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Eintracht-Verteidiger Erik Durm (rechts) kocht Axel Witsel ab.

SGE

Eintracht Frankfurt ist in der Findungsphase

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„Wir sind auf einem guten Weg“, sagt Eintracht-Trainer Adi Hütter. Die SGE spielt bislang eine grundsolide Runde und muss noch enger zusammenwachsen. 

Frankfurt - Fünf Bundesligaspiele hat Eintracht Frankfurt bisher bestritten, die nüchternen Zahlen weisen ein Verhältnis aus, das ausgeglichener nicht sein könnte. Zwei Siege (gegen Hoffenheim und Düsseldorf), zwei Niederlagen (Leipzig und Augsburg), ein Remis (Dortmund), sieben Punkte, sieben zu sieben Tore, Rang neun. „Wir sind im Soll“, sagt Sportvorstand Fredi Bobic. Adi Hütter versetzt die Ausbeute zwar nicht in himmelhochjauchzende Jubelstimmung, aber der Trainer ist ganz zufrieden. „ Sieben Punkte sind okay, wir sind auf einem guten Weg.“

Die Frankfurter spielen bisher eine fürwahr ausgeglichene Runde, ohne großartige Ausschläge nach oben oder unten. Die Darbietungen waren zumeist solide und ordentlich, nicht über die gesamte Spielzeit der einzelnen Partien hinweg, aber insgesamt gesehen. Die sieben errungenen Punkte spiegeln das Leistungsvermögen korrekt wider.

SGE lag sechsmal im Rückstand

Was auffällt: Die Mannschaft hat nicht immer, aber häufiger Schwierigkeiten, in die Spiele hineinzufinden. Das ist ein mittlerweile bekanntes Phänomen, was sich nur schwer erklären, aber an nüchternen Zahlen ablesen lässt. In sieben Pflichtspielen – wenn man mal die sechs Qualifikationsrunden zur Europa League außen vor lässt – lag die Eintracht sechsmal in Rückstand, immer in der ersten Hälfte schon, davon dreimal, gegen Waldhof Mannheim, RB Leipzig und Borussia Dortmund, bereits nach rund zehn Minuten. Zufall ist das wohl eher nicht.

Für die Mannschaft ist das ein Ballast, den sie mitschleppen muss. „Es wäre wichtig, auch mal in Führung zu gehen“, sagt Trainer Hütter. Rückstände sind Gift fürs Selbstvertrauen, sie können einer Mannschaft die Sicherheit rauben. Das ist gerade für ein neu zusammengestelltes Ensemble eine Hypothek. Umso höher ist diese Robustheit einzuschätzen, nicht klein beizugeben und sich in eine Niederlage zu fügen.

In keinem einzigen Spiel waren die Frankfurter chancenlos, kamen immer wieder zurück. In Mannheim, beim Drittligisten Waldhof, und gegen Fortuna Düsseldorf konnten sie die Spiele sogar noch drehen, auch der späte Ausgleichstreffer nach zweimaligem Rückstand gegen Borussia Dortmund vom vergangenen Sonntag fühlte sich an wie ein Sieg.

Siegermentalität der SGE

Das zeigt zum einen, dass die Mannschaft trotz – oder wegen – der Vielzahl an Pflichtspielen (13 an der Zahl) topfit ist und sich immer wieder mal zu einem Kraftakt aufraffen kann, auch wenn sich dieser nicht beliebig wiederholen lässt und nicht immer von Erfolg gekrönt ist.

Und es verdeutlicht, zum anderen, dass das Team intakt ist und einen ausgeprägten Behauptungswillen hat. „Mentalität heißt für mich, dass man bis zum Schluss versucht, an etwas zu glauben, Bereitschaft zu zeigen, nie aufzugeben“, sagte Hütter nach dem 2:2 gegen den BVB. „Ich spreche immer sehr gerne von einer Siegermentalität, dass man bis zum Schluss alles gibt. Das hat die Mannschaft gezeigt.“

Diese Einstellung ist wichtig für den Entwicklungsprozess des Teams, das ja sehr wohl ein neues ist und sich finden muss. Gegen Dortmund standen am Anfang vier und am Ende gar sechs Spieler auf dem Feld, die in der vergangenen Saison noch nicht in Frankfurt ihrem Job nachgingen. Das ist schon eine Hausnummer. Da ist es klar, dass noch nicht alles klappen und reibungslos funktionieren kann. Das Zusammenwachsen braucht seine Zeit, Automatismen müssen sich einschleifen, Abläufe und Laufwege vertieft werden. „Wir zeigen in jedem Spiel eine Steigerung, brauchen aber weiter Geduld“, sagte Verteidiger Erik Durm. „Die Laufwege und das Zusammenspiel automatisieren sich immer weiter.“

Es ist immer wieder zu beobachten, dass gerade Spieler aus dem Ausland Probleme haben, sich an das Level und die Anforderungen der Bundesliga zu gewöhnen. Das war bei Sebastien Haller und vor allem Luka Jovic so, der in seinen ersten zehn Spielen in Frankfurt nur 51 Minuten spielen durfte. Auch Ante Rebic musste, damals 2016, bis zum siebten Spieltag warten, ehe er erstmals in der Startelf stand.

SGE: Die Bundesliga ist eine andere Hausnummer

Die Bundesliga ist zumindest in punkto Physis, Aggressivität und Athletik eine andere Hausnummer als etwa die Spielklassen in der Niederlande, Portugal oder auch Frankreich. Selbst Erik Durm, lange in Dortmund und zuletzt in England, brauchte einige Zeit, ehe er sich wieder an das Spiel in Deutschland angepasst hatte. „Am Anfang war es schon eine Umstellung von Huddersfield nach Frankfurt, das hat mein Körper schon gespürt. Unter Adi Hütter gehen wir ständig ins Gegenpressing. Immer sprinten, sprinten, sprinten. Das hat am Anfang schon wehgetan.“

Und so ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass Spieler wie Bas Dost, der in Lissabon war und zudem einen eklatanten Trainingsrückstand aufweist, Dejan Joveljic (Roter Stern Belgrad, Serbien) oder Djibril Sow Zeit brauchen, um sich zurecht zu finden. Am schnellsten haben sich der Portugiese André Silva und der Japaner Daichi Kamada eingefunden.

Gerade beim Schweizer Sow, zuletzt bei Young Boys Bern am Ball, ließ sich das Fremdeln und anschließende Eingewöhnen gut ablesen. Der 22 Jahre alte Mittelfeldspieler, zuvor noch lange verletzt, hat unbestritten Potenzial, bezahlte in den ersten beiden Partien aber prompt Lehrgeld. Trainer Hütter ließ ihn aber nicht fallen, schenkte ihm das Vertrauen, und Sow steigerte sich, bereitete gegen Dortmund den Ausgleich zum 1:1 vor und zeigte eine ansprechende Leistung.

Druck machen, den Konkurrenzkampf anheizen: Erik Durm weiß genau, was seine Aufgabe in Frankfurt ist

„Die schweren Spiele tun mir gut, um Rhythmus aufzunehmen. Ich werde auch nächste Woche noch nicht bei 100 Prozent sein, aber es wird von Spiel zu Spiel besser“, befand Sow, der sich auf der Achterposition wohler fühlt. „Wir waren im Mittelfeld etwas defensiver aufgestellt als sonst. Das kam mir entgegen, ich hatte mehr Freiheiten, weil Gelson abgesichert hat.“ Gelson Fernandes, wichtig fürs Team, auch wenn er nicht spielt, und irgendwie ein Sinnbild dieser Mannschaft. Er bringt Mentalität im Überschuss mit. Und er weiß, wie der Hase läuft in der Bundesliga.

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