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Verkehrte Welt in Frankfurt: Verteidiger Ndicka (rechts) flankt, Stürmer Haller wehrt ab.

Eintracht Frankfurt - Borussia Dortmund

Eintracht Frankfurt - bedingt abwehrbereit

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Eintracht Frankfurt sollte die Hintermannschaft stabilisieren - denn jetzt kommen die flinken Dortmunder.

Lucas Silva Melo, unter Freunden nur Tuta genannt, dürfte große Augen gemacht haben, als er nach bald zwölfstündigem Flug vom Airport Guarulhos in Sao Paulo aus in Frankfurt gelandet war. Schnee hat der 19 Jahre alte Brasilianer in seinem Leben noch nicht so häufig gesehen, auch der Temperaturunterschied war durchaus beachtlich, derzeit ist in der brasilianische Megapolis Sao Paulo Hochsommer mit Temperaturen von 35, 36 Grad. Das wird für den jungen Mann eine ganz schöne Umstellung geben.

Tuta, dieses Verteidigertalent aus der U20 des FC Sao Paulo, wird natürlich nicht sofort die Abwehrprobleme der Frankfurter Eintracht lösen. Ganz und gar nicht. Tuta soll vorsichtig aufgebaut werden. Er hat in der ersten Mannschaft des Traditionsklubs, in der abgelaufenen Saison lediglich Fünfter mit 17 Punkten Abstand auf Meister Palmeiras, ebenfalls aus der rund 20 Millionen Einwohner zählenden Metropole, noch kein Pflichtspiel bestritten. Auch beim Florida-Cup im Duell mit den Hessen während des Trainingslagers in den USA war er nicht mit von der Partie. Zudem endete die Saison in Brasilien Anfang Dezember, die neue Runde beginnt hingegen erst im Frühjahr. Der für 1,7 Millionen Euro verpflichtete Rechtsfuß ist eine Investition in die Zukunft - aktuell wird Trainer Adi Hütter die zuletzt nicht so stabile Frankfurter Hintermannschaft anders dicht kriegen müssen.

Eintracht Frankfurt lässt zu viele Chancen zu

Die Hessen lassen derzeit deutlich zu viele Chancen des Gegners zu, das war gegen den SC Freiburg (3:1) im ersten Rückrundenspiel so, gegen Werder Bremen (2:2) auch, und teilweise schon zum Ende der Hinserie, als Makoto Hasebe ausgefallen war. Ohnehin schafften es die Frankfurter lediglich, dreimal in 19 Spielen zu Null zu spielen - trotz eines Nationaltorhüters auf der Linie.

Derzeit ist Eintracht Frankfurt nur bedingt abwehrbereit. Nach dem Weggang von Carlos Salcedo in seine mexikanische Heimat hat der Trainer bei der Besetzung der Dreierkette nicht gerade die Qual der Wahl, Hasebe, Evan Ndicka, Marco Russ, Simon Falette stehen zur Verfügung, hinter David Abraham steht ein dickes Fragezeichen. Immerhin hat der Kapitän gestern vorsichtig mit der Mannschaft trainiert, ob er rechtzeitig fit wird für Samstag, ist noch offen. Der drohende Ausfall des 32 Jahre alten Argentiniers würde schwer wiegen. In Bremen musste er erneut wegen nicht näher definierten Wadenproblemen vorzeitig vom Feld, konnte Anfang der Woche nicht trainieren. Es sind noch immer die Nachwehen jener Verletzung, die er sich Mitte Dezember 2017 im Spiel beim Hamburger SV zugezogen hatte und die als Knochenödem diagnostiziert wurde. Im Trainingslager im Spiel gegen Flamengo hatte er erneut einen Schlag auf die sensible Wade bekommen. Auch wegen dieser Verletzung präsentiert sich der immer freundliche Argentinier derzeit nicht in allerbester Form. Ohnehin war er bereits in der Hinserie ausgefallen, er verpasste fünf Spiele, absolvierte nur elf Bundesligapartien und drei in der Europa League. Normalerweise ist der schnelle und kopfballstarke Zweikämpfer im Eintracht-Team gesetzt.

Sollte Abraham tatsächlich ausfallen, dürfte gegen Dortmund der Haudegen Marco Russ erste Wahl sein. Russ kam bislang auf lediglich fünf Einsätze in der Liga und vier auf internationaler Ebene. Der 33-jährige Routinier macht seine Sache ordentlich, er weiß, dass er nicht mehr Stammkraft ist, seine Rolle hat er längst akzeptiert. Er spielt viel mit Auge, fegt dazwischen, aber klar ist natürlich auch, dass er nicht mehr der Schnellste ist - gerade in Zeiten des Hochgeschwindigkeitsfußballs a la Borussia Dortmund sicher ein Nachteil. Solide verteidigen kann „der Russer“ allemal.

Was geschieht mit Falette?

Auf der anderen Seite dürfte Evan Ndicka zurück ins Team kehren. Ihn hatte Trainer Hütter ja wegen nicht ausreichender Trainingsleistungen zuletzt außen vor gelassen. Den kleinen Denkzettel dürfte der junge Franzose, der in der Hinrunde so bärenstark gespielt hat, verstanden haben. Darüber hinaus hat Simon Falette, der für ihn spielte, nicht gerade überzeugt. Dass er als Innenverteidiger nicht die Idealbesetzung ist, wissen sie in Frankfurt auch.

Und noch immer ist nicht vom Tisch, ob der Franzose nicht doch noch den Klub verlässt, der FC Nantes hat ernsthaftes Interesse. Sollte die Eintracht allerdings tatsächlich den in der Mannschaft sehr beliebten Verteidiger ziehen lassen, müssten sie zwingend personell nachlegen. Und zwar mit einem Stopper, der der Mannschaft sofort weiterhilft, etwa einem wie Martin Hinteregger, der jetzt beim FC Augsburg wegen despektierlicher Äußerungen suspendiert wurde. Denn nicht immer schießt das magische Dreigestirn vorne mehr Tore als hinten fallen.

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