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Folgt Trapp dem Ruf von der Insel?

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Von: Daniel Schmitt

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Frankfurter Aushängeschild: Kevin Trapp (links), hier mit Trainer Oliver Glasner beim „Sportbild-Award 2022“.
Frankfurter Aushängeschild: Kevin Trapp (links), hier mit Trainer Oliver Glasner beim „Sportbild-Award 2022“. © dpa

Die Offerte von Manchester United an Kevin Trapp schmeichelt dem Torhüter, bringt seinen Klub Eintracht Frankfurt aber in eine unangenehme Lage. Die Zeit für eine Entscheidung drängt.

Als er da stand im Mai, hoch droben über den Massen, stolz wie Bolle auf dem Römerbalkon, war es selbst dem coolen Hund Kevin Trapp irgendwann zu viel. Zu viel der positiven Gefühle, zu viel der nicht mehr aufnehmbaren Eindrücke, zu viel von allem. Er weinte, die Stimme brach, doch Kevin Trapp war glücklich. So glücklich wie nie zuvor in seiner Sportlerlaufbahn. „Der schönste Tag meiner Karriere“, sagte Trapp nach dem Europa-League-Triumph seines Klubs, der Frankfurter Eintracht, der ja nur der Höhepunkt einer herausragenden Saison des Torhüters gewesen war, des erfolgreichsten Jahres seines Lebens.

Knapp drei Monate später steht der deutsche Nationaltorwart vor einer das Leben verändernden Entscheidung, was zwar hochtrabend klingt, aber allein aufgrund eines möglichen Umzugs nicht zu hoch gegriffen ist. Also: Deutschland oder England? Frankfurt oder Manchester? Die geliebte Eintracht oder lieber United? Seit dem Wochenende liegt Trapp bekanntlich eine Anfrage des Premier-League-Rekordmeisters vor: Vierjahresvertrag in Manchester, deutlich höheres Gehalt als in Frankfurt, die Chance auf die Position als Nummer eins bei einem weltweit bekannten Klub in der besten Fußballliga des Planeten. Denn trotz sportlicher Schwächephase ist ManU neben Real Madrid, dem FC Barcelona und vielleicht den Münchner Bayern noch immer eine der größten Marken der Fußballwelt.

Selbstverständlich schmeichelt das Werben eines derartigen Klubs sehr, ist Trapp stolz auf diese Offerte. „Manchester ist ein großer Verein, aber ich habe mich damit nicht beschäftigt“, ließ er am Montagabend bei den „Sportbild“-Awards in Hamburg, wo die Eintracht die Auszeichnung als „Mannschaft des Jahres“ erhielt, dennoch verlauten. Kann man glauben, sollte man aber nicht.

2015 begriff der damals noch 25-Jährige den Wechsel zur Paris Saint-Germain sportlich wie finanziell als einmalige Chance in seiner Karriere. Dass der gebürtige Saarländer bei den Franzosen oft auf der Bank saß, machte ihn dann zwar nicht dauerhaft glücklich, aber eben auch nicht tieftraurig. Diese Erfahrung habe ihm „extrem geholfen. Ich habe mich in den drei Jahren fußballerisch weiterentwickelt und extrem viel an Erfahrung und Persönlichkeit gewonnen“, sagte Trapp, nachdem er 2018 wieder zur Eintracht zurückgekehrt war.

Der Torwart, der vom renommierten Berater Volker Struth (unter anderem sind auch Mario Götze, Toni Kroos und Timo Werner dessen Kunden) unterstützt wird, würde dem Ruf von der Insel dem Vernehmen nach tendenziell gerne folgen, wenngleich ihm die Eintracht sehr am Herzen liegt und auch aus Trapps Sicht noch nichts endgültig entschieden ist. Ein zweiter Abgang würde ihm nicht leichtfallen, ist sehr wohl aber beschäftigt sich der Keeper mit der Frage: War der Europapokalsieg vielleicht wirklich der maximal erreichbare Erfolg mit der Eintracht?

In zwei Wochen wartet die Champions League, die er mit United nicht spielen könnte, zumindest in der aktuellen Runde nicht, sind die Engländer doch nur für die Europa League qualifiziert. Andererseits wäre der Einzug in die Königsklasse mit Manchester in den kommenden Jahren möglich. Zudem sollen, so hört man, die weggebrochenen Frankfurter Leistungsträger Martin Hinteregger (Karriereende) und Filip Kostic (Juventus Turin) im Kontext der United-Anfrage den 32-Jährigen ins Grübeln gebracht haben. Im Falle eines Wechsels würde mit Trapp eine dritte, sehr wichtige Eintracht-Säule entfernt, das Frankfurter Umfeld könnte zunehmend unruhiger werden. Positiv betrachtet dagegen: Bereits 2019 verkauften die Hessen die drei „Büffel“, Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic, auf einen Schlag und die Eintracht-Welt drehte sich auch damals weiter.

In den englischen Medien ist eine mögliche Trapp-Verpflichtung derweil ein Randthema. Es wird berichtet, der Deutsche solle „in einen Wettbewerb mit David de Gea“ („Sun“) treten, mit dem bisherigen Stammtorwart also, der in der vergangenen Spielzeit zum „Spieler der Saison“ bei United gekürt wurde. Alles in allem beherrschen jedoch andere Transfergerüchte die Schlagzeilen rund um die Red Devils: der mögliche Abgang von Cristiano Ronaldo oder auch die potenziellen Zugänge Antony (Ajax Amsterdam) und Cody Gakpo (PSV Eindhoven). Erst dahinter folgt medial die Personalie Kevin Trapp.

Anders intern. Erik ten Hag, der Trainer, sieht auf der Torhüterposition trotz einer starken Leistung de Geas am Montag beim 2:1-Sieg gegen den FC Liverpool (siehe Artikel rechts) Handlungsbedarf. Er wünscht sich einen Schlussmann, der nicht nur gut Bälle parieren kann, sondern auch mit der Kugel am Fuß sicher umgeht. Odysseas Vlachodimos von Benfica Lissabon, der in Stuttgart geborene griechische Nationaltorwart, soll ebenfalls eine Option sein, Trapp aber der Wunschkandidat des Trainers.

Während United in den vergangenen Jahren oft mit langen Bällen die eigenen Angriffe eröffnete, will ten Hag dies umstellen. Abstöße werden neuerdings kurz ausgeführt, oft sogar von einem in den Fünfer geeilten Verteidiger hin zum Torwart. Dafür tauge de Gea nur bedingt, stellte dieser Tage der „Guardian“ fest: „Der Spanier ist ein exzellenter Torwart, der sich aber nicht wohlfühlt mit dem Ball am Fuß, der manchmal sogar mit ihm kämpft.“

Nun ist Kevin Trapp kein Schlechter im Fuß-Umgang mit dem Ball, zählt darin aber auch nicht zu den Allerbesten seines Fachs. Außerdem: Ist er in Frankfurt die unangefochtene Nummer eins, müsste er sich in Manchester dem Konkurrenzkampf stellen – freilich als leichter Favorit. Der Sportdaten-Dienstleister Opta untermauerte jüngst den subjektiven Eindruck mit Zahlen: Demnach war Trapp in der vergangenen Saison jener Keeper, der sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League die meisten Großchancen vereitelte.

Manchester United will also einen Deal, Kevin Trapp will ihn tendenziell auch. Und die Frankfurter Eintracht? Die will nicht, zumindest (noch) nicht. Die kolportierte hohe einstellige Millionensumme (plus Boni), die Manchester derzeit als Ablöse bieten soll, ist den Hessen deutlich zu gering, um über einen Verkauf von Trapp nachzudenken. Dafür ist der Spieler zu wichtig für den Klub – als Torwart und Leistungsträger, als Vizekapitän und Integrationsfigur, als Aushängeschild. Nicht umsonst stand Trapp und nicht etwa Kapitän Sebastian Rode bei der Ehrung in Hamburg an der Seite von Trainer Glasner auf der Bühne.

Die Engländer müssten finanziell draufpacken, wollen sie die Eintracht tatsächlich zum Umdenken bewegen - was nicht auszuschließen ist, wirft das nach Erfolgen gierende Manchester doch in diesem Sommer ohnehin mit der Kohle nur so um sich. Es ist eine Frage des Geldes, des vielen Geldes. Die Eintracht wirkt darob weiterhin einigermaßen entspannt, sie rechnet eher nicht in den kommenden neun Tagen mit einem sie schwachwerden lassenden Angebot. Klar ist: Die Zeit drängt ein wenig, die Lage für die Hessen ist nicht die angenehmste, müsste im Fall der Fälle auch noch ein gestandener Ersatzmann für Trapp verpflichtet werden.

Oliver Glasner, der Eintracht-Coach, benennt nüchtern die Usancen des Geschäfts. Er wolle Trapp zwar gerne behalten, „aber ich bin nicht der letzte Entscheider, das sind Kevin und der Klub.“ Er als Trainer sei froh, solch eine „tollen Torwart und Menschen“ in seiner Truppe zu wissen.

Übrigens: Mindestens einmal wird Kevin Trapp auf jeden Fall noch im Frankfurter Waldstadion zwischen den Pfosten stehen, an diesem Mittwochabend (18 Uhr) beim Benefizkick „Champions for Charity“. Sein Abschiedsspiel?

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