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SGE

Eintracht Frankfurt: Der Kampf um Fredi Bobic - Hellmann warnt

  • Jan Christian Müller
    VonJan Christian Müller
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Marketingvorstand Axel Hellmann mahnt: „Wie wollen Sie eine Fußballstrategie aufbauen, wenn sich das Führungspersonal alle zwei oder drei Jahre verändert?“

  • Eintracht Frankfurt kämpft um Fredi Bobic.
  • Für SGE-Marketingvorstand Hellmann sind häufige Wechsel beim Führungspersonal schädlich für die Strategie.
  • Hertha BSC zeigt Interesse an Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt.

Frankfurt - Sportlich hat Eintracht Frankfurt in den beiden letzten Bundesligaspielen mehr Federn gelassen als geplant, personell ist durch den angekündigten Abschied von Sportvorstand Fredi Bobic eine unruhige Phase eingeläutet worden, strategisch aber sieht sich der Klub bestens aufgestellt. Marketingvorstand Axel Hellmann hat das jetzt beim Sportbusiness Club des Fachmagazins „Sponsors“ deutlich benannt.

Ohne direkt auf die sensible Personalie Bobic einzugehen, die am Mittwoch bei der mit Hochspannung erwarteten Aufsichtsratssitzung das vorherrschende Thema sein wird, erklärte Hellmann, man brauche auf der Führungsebene „eine Mannschaft, die für Kontinuität steht. Wir haben lange Heribert Bruchhagen als Vorstandsvorsitzenden gehabt, wir haben 20 Jahre den selben Präsidenten und wir haben einen organischen Übergang auf Aufsichtsratspositionen. Ob ein Spieler, Trainer oder Vorstand kommen oder gehen will, wird die Struktur dieses Klubs nicht verändern“. Klingt so, als sei Hellmann zuversichtlich, dass die Eintracht auch nach einem wahrscheinlichen Abgang von Bobic ihren Erfolgsweg beibehält.

So ging es gemeinsam los: Axel Hellmann (rechts) an der Seite von Fredi Bobic.

Eintracht Frankfurt: Im Fan-Block der SGE sozialisiert

Hellmann selbst ist, anders als der in Stuttgart und Berlin heimatliche Gefühle verspürende Bobic, schon als Jugendlicher Eintracht-Fan gewesen, hat im G-Block gestanden und arbeitet seit 20 Jahren bei der Eintracht in verschiedenen Ämtern. „Es hilft, in der Biografie mit einem Klub lange verbunden zu sein“, glaubt er, „man kann diesen Spagat aber auch schaffen, ohne eine klubspezifische DNA mitzubringen. Wenn Fans und Mitglieder das Gefühl haben, da ist ein ehrlicher Sachwalter, der die Interessen des Klubs voranbringen will, dann schafft man Authentizität durch Klarheit von Wahrheit.“

Klar ist für den 49-Jährigen, dass ein zu häufiges Wechseln in der sportlichen Führung problematisch werden kann, ein Thema, das durch die Personalie Bobic an Aktualität gewinnt. Denn: „Wie wollen Sie eine Fußballstrategie aufbauen, wenn sich das Führungspersonal alle zwei oder drei Jahren in seinen Grundlagen verändert?“

Eintracht Frankfurt gehört zu Top Vier in Deutschland

In der fast fünfjährigen Ära Hellmann/Bobic gelang der wirtschaftliche Aufstieg der Eintracht Frankfurt zu den Top-4 der umsatzstärksten Klubs in Deutschland. Hellmann empfindet das als „eine beachtliche Situation, wenn man bedenkt, dass wir vor neun Jahren noch Umsätze von unter 60 Millionen Euro erzielt haben. Jetzt haben wir die Marke von 300 Millionen pro Jahr erreicht“. Allerdings steckt dahinter auch sehr viel Bobic und dessen kluger Ein- und Verkaufspolitik, die den Relegationsteilnehmer zur zweiten Liga von 2016 dann sehr weit nach Europa brachte.

Zur Person
NameAxel Hellmann
PositionMitglied des Vorstandes bei Eintracht Frankfurt
Familienstandverheiratet, zwei Kinder

Und die Eintracht hat, flankiert vom sportlichen Erfolg, auch auf dem kommerziellen Sektor zulegt, also im Sponsoring und durch Partnerschaften. In den vergangenen fünf Jahren hat sie sich in diesem Bereich um 60 Prozent gesteigert. Kam sie 2015/2016, als sie nur über die zwei Entscheidungsspiele gegen Nürnberg die Klassenzugehörigkeit sichern konnte, auf 27,9 Millionen, so sind es jetzt 44,4 Millionen. Hellmann: „Dass wir es aus einer Abstiegssituation, ohne eine einzige Teilnahme an der Champions League und ohne Investoren, geschafft haben, diese Range zu erreichen, ist der eigentliche Mehrwert.“

Eintracht Frankfurt: Vermarktung ohne Lagadere Sports

Bedeutend sei für den Klub auch, dass seit April 2019 kein Vermarkter mehr zwischengeschaltet ist, zuvor war es 15 Jahre lang Lagardère Sports. „Seit wir den Wechsel zur Eigenvermarktung beschritten haben, konnten wir unseren Umsatz um 25 bis 30 Prozent steigern. Auf der Seite des Deckungsbeitrages liegt die Steigerung sogar bei 44 Prozent. Ich kenne keinen Klub, der eine ähnliche Entwicklung erreicht hat“, frohlockt Hellmann.

Wirtschaftliche Stabilität sei in Zeiten der Krise ein bedeutendes Gut. „Da sind von Investoren geführte Klubs (wie Leipzig, Wolfsburg, Leverkusen; Anm. d. Red.) klar im Vorteil“, weiß Hellmann, sieht aber die Traditionsklubs künftig als Treiber: „Mittel- und langfristig werden die Traditionsklubs für den Fußball die wesentliche Arbeit leisten, weil sie die Menschen emotionalisieren müssen. Der Schub nach Corona, wenn die Menschen wieder Stimmungen fühlen müssen, wird hauptsächlich von den großen Traditionsklubs ausgehen. Es ist daher bedauerlich, dass die Bundesliga hinsichtlich der Anzahl von Traditionsklubs immer weiter ausdünnt.“

Eintracht Frankfurt: Die Warnung an den VfB Stuttgart

Die Vorzüge der Eintracht im Vergleich zum VfB Stuttgart oder dem Hamburger SV, wo es zuletzt in der Führung jeweils heftigen Zwist gab, oder dem designierten Absteiger Schalke 04 erklärt der Eintracht-Marketingchef so: „Wir haben dank unserer Satzung jegliche Themen um Machtkämpfe ausblenden können, das ist bei uns gut austariert. Es ist bei einem Verein mit über 50 Sparten wichtig, ein System zu finden, das einen Präsidenten stärkt, der eine große Bedeutung hat.“ Die hat Peter Fischer bei der Eintracht zweifellos.

Machtkämpfe wie in Stuttgart, wo der Vereinschef Claus Vogt sich wochenlang Angriffen des von Ankerinvestor Daimler-Benz gestützten Vorstandschefs Thomas Hitzlsperger ausgesetzt sah, können erheblichen Schaden anrichten. Hellmanns Gegengift: „Sie müssen ein gesundes Verhältnis zwischen dem Basisanspruch von Mitgliedern und dem Kapital finden. Wenn das nicht ausgewogen ist, haben Sie keine Chance auf eine gemeinsame Strategie. Diese Ausgewogenheit muss ein Präsident pflegen, und er muss vor allem von allen akzeptiert werden. Wenn das nicht gelingt, werden sich Konflikte fortsetzen.“ Klingt nicht gut für des Zukunft des VfB.

Rubriklistenbild: © imago/Jan Huebner

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