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Martin Hinteregger hinkt seinen Leistungen bei Eintracht Frankfurt aktuell hinterher.
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Martin Hinteregger hinkt seinen Leistungen bei Eintracht Frankfurt aktuell hinterher.

SGE

Eintracht hat Probleme mit Führungsspielern - ausgerechnet jetzt

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Eintracht Frankfurt hat ein Problem mit Führungskräften und komplexen Anforderungen - ausgerechnet jetzt kommen wegweisende Spiele.

Frankfurt - Die aktuelle Krise von Eintracht Frankfurt ist auch eine ihrer Leitfiguren auf dem Platz. Der Frankfurter Sportboss Markus Krösche hat längst zu viele Schwankungen ausgemacht, „auch bei den erfahrenen Spielern, deshalb sind wir nicht so stabil“. Gerade die Routiniers, die wissen, wie der Hase zu laufen hat, müssten in einer verfahrenen Situation vorangehen, den Jungen und Neuen Halt geben. Doch das ist nicht der Fall. „Wir müssen versuchen, mehr Stabilität reinzubekommen – über die Jungs, die viel Erfahrung haben“, sagt Krösche.

Im Grunde ist es zurzeit nur Kevin Trapp im Tor, der seine Leistung nach anfänglichen Wacklern seit Wochen konstant bringt, der der Mannschaft mit seinen Taten und seiner Präsenz hilft und auch die Akzeptanz erfährt, um ein Team anzuleiten.

Führungskräfte von Eintracht Frankfurt schwächeln

Die anderen aktuellen Führungskräfte von Eintracht Frankfurt schwächeln, haben mit sich selbst zu tun oder sind einfach nicht die Typen, um eine Truppe auf Kurs zu bringen. Martin Hinteregger ist auf dem Feld noch lange nicht der Souverän wie einst, auch in der Kabine hat er nicht übermäßig großen Rückhalt. Der Hinti ist halt der Hinti, mit all seinen Eigenarten und Macken, die ihn auch so nahbar machen. Der große Anführer ist er nicht.

Makoto Hasebe ist ein leuchtendes Vorbild, besticht aber nicht durch Interaktion in der Kabine von Eintracht Frankfurt, sondern hat sich Anerkennung durch seine Disziplin, Einstellung und Leistung erarbeitet. Das Problem: Der bald 38-Jährige pendelt zwischen Bank und Spielfeld.

Sebastian Rode, der eigentliche Kapitän von Eintracht Frankfurt, hat zwar deutlich an Format gewonnen, er weiß, wie die Mannschaft tickt, was falsch läuft und was okay ist, er kann das große Ganze sehr gut einschätzen und analysieren. Doch er ist kein Lautsprecher, kein Aufrüttler, zudem war er einige Zeit gar nicht beim Team, da lange verletzt. Er wird in die Führungsrolle erst wieder wachsen müssen, zuletzt war er erneut angeschlagen. Die Verantwortlichen hoffen, dass sein operiertes Knie hält und keine große Reaktion zeigt.

Kollektive Verunsicherung durch wachsende Unruhe bei Eintracht Frankfurt

Und ein Spieler wie Djibril Sow, der mehr Verantwortung übernehmen möchte, taucht in dem Maße ab, in dem der Druck steigt. Das kennt man.

Die kollektive Verunsicherung durch die wachsende Unruhe ist ohnehin ein mächtiges Thema, denn klar ist, dass sich die Mannschaft von Eintracht Frankfurt vor allem fußballerisch erheblich steigern muss. „Wir sind zu fahrig und versauen viele einfache Dinge nach vorn, da müssen wir einfach zulegen. Wir wollen vernünftig Fußball spielen“, sagt Sportboss Krösche.

Die Krux an der Geschichte: Fehlendes Selbstvertrauen lässt die Füße noch mehr zittern und den Geist verkrampfen, es führt zu einer ständigen Risikominimierung, erschwert alle Fortschritte. „Kreativität ist das Gegenteil von Muster, das ist Freiheit“, philosophiert Trainer Oliver Glasner. Doch wer beladen ist, ist nicht frei und nicht beschwingt. Und genau so sieht das Spiel von Eintracht Frankfurt aus: schwerfällig, bemüht, angestrengt.

Oliver Glasner wird das Erneuerungstempo bei Eintracht Frankfurt drosseln

Zudem ist die Umstellung vom eher einfachen Adi-Hütter-Fußball hin zu den komplexen Anforderungen von Oliver Glasner etwas, was die Mannschaft von Eintracht Frankfurt bewältigen und verarbeiten muss. Sie war schließlich drei Jahre in eine Richtung gepolt, nun soll sie etwas komplett anderes erlernen. Das fällt ihr sichtlich schwer.

Der pedantische und klar strukturierte Coach Glasner wird daher auch das Erneuerungstempo drosseln, seine Ideen eher sukzessive implementieren, um die Mannschaft von Eintracht Frankfurt nicht vollends zu überfordern. Schließlich ist der gewünschte Spielstil noch nicht angekommen, nicht adaptiert, Automatismen greifen nicht. „Das müssen wir aber schaffen, damit wir auf dem Platz schneller sind, sonst denkt man zu viel nach und ist dann automatisch langsamer“, sagte Sebastian Rode im FR-Interview. „Die Denke des Trainers muss in die Köpfe und sich mit dem Instinktiven eines jeden Spielers mischen.“ Hört sich fast so kompliziert an, wie es in Wirklichkeit wohl auch ist. Zumal die Zeit drängt. Nach dem Europapokalspiel in Piräus am Donnerstag (18.45 Uhr/TV Now) steht das wegweisende Bundesligaspiel am Sonntag in Fürth an. Da könnte der Druck noch einmal massiv zunehmen.

Neben den spielerischen Problemen kommen auch noch ein paar weichere, schwer zu greifende Faktoren hinzu. Zuweilen wirkt es so, als würde sich die Mannschaft von Eintracht Frankfurt ihrem Schicksal ergeben, als habe sie zu viel mit sich selbst zu tun und mit der großen Unzufriedenheit, die um sich greift, auch intern. Einige Spieler sind wieder verstärkt dabei, misslungene Aktionen mit einem genervten Abwinken zu begleiten. Filip Kostic zum Beispiel. Das ist eine Unart, die Kevin Trapp nicht verborgen geblieben ist. Beim 0:2 in Bochum, sagt er generell, sei das Ganze noch extremer gewesen, insgesamt bringe das „Lamentieren und Beschweren“ nichts. „Das sind Dinge, die wir nicht brauchen, weil sie uns nicht helfen.“

Bei Eintracht Frankfurt liegt nichts im Argen

Der Torwart glaubt, dass die Spieler noch sehr viel mehr „miteinander reden“ müssten. „Wir könnten uns gegenseitig noch mehr pushen, uns hoch- und nicht runterziehen. Das hilft.“ Die Mannschaft, das sei ja kein Geheimnis, sei generell „eher ruhig“. Für Sportvorstand Krösche ist das aber nicht ungewöhnlich und in der Bundesliga eher Usus. „Das ist eine Frage der Generation, die Jungs heute sind so. Das ist aber kein Problem.“

Grundsätzliches, bedeutet Kevin Trapp mit Nachdruck, liege bei Eintracht Frankfurt nicht im Argen. „Wir haben hier keinen Einzigen, der sich daneben benimmt.“ Momentan befinde man sich in einer schwierigen Phase, „aber wir werden auch wieder schönere Momente haben.“ Er gibt sein Bestes dafür. (Ingo Durstewitz)

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