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Eintracht Frankfurt möchte das Finale „locker und fokussiert“ angehen

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Von: Thomas Kilchenstein

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Eintracht Frankfurt will nicht viel verändern, um die Glasgow Rangers im Spiel der Spiele in die Schranken zu weisen.

Frankfurt ‒ In den letzten Tagen, da die Profis von Eintracht Frankfurt die Füße hochlegen durften, hat der Trainer Oliver Glasner ziemlich viel Fernsehen geguckt, immer das gleiche Programm: Spiele von Glasgow Rangers. Und was der Fußballlehrer da gesehen hatte, hat ihn, ehrlich gesagt, „beeindruckt“. Der schottische Gegner am kommenden Mittwoch in Sevilla im Europa-League-Finale habe „eine klare Struktur bei eigenem Ballbesitz“, agiere „unglaublich druckvoll, aggressiv, sehr zweikampfstark, variabel“. Er, Glasner, habe RB Leipzig in der gesamten Bundesligasaison nie „so in trouble“ gesehen wie beim Rückspiel in Glasgow, das den Rangers das Finale brachte.

Danach musste der Fußballlehrer, der erstmals seit Ernst Happel 1983 wieder als österreichischer Trainer einen Europapokal gewinnen könnte, erst mal durchpusten. Er tat das in einer Frankfurter Ebbelwoikneipe, ganz allein sei er dahin gegangen, erzählte er jetzt, sechs Tage vor dem Saisonhöhepunkt beim Medientag der Uefa im Stadtwald. Prompt ist er an einen Tisch gesetzt worden, an dem sechs Gäste saßen. Schnell kam natürlich das Gespräch auf die Eintracht, vor guten Wünschen konnte sich der Coach kaum retten. Ohnehin hat er festgestellt, dass eigentlich ganz Deutschland den Hessen die Daumen drücke. So was verpflichte.

Eintracht Frankfurt: „Pure Freude“ vor dem großen Finale

Der Countdown bis zum größten Spiel tickt herunter, sechs Tage haben die Frankfurter noch Zeit, sich auf dieses Finale vorzubereiten. Eigentlich, sagt aber Torwart Kevin Trapp, ist „es fast noch zu lang“ bis zum Tag X. Die Mannschaft brenne förmlich, sehne diese 90 oder 120 Minuten von Sevilla herbei, „das ist die pure Freude“. Sechs Tage noch, um den großen Traum einer ganzen Stadt, der Region, des Klubs in Erfüllung gehen zu lassen.

Will sich nicht verrückt machen lassen: Trainer Oliver Glasner.
Will sich nicht verrückt machen lassen: Trainer Oliver Glasner. © dpa

Am gestrigen Donnerstag bat Oliver Glasner wieder zum Training, es wurde viel gelacht, die Stimmung war ausgelassen, vielleicht deswegen, weil Trainer Glasner beim abschließenden Schusstraining nur den Innenpfosten traf und zur „Strafe“ Bälle, Leibchen und Stangen einsammeln musste. Ansonsten herrschte business as usual bei den Hessen.

Man dürfe jetzt nicht alles anders machen, sagte Glasner, und „nur noch zu Hause sitzen und sich sechs Stunden mit den Rangers beschäftigen“. In der Vorbereitung werde man genauso verfahren wie zuletzt, „wir werden jetzt bei uns keine neuen Stärken entdecken“, sagte Glasner, egal wie lange man im Training danach suche. Das sei zudem gar nicht vonnöten: „Wir müssen nur unsere Stärke, unseren Spirit und unsere Mentalität auf den Platz bringen.“ Der Coach erwartet, dass sein Team genauso „locker und fokussiert“ in dieses allerletzte Spiel geht, wie beispielsweise gegen Olympiakos, Barcelona oder West Ham. Wer zwölf Spiele auf internationaler Bühne nicht verliere, der hat nicht viel falsch gemacht. „Wenn man vieles verändere, verliert man am Ende das, was einen ausgezeichnet hat.“

Eintracht-Torwart Kevin Trapp nennt den Zusammenhalt als Schlüssel

Und das ist auch der ganz besondere Zusammenhalt der Mannschaft. „Wir schaffen es immer, als Mannschaft aufzutreten“, erzählte Trapp offene Geheimnisse aus der Kabine, man spreche miteinander trotz 17 Nationen, keiner „fällt negativ auf“, jeder versuche, sich einzubringen und zu integrieren. Das merke man auf dem Platz, wo jeder für jeden ackere. „Das ist im Mannschaftssport extrem wichtig“, sagte Trapp. Das sei ein Schlüssel des Erfolgs über Teams, die individuell besser besetzt seien.

Wir schaffen es immer, als Mannschaft aufzutreten

Kevin Trapp über eine besondere Qualität der Eintracht

Die Bundesligapartie zum Saison-Halali gegen Mainz 05 will Glasner als Generalprobe nutzen, „es ist ein wichtiges Spiel mit Blickrichtung Sevilla“, betonte der 47-Jährige. Er werde die beste Elf stellen, damit die Profis in ihren Rhythmus bleiben. Und Angst vor etwaigen Verletzungen habe er auch keine: „Wenn du in allem das Schlimmste fürchtest, dann ist es auch nicht gut.“

Ob Jesper Lindström, der schnelle Tiefenläufer, es bis zum Mittwoch schaffen wird, ist weiterhin offen. Gegen Mainz wird ein Einsatz zu früh kommen, für Sevilla wohl ein „Fotofinish“, meinte Glasner. Die medizinische Abteilung arbeite mit Hochdruck an seiner Genesung, er werde dann spielen, sagte der Trainer, „wenn er besser ist als die Alternative“. Die Alternative zu Lindström, der dieser Tage von der DFL zum Rookie der Saison gekürt wurde, heißt Jens Petter Hauge. Zudem besteht ein Funken Hoffnung, dass womöglich sogar Martin Hinteregger überraschenderweise noch einsatzfähig wird.

Eintracht Frankfurt steht „völlig verdient im Finale“

Und dann ist Glasner gefragt worden, ob er auch nur im Entferntesten daran gedacht habe, einen solchen Erfolg mit den Hessen feiern zu können, als er im Sommer vom VfL Wolfsburg gekommen sei. Da hat er hintergründig gegrinst, „das hätten sie mich mal fragen sollen nach unserem Pokalaus gegen Mannheim“. Natürlich hat er nicht im Traum damit gerechnet, ein dreiviertel Jahr später in einem europäischen Finale zu stehen, für ihn das bislang Größte seiner Laufbahn.

Aber damals hatte sich die Frage nach dem personellen Umbruch überhaupt nicht gestellt. Es sei schwierig gewesen am turbulenten Anfang, da war ein Finale kein Thema: „Im Juli haben wir darüber gesprochen, was braucht es, damit wir eine gemeinsame Idee entwickeln, wie wir Fußball spielen wollen.“ In der Verfassung, in der „wir im Juli waren, hätten wir es nicht ins Finale geschafft, keine Chance“. Man hätte erst einen gemeinsamen Nenner finden müssen. Das sei gelungen, deshalb „stehen wir jetzt völlig verdient im Finale“. (Thomas Kilchenstein)

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