuen Herausforderung muss er sich stellen. „Wir müssen Vertrauen in unseren Spielstil haben“, sagte Hütter gestern im Bauch der Londoner Arena.

Vor der Frankfurter Sportpresse hatte er kürzlich übrigens nicht nur über erfolgsbringende Motivationstricks, oder meistermachende Geheimnisse gesprochen, Hütter erläuterte seinen Umgang mit Zielvorgaben. Da stand er also vor den Reportern und sagte: „Man sollte seine Ziele oben ansetzen, vielleicht auch weiter oben als es realistisch erscheint.“ Hütters linke Hand wanderte auf Kopfhöhe, dann sagte er: „Denn selbst wenn man diese hohen Ziele nicht ganz erreicht…“, die Hand hielt er dabei an die Brust, „…dann übertrifft man vermutlich doch noch das vermeintlich realistische Ziel.“ Die Hand hatte mittlerweile die Hüfte erreicht.

Kurz und knapp zusammengefasst: mutig sein.

Intensive Kontrollen warten auf Eintracht-Fans

Nicht gerade wenige Eintracht-Fans machten sich gestern auf den Weg nach London, obwohl die Uefa die hessischen Anhänger für das Spiel beim FC Arsenal ausgesperrt hat. Die Flieger von der Stadt am Main in jene an der Themse waren voll von Fußballfans. Derweil betonte der FC Arsenal noch mal ausdrücklich, dass Gästefans kein Zutritt zum Stadion erhalten werden. Die Tickets würden mindestens zweimal geprüft und deren Besitzer genau unter die Lupe genommen. Auch ihren eigenen Klubmitgliedern legte Arsenal nahe, keine Karten an Gästefans zu verkaufen. Dies könne mit einer Sperre oder einem Entzug der Mitgliedschaft bestraft werden. 

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