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SGE-Kommentar

Trotz Abgang von Fredi Bobic: Kein Kollaps bei der Eintracht – Kommt jetzt die Chance für Spycher?

  • Ingo Durstewitz
    VonIngo Durstewitz
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Fredi Bobics Wechselwunsch kommt für Eintracht Frankfurt zur Unzeit. Doch inzwischen ist der Klub stabil genug, den Abgang des Sportdirektors aufzufangen. Ein Kommentar.

  • Fredi Bobic will Eintracht Frankfurt nach der laufenden Saison verlassen.
  • Ein Wechselwunsch, der für die SGE zur Unzeit kommt.
  • Der Verein kann den Abschied des Sportvorstandes verkraften und auffangen.

Frankfurt am Main - Es ist noch nicht so furchtbar lange her, da saß Fredi Bobic mit Leichenbittermiene im Bauch des Frankfurter Stadions und las seinem neben ihm sitzenden Trainer, aber auch dem großen FC Bayern die Leviten. Mit schneidender, eisiger Stimme. „Es stehen sehr viele wichtige Spiele für Eintracht Frankfurt an, wir können sehr viel erreichen, wir haben uns sehr viel aufgebaut in kürzester Zeit. In dieser Phase, die unheimlich wichtig ist, ist dieser Zeitpunkt für Eintracht Frankfurt kein sehr glücklicher.“

Eintracht Frankfurt: Wie war das mit Kovac?

Es ging, man ahnt es, um Niko Kovac und den FC Bayern, an jenem Tag im April 2018 war der bevorstehende Wechsel des Trainers zum Titelsammler aus München an die Öffentlichkeit gelangt, und Fredi Bobic fand das im Endspurt um Europa nicht ganz so prickelnd. Zwei Tage später ging die Eintracht, mal wieder, glatt in Leverkusen unter, und die FR titelte nach dem 1:4 unterm Bayer-Kreuz nur leicht süffisant: „Kovacs erste Niederlage als Bayern-Trainer.“

Projektarbeiter Fredi Bobic leistet in Frankfurt erstklassige Arbeit.

Manchmal, so scheint es, wiederholt sich Geschichte eben doch, und manchmal holt einen die Vergangenheit ein, nur dass Fredi Bobic sich nicht mit einem Unruhe stiftenden Trainer befassen muss, der hat nämlich vor wenigen Tagen erst klipp und klar erklärt, an Bord zu bleiben. Nein, es geht um den Sportvorstand selbst, der mitten im Saisonfinale 2021 und der Aussicht auf die Champions League seinen Abgang plant und für ein Beben.

Eintracht Frankfurt: Beide Parteien beschädigt

in Fußball-Frankfurt sorgt. Unglücklicher, siehe oben, könnte ein Zeitpunkt nicht gewählt sein. Der Ex-Nationalspieler gibt eine denkbar schlechte Figur ab, seit Wochen eiert er herum. Erst jetzt, da ihm das heikle Thema durch eine Indiskretion direkt auf die Füße fiel, schaffte er Fakten. In einer TV-Sendung. Typisch.


In der gläsernen Bundesligawelt, das hätte der erfahrene Manager wissen müssen, bleibt nur selten etwas geheim, gerade dann nicht, wenn der Chef der um Bobic buhlenden Hertha der frühere Chef des TV-Senders Sky war, der zufälligerweise den Wechselwunsch des Managers öffentlich machte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Vertrauensbildend, das am Rande, ist es nicht, wenn schon vor Vertragsabschluss Interna nach außen dringen.

Eintracht-Sportchef Fredi Bobic: Der Ruf leidet

Fredi Bobic, zur Klarstellung, hat kein Interesse daran, Eintracht Frankfurt zu schaden, genauso wenig wie Niko Kovac damals, doch manchmal fegen die Ereignisse über die Schweigegelübde hinweg, dann überlagern plötzlich die Eigeninteressen jene des Vereins. Das sollte nicht sein. Nun sind beide Parteien beschädigt. Dort leidet der Ruf, hier herrscht Unruhe zur Unzeit. Sehr unglücklich, auch dies.

Dass der erfolgreiche Sportchef die Eintracht verlassen will, ist nach fünf überaus erfolgreichen Jahren legitim, auch wenn das Ganze jetzt in einer Schlammschlacht enden könnte. Ein Geschmäckle bleibt, schließlich besitzt Fredi Bobic einen gültigen Arbeitsvertrag bis 2023. Doch Papier zählt in der Bundesliga nicht besonders viel, es bietet nur eine Scheinsicherheit. Wer anderes glaubt, ist ein Sozialromantiker.

Fredi Bobic: Nur ein Zeitarbeiter bei Eintracht Frankfurt

Bobics Handeln ist, für sich betrachtet, sogar konsequent. Er begreift seinen Job als temporär befristete Aufgabe, er ist eine Art Zeitarbeiter im Hochpreissegment. Ihn treibt die Sehnsucht nach Neuem an, er ist einer, der sich beweisen muss, der zeigen will, dass er auch an anderen Standorten erfolgreich sein kann. Er hat Spaß am Bestimmen, Umwälzen und Aufbauen. Das kann er in Berlin, da liegt nicht alles, aber einiges in Trümmern. Privat ist er ein Familienmensch, und seine Familie lebt in der Hauptstadt. Ein weiches Argument.

In Frankfurt sieht er seine Mission als erfüllt an. Würde er den Klub als Königsklassenteilnehmer übergeben, hätte er sich, die anderen Erfolge im Rücken, im großen Stil verabschiedet. Mehr geht nicht. Wenn es dazu noch kommt. Denn die Ironie an der Geschichte: Gerade seine Absetzbewegungen elf Spieltage vor Ultimo gefährden das große Ziel, Störfeuer sind da eigentlich unerwünscht – auch wenn Fredi Bobic ja nicht täglich mit der Mannschaft zu tun hat, sondern eher das große Ganze im Blick und im Rahmen der Unternehmensphilosophie die Personalpolitik bestimmt hat.

Genau auf diesem Sektor wird der Schwabe fehlen, er ist nicht aus Jux und Dollerei zweimal zum Manager des Jahres gekürt worden. Er hat die Eintracht binnen weniger Jahren mit klugen Transfers vom Fastabsteiger zum Champions-League-Aspiranten entwickelt. Das ist in weiten Teilen sein Verdienst.

Eintracht Frankfurt: Abgang von Fredi Bobic ist kein Weltuntergang

Fredi Bobics Abgang ist ein Verlust, aber kein Weltuntergang. Es droht kein Zusammenbruch oder der Kollaps, das, was in Frankfurt aufgebaut wurde, wird mitnichten wie ein Kartenhaus zusammenstürzen. Dazu ist der Verein zu organisch gewachsen und zu groß geworden. Zumal die Verantwortlichen nun hinter Fredi Bobic die Reihen geschlossen haben, sie stehen in großer Eintracht zueinander. Sie haben, um Bobics Wunsch nach Veränderung wissend, gerade die Ebene unter dem Vorstand gestärkt: Trainer Adi Hütter bleibt, Chefscout Ben Manga wird befördert. Sollte eine Kapazität vom Format eines Christoph Spycher nachfolgen, wäre das eine smarte, kluge Personalentscheidung.

Ach ja: Niko Kovac schenkte der Eintracht ihren größten Triumph seit 30 Jahren, den Pokalsieg gegen die Bayern – genau fünf Wochen nach seinem angekündigten Abschied. (Ingo Durstewitz)

Rubriklistenbild: © Arne Dedert/dpa

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