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Eintracht Frankfurt: Fußballer im Spagat

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Von: Thomas Kilchenstein

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Könnte geschont werden: Kapitän Sebastian Rode (rechts) wird kommende Woche in London dringend gebraucht.
Könnte geschont werden: Kapitän Sebastian Rode (rechts) wird kommende Woche in London dringend gebraucht. © Jan Huebner/Imago Images

Eintracht Frankfurt bestreitet den Alltag zwischen zwei besonderen Spielen. In Vorbereitung aus West Ham United gilt es gegen die TSG Hoffenheim die Spannung hochzuhalten.

Frankfurt – Es ist ein schwieriger Spagat, in den die Frankfurter Berufsfußballer in diesen Tagen gehen müssen. Einerseits wollen sie in der Bundesliga keinerlei Schwung verlieren, andererseits soll sich in den deutlich unbedeutenderen Partien keiner verletzen oder über Gebühr auspowern, ehe es in zwei Spielen gegen West Ham United um den Einzug ins Europa-League-Finale in Sevilla geht. Die Frage ist: Wie geht man die praktisch unwichtig gewordenen Spiele gegen die TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen an? Schonen oder volle Power?

Trainer Oliver Glasner hat in dieser Frage eine klare Meinung. Er stelle immer die „aus seiner Sicht beste Mannschaft“, jene Spieler also, die ihm am ehesten die Gewissheit geben, das nächste Spiel gewinnen zu können.

Eintracht Frankfurt: Ndicka und Jakic gegen West Ham gesperrt

Das ist natürlich ein kleiner rhetorischer Kniff. Glasner hatte auch am vergangenen Sonntag, drei Tage nach dem Coup von Camp Nou gesagt, gegen Union Berlin hatte „die an diesem Tag stärkste Stammelf auf dem Platz“ gestanden, weil etwa die anderen, die noch in Barcelona im Einsatz gewesen waren, nicht in der Lage waren zu spielen. Deshalb fanden sich in der Alten Försterei plötzlich die Reservisten Timothy Chandler, Goncalo Paciencia, Ajdin Hrustic oder Jens Petter Hauge in der Startformation. Auch an diesem Samstag (15.30 Uhr/Sky) gegen die TSG Hoffenheim wird Glasner die aus seiner Sicht beste Elf auf den Platz schicken, also auch die am kommenden Donnerstag gesperrten Evan Ndicka und Kristijan Jakic. Womöglich wird Torwart Kevin Trapp wegen leichter Problem an der Hand noch einmal aussetzen, ein Risiko will der Coach keinesfalls eingehen.

Manches spricht dafür, dass Sebastian Rode gegen die Kraichgauer pausiert, er wird ganz sicher in London gebraucht als Ersatz für Jakic und an der Seite des bis dahin wieder genesenen Djibril Sow. Und viele Spiele hintereinander auf allerhöchstem Niveau vertragen die lädierten Knochen des defensiven Mittelfeldspielers auch nicht mehr, der Fußballlehrer weiß das natürlich.

Natürlich hat Trainer Glasner schon die nächsten Spiele im Blick, selbst wenn er sagt, ihn interessiere allein die Bundesligapartie am Samstag. Er wird ein paar kreative Lösungen für den internationalen Auftritt nächsten Donnerstag finden müssen, er wird in der Abwehr gezwungenermaßen umstellen. Vertrauen, so wird er nicht müde zu betonen, habe er in die Leistungsfähigkeit all seiner Spieler. „Das einzige, was ich verlange ist, dass jeder sein Bestes für Eintracht Frankfurt gibt“, sagt er. Das könne auch mal nicht reichen, aber jeder müsse mit allen Fasern versuchen, sein Niveau zu erreichen. Das hat bislang ordentlich geklappt, Almamy Touré etwa, der Dauer-Ersatzmann, hatte vor seinem grandiosen Spiel in Barcelona auch kaum Spielminuten sammeln können. Ein gewisses Risiko schwingt dennoch bei dieser Herangehensweise stets mit.

Eintracht Frankfurt muss Spannung hochhalten

Es wird darauf ankommen, die richtige Balance zu finden in den nächsten Spielen. Natürlich wird niemand mit Absicht ein Spiel abschenken, aber mit allerletzter Konsequenz dürften die Hessen die Begegnungen in der Liga nicht führen. Dazu ist vor dem Rückspiel in Frankfurt an einem Montag der 32. Spieltag angesetzt, 20.30 Uhr bei Bayer Leverkusen, drei Tage vor dem wahrscheinlichen Saisonhöhepunkt. Auch da dürfte, ähnlich wie gegen Union Berlin, ein wenig rotiert werden.

So ein Halbfinale in der Europa League ist ja nun keine alltägliche Sache, selbst wenn es für Eintracht Frankfurt binnen drei Jahren schon das zweite Mal ist. Darauf fiebert jeder hin, auch wenn Eintracht Frankfurt die emotionale Spirale vor dem Hinspiel in London nicht in diese schwindelerregende Höhe treiben wird wie im Viertelfinale gegen den FC Barcelona. Das dürfte dann umso massiver werden vor dem wohl entscheidenden Rückspiel am 5. Mai im Stadtwald.

Wichtig wird sein, im Rhythmus zu bleiben und die Spannung hoch zu halten. Und sich, im besten Fall, über einen Sieg in der Liga zusätzliches Selbstvertrauen zu holen. Trainer Glasner hat immer wieder den 4:1-Auswärtssieg bei Hertha Berlin als Initialzündung für die sehr gute Vorstellung ein paar Tag später bei Betis Sevilla (2:1) hervorgehoben. Und nach einem 2:1-Erfolg gegen Bochum gelang der Einzug ins Viertelfinale. Erfolge im Tagesgeschäft sind sicher nicht schlecht für die Gefühlswelt der Spieler. Aber es geht auch andersherum: Vor Barcelona mühten sich die Frankfurter zu einem 0:0 gegen Fürth, vor der Gala in Camp Nou unterlagen sie zu Hause gegen Freiburg. (Thomas Kilchenstein)

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