Auf Silva (li.) und Hasebe (re.) kommt es an.
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Auf Silva (li.) und Hasebe (re.) kommt es an.

Vor dem Nachbarschaftsduell

Eintracht wittert Höhenluft vor dem Spiel gegen Mainz

  • Ingo Durstewitz
    vonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt will sich durch einen Sieg im Nachbarschaftsduell gegen Mainz 05 endlich wieder nach oben orientieren.

  • Eintracht Frankfurt hat den Abstiegskampf so gut wie bestritten
  • Jetzt hat sie Großes vor, weiß Adi Hütter
  • Das Nachbarschaftsduell gegen den FSV Mainz 05 soll den Weg weisen

Unlängst erst hat der Frankfurter Fußballlehrer Adi Hütter freimütig erklärt, dass er mit diesem ekligen, aufreibenden Kampf gegen den Abstieg nichts zu tun haben möchte, er sich damit nicht auskennt und auch nicht auskennen möchte. Und auf ein Image als Feuerwehrmann, Gott bewahre, darauf könne er erst recht getrost verzichten. Der Österreicher ist einer, der den Blick stets zur Spitze richtet; wo Hütter war, war Erfolg, Pokalsiege, Meisterschaften, Halbfinalteilnahmen im Europacup. Nur in dieser Saison hatte der Coach ein paar knifflige Situationen zu überstehen. Mehr als ihm lieb waren. 

Eintracht Frankfurt: Nachbarschaftsduell gegen FSV Mainz 05 als Wegweiser

Nun, nach sieben Punkten aus drei Spielen, bekundet er, „sehr, sehr stolz zu sein“ auf sein Team, das mal wieder die Kurve bekommen und jetzt sogar die Chance habe, sich in andere Sphären zu verabschieden. Der Abstiegskampf ist zwar noch nicht endgültig erfolgreich bestritten, aber doch so gut wie, und also ruft Adi Hütter das Nachbarschaftsduell am Samstag (15.30 Uhr) gegen den FSV Mainz 05 zum Wegweiser aus. „Das ist eine Schnittpartie. Mit einem entsprechenden Ergebnis, können wir mit einem Auge nach oben schielen und uns in eine andere Richtung orientieren.“ Das entsprechende Ergebnis, da muss man keine prophetische Gabe haben, wäre ein Sieg, es wäre der dritte in Serie und der erste des Eintracht-Trainers gegen Mainz 05 überhaupt. Und die andere Richtung ist die gen erstem Tableau.

Der Abstand zu Platz sechs (VfL Wolfsburg) und sieben (TSG Hoffenheim) beträgt sieben Punkte, bei fünf ausstehenden Partien ist das eine Menge Holz, aber selbst wenn die Eintracht diese Saison im gesicherten Mittelfeld abschließen sollte, wäre das völlig in Ordnung. Denn die bald ablaufende Spielzeit war und ist eine mit vielen Spielen, Schwierigkeiten, Schwankungen und Ausschlägen – die Corona-Krise setzte sich, wenn man so will, noch oben drauf.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter ist weitgehend zu seiner alten taktischen Formation zurückgekehrt

Auch für den Coach war diese Runde eine, die er so schnell nicht vergessen wird, und das hat nicht nur mit Geisterspielen und Ersatzspielern zu tun, die in gebührendem Abstand auf der Tribüne sitzen und zu Maskenmännern werden. So viele verzwickte Situationen musste der ambitionierte Vorarlberger noch nie in seiner Karriere überstehen, vor und nach der Corona-Pause zeigte der Trend klar in die falsche Richtung, und auch der verantwortliche Cheftrainer musste sich gedanklich erst wieder neu orientieren und das Bekannte (aber nicht mehr erfolgreiche) über Bord werfen. Hütter hat die richtigen Schlüsse gezogen, ist weitgehend zu seiner alten taktischen Formation zurückgekehrt und hat seine Mannschaft wieder etwas offensiver und aktiver, vor allem aber sehr viel knorriger und widerspenstiger auf- und eingestellt.

Die zurückliegenden Wochen, sagt der 50-Jährige, seien für ihn lehrreiche gewesen. „Es geht nicht immer nur aufwärts“, bilanzierte er. Entscheidend sei, dass man sich in heiklen Phasen einen kühlen Kopf bewahre und „nicht nervös“ werde. „Man bekommt zusätzliche Reife.“

Für den Fußballlehrer war die Reaktion des Teams gegen den SC Freiburg ein Schlüsselerlebnis

Dass nach der zwischenzeitlichen Talfahrt mit fünf Niederlagen am Stück und einer Flut an Gegentore „berechtigte Kritik“ aufkomme, sei in dem Geschäft normal. Die Frage sei, wie man darauf reagiere, und da findet der Trainer, dass der gesamte Verein „sehr souverän mit der Situation umgegangen ist, alle waren sehr ruhig“. Das habe sich auf die Mannschaft übertragen, die es im Verbund mit dem Trainerteam immer wieder gerade dann geschafft habe, „in die richtige Spur zu finden, wenn es kritisch wurde“. Das ist zutreffend.

Für den Fußballlehrer war die Reaktion des Teams gegen den SC Freiburg ein Schlüsselerlebnis, als seine Elf trotz guten Spiels und einer Fülle an Torchancen plötzlich mit 1:3 zurücklag, aber dennoch nicht eingebrochen ist, sondern noch das 3:3 packte. „Das war der Wendepunkt, da hat man die Moral und die Mentalität gesehen. Ich glaube, dass da nicht mehr viele Mannschaft so retour kommen wie wir.“ Gerade angesichts eines besorgniserregenden Anti-Laufs in Kopf und Knochen.

Die Rückkehr zu alter Widerborstigkeit, die Abkehr von der abwartenden Haltung und die verbesserte Defensivleistung sind Gründe für den Zwischenspurt der Eintracht. Das liegt in erster Linie an dem nun wieder unverzichtbaren Makoto Hasebe als freier Mann der Dreierkette, er ist der Chef im Ring, die Seele des Spiels – und ab morgen alleiniger Rekordhalter. Mit 309 Begegnungen wird er den legendären Bum-kun Cha als Spieler mit den meisten Bundesligapartien eines Asiaten überholen. Der freundliche Japaner Hasebe bleibt, selbstverständlich, die Bescheidenheit auf zwei Beinen, mit dem südkoreanischen Stürmer könne er sich nicht vergleichen. „Er ist ein großer Spieler, ich habe großen Respekt vor ihm. Und er hat insgesamt über 100 Tore geschossen, das werde ich nicht mehr schaffen.“ Hasebe steht bei sieben.

Eintracht Frankfurt: André Silva kommt immer besser ins Rollen

Für die Tore sind halt andere zuständig. André Silva etwa. Der Portugiese kommt immer besser ins Rollen, hat nach dem Neustart in vier von fünf Partien getroffen. Er hält die Bälle, was nicht immer so leicht ist als einzige Spitze. Und er bleibt immer gefährlich. Er ist so eine Art Lebensversicherung der Eintracht, „hat das Momentum für sich“, urteilt Hütter. Mit seinen Treffern habe er „wesentlichen Anteil“ am derzeitigen Erfolg.

Mit der neuen, alten Ordnung bekommt das Eintracht-Spiel generell wieder mehr Struktur, da kommen dann auch die Stärken zum Tragen, Hütter erinnert daran, dass seine Mannschaft mit 49 Treffern eine sehr ordentliche Offensivbilanz aufzuweisen habe, nur fünf Teams haben häufiger getroffen. „Hinten haben wir zu viele kassiert.“ Am Mittwoch beim 3:0 in Bremen behielt Kevin Trapp erstmals seit Anfang Februar (5:0 gegen Augsburg) eine weiße Weste. Gegen den Nachbarn aus Mainz, der „unglaublich unter Druck steht“ (Hütter), sollte das so bleiben – zumindest dann, wenn der Blick nach oben nicht gleich wieder vernebelt sein soll.

Von Ingo Durstewitz

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